Es wird teurer, nicht nur bei Bäcker Braune. Wegen steigender Rohstoff- und Energiepreise kosten Brot und Brötchen mehr.  Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Folgen des Kriegs in der Ukraine Keine Dachpappe und teureres Brot

Hohe Energiepreise und gestörte Lieferketten belasten Potsdams Wirtschaft teilweise erheblich, vor allem Logistik und Handwerk sind betroffen.

Die Auswirkungen des Krieges machen sich auch bei Unternehmen in der Landeshauptstadt bemerkbar: „Potsdams Wirtschaft ist gravierend vom Anstieg der Energiepreise betroffen“, sagt Robert Kausmann, Referent für Energie und Klimapolitik der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK). Schon in den Monaten vor dem Angriff auf die Ukraine hätten sich die Strom- und Gaspreise mehr als verdoppelt. „Die Lage ist sehr angespannt und wir hören aus allen Branchen, dass die historisch hohen Preise die Existenz vieler Unternehmen bedrohen“, sagt Kausmann. Besonders betroffen seien Transport- und Logistikgewerbe sowie energieintensive Unternehmen und Betriebe.

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„Wenn von Seiten der Regierung nichts getan wird, bekommen wir Probleme“, sagt Herbert Wischer, Chef einer Potsdamer Spedition mit 35 Mitarbeitenden. Das Unternehmen transportiert vor allem Lebensmittel, täglich liefern die 21 Kühlfahrzeuge rund 400 Paletten an große Supermärkte. „Wenn die Dieselpreise und die Strompreise so weiter steigen – alle unsere Lagerflächen sind gekühlt -, dann werden solche Firmen wie wir es nicht schaffen, weiterzuarbeiten“, sagt Wischer. „Wenn man so die Lieferketten unterbricht, wird es letztendlich zu Versorgungslücken kommen und das massiv.“

20 Prozent mehr Kosten für Potsdamer Spedition

Auch Speditions-Unternehmer Joachim Krage spürt die Auswirkungen des Krieges: „Wir haben derzeit rund 20 Prozent mehr Kosten im Betrieb“, sagt der Chef der Krage Potsdam GmbH, in deren Auftrag täglich rund 100 Fahrzeuge unterwegs sind. Alle vier bis fünf Tage sei ein Tankzug von etwa 30 000 Litern nötig, damit der Fuhrpark rollen könne: „Wenn sich ein Treibstofflieferant wie Shell aus dem russischen Markt zurückzieht, dann hat das heftige Folgen auf Menge und Preis des Treibstoffs.“

Fuhrunternehmer wie Herbert Wischer mit seiner Spedition in  Fahrland warnen vor Lieferengpässen.  Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Fuhrunternehmer wie Herbert Wischer mit seiner Spedition in  Fahrland warnen vor Lieferengpässen.  © Andreas Klaer

Um dies abzufedern, hat er mit seinen Kunden eine sogenannte Dieselfloater-Vereinbarung getroffen: Durch diese erklären sich die Kunden bereit, entsprechend den Preisschwankungen einen gewissen Aufschlag zu zahlen. Mit dem Personal hat Krage hingegen keine Probleme: „Ukrainische Fahrer sind vor allem im Fernverkehr beschäftigt, und das machen wir kaum.“

Dachziegelhersteller nehmen keine neuen Aufträge mehr an

Potsdams Handwerks-Betriebe sind ebenfalls vom Krieg betroffen, und zwar in fast jeder Branche: „Die Preise galoppieren im wahrsten Sinne davon. Nicht nur an der Tankstelle, auch bei Rohstoffpreisen oder Zulieferprodukten, zum Beispiel Weizen oder Stahl“, sagt Ines Weitermann, Pressesprecherin der Handwerkskammer Potsdam (HWK). „Hinzu kommen Lieferengpässe, gestörte Lieferwege und Materialknappheit.“

Dachziegelzulieferer nehmen derzeit keine neuen Aufträge mehr an.

Frank Schildhauer kann das bestätigen: „Viele Rohstoffe für die Herstellung von Dachbaumaterial kommen aus den Regionen, die am Krieg beteiligt sind, außerdem verbraucht die Herstellung von Dachziegeln sehr viel Energie“, so der Potsdamer Dachdeckermeister. Dachpappe (ein erdölbasiertes Produkt) habe sich um rund 15 Prozent verteuert. „Das sind alles unmittelbare Auswirkungen dieses Konflikts“, sagt Schildhauer. Er reagiere darauf, indem er größere Materiallager anlege und früher bestelle, aber auch, indem er die eigenen Preise anpasse. Die Spritpreise betreffen Schildhauer zwar auch, fallen bei drei Betriebsfahrzeugen nicht so stark ins Gewicht.

Bäckermeister Werner Gniosdorz von der Bäckerei Braune wird ab Mai die Backwaren rund 10 Prozent teurer machen müssen. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Bäckermeister Werner Gniosdorz von der Bäckerei Braune wird ab Mai die Backwaren rund 10 Prozent teurer machen müssen. © Andreas Klaer

Brot und Brötchen werden bis zu 10 Prozent teurer

Eine andere betroffene Branche ist das Bäckerhandwerk: „Auch hier muss mit steigenden Preisen bei Brot und Brötchen gerechnet werden“, sagt Ines Weitermann. „Das ist richtig“, sagt Werner Gniosdorz, Inhaber von Bäcker Braune. Das habe mehrere Ursachen: Zum einen stiegen durch den Krieg nicht nur die Energie- sondern auch die Rohstoffpreise, zudem gab es am ersten März eine Tariflohnerhöhung. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als die Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben, so Gniosdorz: „Ich schätze, dass Brot und Brötchen ab Mai circa 10 Prozent teurer sein werden.“

Insgesamt befindet sich das Handwerk in einer schwierigen Situation: „Betriebe berichten von täglichen Preiserhöhungen aus dem Baustoffhandel, zum Beispiel bei Bitumen, Dämmmaterialien, Metallen, Dachrinnen“, sagt Ines Weitermann. „Demgegenüber steht eine Anfrageflut, die nicht mehr zu bewältigen ist.“ Hinzu komme die Sturmschadenabarbeitung der letzten Wochen und die entsprechende Angebotsabwicklung mit den Versicherungen.

LKW werden möglichst wenig bewegt, um Sprit zu sparen

Zumindest im Bausektor zeigen die Kunden viel Verständnis für die Situation: „Sie sind froh, wenn die Aufträge ausgeführt werden“, sagt Weitermann. Um Sprit zu sparen, werden die Unternehmen kreativ: Um Lkw möglichst wenig zu bewegen, werden sie zum Beispiel gleich auf der Baustelle stehen gelassen, anstatt in die Firmenzentrale zurückgefahren zu werden. Um die Mitarbeiter:innen auf dem Arbeitsweg zu entlasten, gewähren einige Betriebe einen steuerfreien Boni in Höhe von 40 Euro für Tankgutscheine. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Weitermann. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei eine Anhebung der An- und Anfahrtspauschalen notwendig.

Die IHK fordert politische Unterstützung: „Viele Unternehmen haben aufgrund der Corona-Folgen keine Rücklagen zur Abfederung der erhöhten Energiekosten“, sagt Robert Kausmann. Neben der vorgezogenen Abschaffung der EEG-Umlage seien weitere Absenkungen von Steuern und Umlagen erforderlich.

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