Wissenschaft Was macht eigentlich ein Bodenwissenschaftler?

Geoökologe Professor Michael Sommer hielt verspätete Antrittsvorlesung

Geoökologe Professor Michael Sommer hielt verspätete Antrittsvorlesung Eigentlich sollte ein Antrittsvorlesung ja zum Amtsantritt eines Dozenten gehalten werden. Doch irgendwie hatte Professor Michael Sommer diesen Termin verpasst. Seit März 2004 ist er nun schon in Potsdam aktiv. Seine Antrittsvorlesung hielt er aber erst am vergangenen Donnerstag. Fachgebiet des Geoökologen ist die Bodenwissenschaft. Bodenwissenschaft? Was das ist, wird Sommer öfter gefragt. Also machte er die „Philosophie der Bodenwissenschaftler“ zu einem Teil seiner Präsentation vor den versammelten Studenten und Kollegen. Zwei solche Philosophien gibt es: die genetische Sichtweise und die systemare, erklärte der Professor. Die Genetiker untersuchen, wie sich das Erdreich an einer bestimmten Stelle im Gelände entwickelt hat. Ihr Hilfsmittel ist die Rekonstruktion, der Zeitrahmen ihrer Forschung sind Jahrhunderte und Jahrtausende. Die Systemaren Forscher hingegen untersuchen den aktuellen Stoffhaushalt des Bodens. Das sind beispielsweise Fragen zum Waldsterben. Vorhersagen lassen sich damit höchstens für einige wenige Jahre treffen. Und was macht nun der Bodenwissenschaftler Sommer? Beides, aber eigentlich etwas anderes, erläuterte Sommer. Denn beide Ansätze hätten einen entscheidenden Nachteil. Böden können immer nur an einer Stelle untersucht werden. „Wir müssen aber lernen, Böden dreidimensional zu verstehen“, teilte Sommer seinen Zuhörern mit. Denn: Verschiedene Schichten im Erdreich seien nicht zufällig im Gelände verteilt. Solche Strukturen konnten bisher jedoch nicht erfasst werden. Der Neu-Potsdamer Wissenschaftler nennt so etwas Bodengesellschaften. Und seinen Studenten zeigt er damit auf, wo ihre Arbeit in den nächsten Semestern liegen wird. Denn Arbeit, davon ist Sommer überzeugt, gibt es genügend. Ein Beispiel ist der Methanhaushalt, der im Rahmen der Klimaforschung mit großem Interesse verfolgt wird. In den Diagrammen der Klimaforscher hat Sommer eine scheinbar kleine aber nicht zu unterschätzende Menge Methan gefunden, die das Erdreich an die Atmosphäre abgibt. Wo das Methan herkommt, ist eine „Back-Box“, sagte Sommer. Seine Kollegen vermuten Moore als wichtige Quellen. Sommer hat aber eine andere Theorie. Er glaubt, dass Senken rund um Teiche und Seen eine wichtige Quelle sind. Einzig: Diese Flächen sind sehr klein und tauchen in den meisten wissenschaftlichen Karten überhaupt nicht auf. „Wir müssen dahin kommen, kleinteiligere Karten zu bekommen“, forderte Sommer. Sein Forschungsgebiet, die Senkenränder, sei dabei bisher stiefmütterlich behandelt worden. „Also müssen wir Bodenwissenschaftler raus ins Gelände, uns selber Daten sammeln. Das ist der Weg, den wir gehen müssen“. Der erste Schritt dahin ist die Vorlesung im Wintersemester, gab der Wissenschaftler den Fahrplan vor. Also volle Kraft voraus, nach dem verzögerten Start? „Ich hoffe, dass jetzt mein Engagement an der Uni etwas sichtbarer wird“, sagte Sommer. Denn untätig war er auch bisher nicht. Der studierte Biologe und Agrarbiologe aus Baden-Württemberg wurde zusammen mit dem Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg nach Potsdam berufen. Am ZALF beschäftigt er sich unter anderem mit Bewertungen für den Bodenschutz – und natürlich seinen Bodenlandschaften.

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