Herbst 2020, Glienicker See, Nordufer. Hier war früher DDR-Todeszone. - Kennen Sie den Spandau-Newsletter? Hier: leute.tagesspiegel.de Foto: André Görke
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Senatsprognose zum beliebten Badesee in Berlin Der Glienicker See ist nicht zu retten

André Görke

2,20 Meter weniger als noch im Sommer 1970: Anwohner sind in Sorge, die Politik ist alarmiert - aber machtlos. Und woher kommen die Krebse?

Der Glienicker See im Berliner Südwesten trocknet aus. War in diesem Sommer oft Thema im Tagesspiegel, das Ufer sieht böse aus an Berlins beliebtem Badesee.

Der DLRG-Steg beispielsweise, Baujahr 1986, ist mittlerweile meterweit vom Ufer entfernt. Die Uferlinie hat sich vor allem am flachen Ostufer in Berlin-Kladow verändert; das Westufer liegt in Brandenburg, Potsdam. Große Strände sind in Berlin entstanden, Schilf wächst weit vom Wasser entfernt. Zur Sorge der Anwohner, die sich bei uns gemeldet hatten.

Der See liegt im Vergleich zum Sommer 1970 mehr als 2,20 Meter tiefer. Die Zahlen, die ich hier im Tagesspiegel-Newsletter für Spandau nannte, hat jetzt auch der Senat um Regine Günther, Grüne, bestätigt.

Nach der Geschichte im Tagesspiegel-Newsletter hatte sich nämlich Umweltfachmann Daniel Buchholz, SPD, im Abgeordnetenhaus dahintergeklemmt und aus Berlins beliebtem Badesee einen schriftlichen Vorgang gemacht. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Der See ist nicht mehr zu retten.

Der Regen sei seit 1950 okay, heißt es in der Expertise von Umweltstaatssekretär Stefan Tidow, Grüne. Das ist nicht das Problem. Aber die Zuflüsse im Norden (Seewiesengraben) und Süden (in den Sacrower See) sind seit den 90ern ausgetrocknet, außerdem ist die Kanalisation mittlerweile ausgebaut. Da kommt kein Tröpfchen mehr.

Herbst 2020, Glienicker See, Berlin-Kladow. Badestelle Moorloch. Unten rechts ist die alte Wasserlinie zu erkennen. Der Strand war früher nicht so breit. Foto: André Görke Vergrößern
Herbst 2020, Glienicker See, Berlin-Kladow. Badestelle Moorloch. Unten rechts ist die alte Wasserlinie zu erkennen. Der Strand war früher nicht so breit. © André Görke

Vor allem: Es ist zu warm, der See verdunstet jedes Jahr enorm viel Wasser. Und da die Grundwasserneubildung „um ca. 25 %“ gesunken ist seit 1950, sinkt auch der Pegel dieses grundwassergespeisten Sees. Das Abzapfen von Wasser dagegen ist kein so massives Problem, wie von Nachbarn anonym dargestellt. Schlusssatz im Senatsschreiben: „Aus Sicht des Bezirks und des Landes bestehen keine realistischen Möglichkeiten, mit vertretbarem Aufwand den Wasserstand des Sees künstlich zu heben.“

Es gibt übrigens fremde Arten im See: Krebse. Und zwar „Marmorkrebse“. Die kommen aus Florida/USA und wurden in den 90ern als Aquarienbewohner entdeckt – bis ein Schlaumeier meinte, die Lebewesen in den Glienicker See zu kippen.

„Die Einflüsse auf die Lebensgemeinschaft im See müssen noch untersucht werden“, sagt der Senat. Die Sicht sei super im See, aber der Fischbestand sei nicht optimal. Hier die ganze Quelle für Sie zum Nachlesen: schriftl. Anfrage

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