Sie wollen groß werden. Dagur Sigurdsson coacht Japans Handballer. Foto: B. Settnik/dpa
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VfL Potsdam, Japan und die Füchse Berlin Märkisch-japanisches Vorspiel

Zur Saisoneröffnung bestreitet der Handball-Drittligist VfL Potsdam in der MBS-Arena ein Blitzturnier mit der Nationalmannschaft von Japan und seinem Kooperationspartner Füchse Berlin. Womöglich gibt es künftig auch eine handballerische Zusammenarbeit zwischen Potsdam und Japan.

Dagur Sigurdsson sitzt oben auf zwei übereinandergestapelten Bänken, lehnt lässig an der Wand der Potsdamer MBS-Arena und hat sichtlich Freude, all die Fragen zu beantworten. Wie der Stellenwert des Handballs in Japan sei, ob es ausreichend große japanische Handballspieler gebe, ob er Berlin vermisse und ob er inzwischen einige Worte Japanisch spreche. Der ehemalige Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft und der Füchse Berlin ist in seiner neuen Mission zurückgekehrt an Havel und Spree. Seit vorigem Jahr betreut der Isländer Japans Handball-Auswahl, mit der für einen zweiwöchigen Trainingslageraufenthalt in Potsdam weilt. Am Freitag spielt seine Mannschaft in einem Blitzturnier gegen den VfL Potsdam und die Füchse Berlin. „Ich hoffe, dass wir teilweise mithalten können und erste Strukturen zu erkennen sind“, sagt der 45-Jährige.

Enge Verbindung zwischen Sigurdsson und Haase

Für Alexander Haase, dem sportlichen Leiter des Potsdamer Drittligisten, ist das Turnier „das Größte, was der VfL an bisherigen Saisoneröffnungen“ erleben konnte. Mit Sigurdsson arbeitete Haase bereits bei den Füchsen Berlin vier Jahre als Co-Trainer zusammen, gemeinsam gewannen sie bei der Deutschland-Auswahl 2016 die Europameisterschaft und Olympia-Bronze. „Uns verbindet mehr als ein kollegiales Verhältnis“, sagt Haase über die Beziehung zu Sigurdsson. Auch um diese zu pflegen, war Haase gern behilflich bei der Organisation eines Trainingslagers für die japanischen Handballer. „Wir haben hier ja mit dem Sportpark und dem benachbarten Kongresshotel auch super Bedingungen“, sagt Haase.

Sigurdsson kann das nur bestätigen. „Wir haben hier alles, was wir brauchen,“ sagt er und ist sichtlich froh über die Klimaanlage in der MBS-Arena. Als heiße Phase hingegen gelten die Spiele für das Handball-Einwicklungsland Japan – wie am heutigenFreitag – derzeit gegen europäische Teams absolviert: Mitte August spielt Japan bei den Asien Games. „Überall, wo wir Spiele bekommen, ist das goldwert für uns“, sagt Sigurdsson. Das Blitzturnier in Potsdam sei „eine klasse Sache“ und eine „Riesen-Challenge für uns“.

Sigurdsson traut dem VfL den Aufstieg zu

Geht es nach Sigurdsson und Haase, bleibt es nicht bei dieser einmaligen märkisch-japanischen Handball-Co-Produktion. Haase nennt es eine „denkbare Möglichkeit für die Zukunft“, dass japanische Spieler beim VfL Potsdam spielen und Erfahrungen sammeln. Bereits in der Vergangenheit gab es mit Handballern aus Japan ernsthafte Kontakte, die bislang noch nicht zu einer Verpflichtung führten. Doch mit ihrer „unglaublichen Schnelligkeit“ und „Flexibilität in der Abwehr“, die Haase japanischen Spielern attestiert, wäre es für beide Seiten eine interessante Win-Win-Situation. Denn auch Sigurdsson meint: „Wir sind offen für einen Austausch und haben nichts gegen eine Kooperation mit dem VfL.“ Aktuell würden drei japanische Handballer im Ausland spielen und in der japanischen Liga wiederum, in der es ohnehin nur neun Teams gibt, sind derzeit drei Ausländer aktiv.

Dem VfL übrigens traut Sigurdsson eine gute Saison zu. „Die Mannschaft ist in diesem Jahr sehr gut besetzt. Und wenn sie viel aus ihrem Potenzial machen, können sie vielleicht sogar aufsteigen.“ Am heutigen Abend jedenfalls werde es „sehr schwer für seine Mannschaft“, die der Isländer von der Seite übrigens auf Japanisch coacht. 

+++ Drei Partie über je 30 Minuten +++

Die offizielle  Saisoneröffnung des Handball-Drittligisten VfL Potsdam findet am heutigen Freitag mit einem Turnier in der MBS-Arena statt. Um 19 Uhr spielt der VfL gegen die Nationalmannschaft von Japan, die sich dann um 19.45 Uhr mit dem Europapokalsieger Füchse Berlin misst. Abschließend duellieren sich um 20.30 Uhr Potsdam und Berlin. Die Partien gehen jeweils 30 Minuten. Tickets gibt es im Internet über die Seite vfl-potsdam.de sowie an der Abendkasse der MBS-Arena.

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