Harter Abschied. Rolando Urios Gonzales verlässt den VfL Richtung Liga 2. Foto: Sylvia Göres
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VfL Potsdam beendet Saison auf Platz sechs Feuerwerk ohne Jubel

Die Handballer des VfL Potsdam verloren ihren torreichen Spieljahresabschluss gegen die Mecklenburger Stiere Schwerin - dabei spiegelte sich ein Gesamtproblem der Saison wider. Und so ist Potsdam nur die Nummer 2 in Handball-Brandenburg.

Potsdam - Zum Abschluss ein Feuerwerk! Was am letzten Spieltag der Handball-Drittligasaison der VfL Potsdam und die Mecklenburger Stiere Schwerin am Samstagabend in der MBS-Arena auf die Platte brachten, verdiente getrost das Prädikat „Offensivspektakel“: 75 Tore bekamen die 1038 Zuschauer zu sehen. Die Verteilung nach 60 Minuten ließ VfL-Trainer Daniel Deutsch allerdings geknickt auf die Bank sacken, als die Abschlusssirene ertönte. 35:40 (21:19) hatte seine Mannschaft verloren, womit sie letztlich die Saison auf dem sechsten Platz der Nordstaffel beendet – einen Platz hinter dem Oranienburger HC. Dass der märkische Rivale, gegen den die Adler beide Derbys der Saison gewonnen hatten, am Ende besser als die Potsdamer dasteht, schmeckt den Handballern aus der Landeshauptstadt gar nicht. „Mist“, kommentierte VfL-Routinier Christian Schwarz das Abschluss-Tableau, auf dem Schwerin Platz vier einnimmt.

„Am Ende zählt für mich nicht, ob wir jetzt Sechster oder Vierter geworden sind, sondern der Entwicklungsstand, den ich am Ende der Saison konstatiere“, erklärte Deutsch seinen Ärger. Denn wie im abschließenden Spiel musste er während des gesamten Saisonverlaufes immer wieder feststellen, dass in den entscheidenden Momenten seine Mannschaft noch nicht reif genug ist, um gegen die Top-Teams der Staffel zu gewinnen. „Wir hatten viele Spiele auf Augenhöhe, aber letztlich haben wir gegen die besten Mannschaften nichts mitgenommen“, bilanzierte er. „Für mich als Trainer ist das unheimlich hart.“ Zumal seine Spieler eben auch in der letzten Partie den Nachweis für seine kritische Analyse lieferten. Die Adler boten den Stieren lange Paroli, wobei es wie so oft diese Saison war: Irgendwie fiel es den Gästen leichter, ihre Treffer zu erzielen, hingegen war der Aufwand der Potsdamer immer etwas größer für einen Torerfolg. Andererseits ist es genau diese Kämpfermentalität, mit der der VfL sein Publikum immer wieder begeisterte.

"Wenn es darauf ankommt, sind wir nicht abgeklärt und clever genug"

So auch am Samstag: Als das Match auf der Zielgeraden war, verkürzten die Hausherren einen Drei-Tore-Rückstand mit viel Aufwand bis auf einen Treffer. „Doch gelang es uns dann nicht, dieses Momentum zu nutzen und das Spiel herumzureißen“, haderte Deutsch. Im Gegenteil: Dreimal scheiterten Kapitän Yannik Münchberger und Schwarz per Siebenmeter, zudem kassierte Rolando Urios Gonzales eine Zeitstrafe und brachte sein Team bei schwindenden Kräften in Unterzahl. Und Schwerin? „Die verwerfen keine Siebenmeter und zeigen auf allen Positionen Qualität in den wichtigen Momenten“, verdeutlichte Deutsch den Unterschied. „Wenn du aus diesen Spielen zu wenig mitnimmst, wirst du am Ende eben Sechster.“

Christian Schwarz gab ihm Recht. „Wir haben zwar einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht, haben viele gute Spiele gemacht, aber wenn es darauf ankommt, sind wir nicht abgeklärt und clever genug“, sagte der 31-Jährige. Er fügte hinzu: „Dazu brauchen wir eben genau die Erfahrungen, die wir in dieser Saison gemacht haben.“

Ausleihe von Füchse-Talent Gonzales - Essen statt Potsdam

Richtig gute Erfahrungen habe Rolando Urios Gonzales während seines einjährigen Gastspiels beim VfL gemacht. Das Talent der Füchse Berlin absolvierte seine erste Männer-Saison bei den Adlern und wird nun zum Zweitligisten TUSEM Essen ausgeliehen, um eine Klasse höher weitere Erfahrungen zu sammeln. „Der VfL war die richtige Station zur richtigen Zeit“, reflektierte der Kreisläufer. „Es war ein sehr lehrreiches Jahr in einer starken Liga.“ Die Partien gegen Eintracht Hildesheim, punktgleich Zweiter hinter Empor Rostock, seien für ihn die härtesten gewesen: „Da habe ich ordentlich Schläge abbekommen“, berichtete der Spanier. Als schönste Erinnerungen wird er die beiden Siege gegen Oranienburg mitnehmen.

Den 19-Jährigen werden die Glücksmomente der zwei Derbyerfolge mehr begleiten als die finale Rechnung des VfL gegenüber dem Widersacher aus Oberhavel. Für Trainer Deutsch und sein Team wird das Duell gegen den OHC mit der neuen Saison von vorn beginnen. „Jetzt brauche ich aber wirklich erstmal eine Pause“, sagt er, um zugleich zu betonen: „Und danach werden wir hundertprozentig die nächsten Schritte machen.“

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