Auf dem Weg zu alter Stärke. 2015 wechselte Bianca Schmidt zurück nach Potsdam, konnte anschließend aber wegen anhaltender Rückenprobleme nicht überzeugen. Nun blüht sie unter Turbines neuem Cheftrainer Matthias Rudolph auf. Foto: Jan Kuppert
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Turbine Potsdam Herbstmeisterin mit Polizeistudium und Weihnachtsmarkt-Business

Fußballerin Bianca Schmidt, die 2015 nach Potsdam zurückgekehrt war und anschließend zunächst ihrer einstigen Form hinterherlief, ist in der aktuellen Saison Leistungsträgerin beim Bundesliga-Spitzenreiter Turbine. Auch außerhalb des Platzes macht sie Betrieb.

Überbewerten wollte Bianca Schmidt den Teilerfolg nicht. Am Mittwochabend hatte die Fußballerin mit dem Bundesligisten Turbine Potsdam 1:0 (1:0) im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen gewonnen und durch diesen neunten Sieg im zehnten Saisonspiel die Herbstmeisterschaft nach Potsdam geholt – erstmalig seit 2011. „Darauf können wir zwar stolz sein“, befand Schmidt, „aber als Herbstmeister hast du eben noch nichts in der Hand. Bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.“

Diese Aussage wollte sie allerdings nicht falsch verstanden wissen, also bloß nicht als Verkündung von Titelambitionen. Daher war die 26-Jährige sofort bemüht, lächelnd das Mantra von Turbines neuem Cheftrainer Matthias Rudolph aufzugreifen und zu erklären: „Wir beschäftigen uns nicht mit Dingen in der Ferne, sondern schauen nur von Spiel zu Spiel.“ Dementsprechend steht nun die Partie am Sonntag daheim gegen den achtplatzierten Aufsteiger MSV Duisburg (Beginn: 14 Uhr/Karl-Liebknecht-Stadion) im Fokus, die letzte der Hinrunde.

Schmidt: "Ganz wieder die Alte bin ich noch nicht"

In jener für Turbine bislang überaus erfolgreich verlaufenen ersten Bundesliga-Saisonhalbserie zählte Bianca Schmidt zu den Potsdamer Leistungsträgerinnen, bei allen bisherigen zehn Spielen stand die gebürtige Gerarerin in der Startformation. Somit kommt sie bereits auf drei Einsätze mehr als in der kompletten vergangenen Saison, vor der sie als amtierende Champions-League-Siegerin vom 1. FFC Frankfurt zu ihrer alten Wirkungsstätte an die Havel zurückgekehrt war.

2015/16 hatten Schmidt langwierige Rückenprobleme geplagt. Ihr größtes Plus – die körperliche Fitness – konnte sie so nicht auf den Platz bringen. „Jetzt fühle ich mich wieder gut. Gerade weil unser Trainer viel Rücksicht nimmt, einem auch mal die Zeit gibt, sich zu erholen. Da gibt es kein Theater, sondern es wird dann, wenn nötig, einfach eine Einheit ausgesetzt. Das hilft sehr“, berichtet die Rechtsverteidigerin, von deren zurückgewonnener physischer Stabilität das Rudolph-Team profitiert: Defensiv agiert Bianca Schmidt zweikampfstark, offensiv kurbelt sie mit ihren temporeichen Vorstößen die Sturmbemühungen an, was bereits zwei Torvorlagen zur Folge hatte. Die 51-fache deutsche Nationalspielerin, die 2009 und 2013 den Europameistertitel gewonnen hatte, betont jedoch: „Ganz wieder die Alte bin ich noch nicht. Aber ich arbeite daran.“

Verkauf von Bastelsachen und Kaschmirprodukten

Nicht nur im sportlichen Bereich ist Bianca Schmidt fleißig. Auch ihre berufliche Zukunft treibt sie voran. Seit Oktober gehört die Turbine-Kickerin der Landespolizei-Sportfördergruppe an und absolviert darüber ein Studium, um Polizeikommissarin zu werden. „Das tut mir gut. Zuvor war ich lange Zeit bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr und habe da nicht viel nebenbei gemacht. Schön, jetzt wieder den Kopf richtig anstrengen zu müssen“, meint Bianca Schmidt.

Fußball und Studium sind jedoch nicht die einzigen Tätigkeitsfelder, in denen sie umtriebig ist. Schmidt ist zudem Kleinunternehmerin. Auf dem Weihnachtsmarkt in der Brandenburger Straße lassen sich ihre Business-Aktivitäten momentan begutachten. Dort betreibt sie zwei Stände. „Einen mit Bastelsachen, den ich auch schon letztes Jahr hatte“, erläutert sie, „und einen mit selbst gemachten Kaschmirprodukten.“ Die hochwertigen Textilwaren verkauft die Abwehrspielerin unter dem Label „GoldZiege“ auch über das Internet.

Schmidt hat Spaß am Weihnachtsmarkt-Abenteuer

Basteln und Handarbeit sei schon immer eine große Leidenschaft von ihr. „Und da habe ich mir gedacht: Warum nicht versuchen, damit ein bisschen Geld zu verdienen?“ Über das Weihnachtsmarkt-Abenteuer befindet sie: „Es ist einfach spaßig, einmal im Jahr ein paar Wochen lang Kaufmannsladen zu spielen.“ Ab und an steht Bianca Schmidt dann sogar auch selbst in der Bude. „Als Chefin muss man eben mal gucken, ob alles ordentlich läuft“, sagt sie und legt dabei das gleiche Lächeln auf wie beim Rezitieren des Mantras von Matthias Rudolph, ihrem Chef bei Turbine.

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