Eineinhalb Olympionikinnen von Turbine Potsdam. Tabea Kemme (l.) gehört zum 18-köpfigen deutschen Kader, Svenja Huth ist eine von vier Reservespielerinnen. Foto: Rainer Hennies
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PNN-Olympiaserie "Rio ruft" - die Potsdamer Teilnehmer Wertiger als eine Weltmeisterschaft

Rainer Hennies

Für Turbine-Fußballerin Tabea Kemme sind die Olympischen Spiele das Größte – Gold in Rio zu holen, ist ihr Ziel. Als Nachrückerin bei den Spielen 2016 dabei ist zudem Kemmes Potsdamer Vereinskollegin Svenja Huth.

„Ich bin ein bisschen verrückt“, bekennt Tabea Kemme einen Hang zum Risiko im Sport. Da liebt sie nicht nur den Fußball, sondern jedwede kribbelnde Herausforderung. Bungee-Jumping hat sie bereits gemacht. Ebenso sich in rasendem Tempo vom Berliner Park Inn Hotel am Alexanderplatz abseilen, Base-Flying genannt. „No risk, no fun“, sagt sie mit einem breiten Grinsen: „Hauptsache, Adrenalin.“ Dieses wird nun gewiss auch durch das Blut der 24-Jährigen von Turbine Potsdam jagen, wenn sie zum ersten Mal bei einem olympischen Turnier dabei ist.

28 A-Länderspiele stehen bislang in der Vita von Tabea Kemme gutgeschrieben. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2015 war bisher ihr größter Nationalelf-Erfolg. Jetzt kommt Rio und damit der Traum vom Finale im legendären Stadion Maracana. Der Reiz der Ringe sei für sie riesig. „Olympia siedle ich noch höher an als eine WM. Bei Olympia eine Medaille zu holen, möglichst die goldene, ist für mich das Größte, was man überhaupt erreichen kann. Um das zu schaffen, tue ich alles“, meint die Potsdamerin: „Ich würde sogar auf irgendeinem dreckigen Sandplatz spielen, wenn ich dafür Olympia-Gold bekomme.“

Bundestrainerin Silvia Neid lobt Kemmes „Power, ihren Willen und ihre Dynamik“

Für solch markige Sprüche ist sie bekannt, Tabea Kemme, die in Stade geborene und an der Elbmündung auf dem Dorf aufgewachsene Niedersächsin. Im Alter von acht Jahren begann sie damals bei der heimischen SG Oederquart/Freiburg zu kicken, verbrachte ihre Freizeit aber auch mit einer anderen Beschäftigung. „Auf dem Hof meiner Eltern gab es zwei Pferde. Ich bin als Kind viel geritten. Irgendwann habe ich mich dann aber mehr auf den Fußball verlegt. Das war einfacher, weil die Pferde musst du auch putzen“, sagt Tabea Kemme, die 2006 auf die Potsdamer Sportschule kam und seit 2008 im Bundesliga-Team von Turbine spielt. In den vergangenen Jahren hat die vierfache deutsche Meisterin und Champions-League-Siegerin von 2010 ihren Erfahrungsschatz hinsichtlich sportlicher Aktivitäten stetig vergrößert. Die Liste der weiteren Sportarten, die sie schon ausprobiert hat, ist lang geworden: Leichtathletik, Volleyball, Ski- und Wasserskifahren, Triathlon, Snow-, Skate- und Wakeboarden sowie Surfen.

Von dieser Experimentierfreudigkeit profitiert die Polizeikommissaranwärterin auch in ihrem Sport-Kerngeschäft, dem Fußball. Tabea Kemme, die 2010 U20-Weltmeisterin war und 2008 mit der U17 EM-Gold sowie WM-Bronze holte, hat dadurch ein beachtliches Bewegungsgefühl entwickelt und immer wieder neue Fitnessreize gesetzt. Bei Athletiktests liegt die auf dem Platz robust und kompromisslos agierende Verteidigerin stets ganz weit vorne. Bundestrainerin Silvia Neid lobt Kemmes „Power, ihren Willen und ihre Dynamik“. Sie sei ein richtiger Wettkampftyp und auf mehreren Positionen – vornehmlich in der Abwehr und im Mittelfeld – einsetzbar. Und genau das macht „Tabi“ so wertvoll für ein Olympia-Turnier.

Svenja Huth freut sich auch über Platz in der zweiten Garde

Sollte aus diesem eine der 18 nominierten deutschen Spielerinnen verletzungsbedingt ausscheiden, könnte auch eine weitere Potsdamerin zum Zuge kommen: Svenja Huth. Sie gehört zu den vier Akteurinnen, die als Ersatz mit in Brasilien sind und für den Fall der Fälle nachrücken können. Enttäuscht, dass es nicht für die erste Garde gereicht hat, ist die Stürmerin nicht. „Ich bin stolz darauf, überhaupt so weit gekommen zu sein“, sagt Svenja Huth. In der schwachen zurückliegenden Turbine-Saison war sie ein Lichtblick im Team von der Havel. Die 25-jährige ausgebildete Kauffrau für Bürokommunikation, die im Sommer 2015 vom 1. FFC Frankfurt in die brandenburgische Landeshauptstadt gewechselt war, überzeugte mit ihrer quirligen, aufopferungsvollen Spielweise sowie ihrer Torgefahr. Mit 13 Treffern landete sie auf Platz drei der Bundesliga-Torschützinnenliste und empfahl sich so für die Rückkehr ins Nationalteam, zu dem sie seit dem EM-Titelgewinn 2013 nicht mehr gehörte.

Die Anfänge ihrer Karriere machte die zierliche Fränkin als Siebenjährige in ihrem Heimatort, dem 1300-Seelen-Dorf Kälberau. 2005 führte der Weg der einst auch sehr talentierten Tennisspielerin dann nach Frankfurt, wo die U17-Europameisterin (2008) sowie U20-Weltmeisterin (2010) zehn Jahre lang am Ball war, ehe sie sich dem Traditionsverein aus Potsdam anschloss. Jener Schritt tat Svenja Huth gut, sie hat sich weiterentwickelt, ein neues Leistungslevel erklommen. Doch das hat eben noch nicht ganz gereicht, um so richtig mittendrin im Olympia-Aufgebot zu sein.

Das nächste Nervenkitzel-Event wartet bereits auf Tabea Kemme

Tabea Kemme ist es. Sie möchte nun die Zeit in Brasilien genießen und erfolgreich gestalten. Und im Anschluss an die Sommerspiele hat sie bereits das nächste Nervenkitzel-Event in Aussicht. „Da werde ich einen Gutschein einlösen“, berichtet Kemme von einem Geschenk, das ihr die Turbine-Teamkolleginnen zum Geburtstag gemacht haben: ein Fallschirmsprung aus 4000 Metern Höhe. 

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