Hochdekoriert. Vor einem Monat wurde Ronald Rauhe in Anerkennung seiner großen Leistungen mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg geehrt. Nun soll ihm auch in Rio eine Plakette um den Hals gehängt werden. Foto: dpa
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PNN-Olympiaserie "Rio ruft" - die Potsdamer Teilnehmer Die Gedanken drehen sich nur um Gold

Ronald Rauhe nimmt an seinen fünften Olympischen Spielen teil und peilt den Gewinn seines zweiten Olympiasieges an. Mit fast 35 Jahren ist der Potsdamer Kanu-Rennsportler so fit wie noch nie, was laut ihm mit seinem Mut zum Neuen zusammenhängt.

Nahezu sein ganzes Leben ist Ronald Rauhe paddelnd unterwegs. Der gebürtige Berliner, dessen Vater Lutz selber ambitionierter Kanute war und einst in der Junioren-Nationalmannschaft stand, begann damit im Alter von nur zweieinhalb Jahren. Da konnte er noch nicht einmal schwimmen. „Es gibt so herrliche Bilder, wie ich mit quietschorangenen Schwimmflügelchen in einem kleinen blauen Kinderboot sitze“, blättert er gedanklich im Fotoalbum der Familie Rauhe. Über drei Dekaden liegen diese zarten Anfänge zurück, die Anfänge einer der größten Sportkarrieren Deutschlands, Europas und der Welt.

Ronald Rauhe, der in Falkensee wohnt und in sportlicher Hinsicht beim KC Potsdam beheimatet ist, gewann schon in Hülle und Fülle Medaillen bei internationalen Championaten. Acht waren es zu seiner Juniorenzeit. 53 folgten in der Leistungsklasse – darunter je einmal Gold, Silber und Bronze bei Olympia. Und nun – in seiner 18. Saison als Mitglied der deutschen A-Nationalmannschaft – geht „Ronny“ erneut auf die Jagd nach weiterem olympischem Edelmetall.

Dank anderer Wege im Training ein neues Level erreicht

Das Hauptrennen bei seinen fünften Sommerspielen bestreitet der fast 35-Jährige gemeinsam mit dem Dresdner Tom Liebscher im Kajak-Zweier über 200 Meter. Rund 30 Sekunden dauert die wilde Fahrt, etwa 82 Mal wird das Paddel durch das Wasser gewuchtet. Und was soll nach der Zielüberquerung zu Buche stehen? „Grundsätzlich würde ich mich über eine Medaille freuen. Egal, welche Farbe“, sagt Rauhe, in dessen Kopf allerdings nur ein Ziel für Rio zementiert ist. „Wenn ich antrete, dann immer mit dem Gedanken: Ich möchte Gold gewinnen. Anders darf es auch gar nicht sein. Wenn man so nicht denkt, hat man schon die entscheidende Zehntel am Start liegengelassen.“ Nach der Zweier-Konkurrenz wird der 13-fache Weltmeister zudem im Solosprint wettstreiten. Aber er meint: „Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht. Null. Mich interessiert nur der Zweier – darauf ist alles ausgerichtet.“

Die letzten Meter seiner Laufbahn, die er womöglich erst nach einer Abschiedssaison 2017 beenden wird, sind angebrochen. Ein reifes Sportleralter hat Rauhe inzwischen erreicht, doch er ist wie ein guter Wein: Mit den Jahren wird er immer besser. „Es ist tatsächlich so, dass ich derzeit so gut bin wie noch nie. Ich habe jetzt Leistungswerte, die ich früher nicht hatte“, erzählt der Sportsoldat. Er begründet die Steigerung mit seinem Mut, im Training andere Wege zu beschreiten. Zum Beispiel bei den Kraftübungen. Dort setzte er zuletzt vor allem auf Workouts wie Crossfit, die ganzkörperlich belasten, statt die Muskelgruppen – wie an starren Kraftgeräten – jeweils nur isoliert zu fordern. „Das waren neue Reize für mich, was zur Folge hat, dass ich einen neuen Step erreicht habe.“

Ronald Rauhe bezieht Energie aus Erinnerungen an Athen 2004

Das Training mag der 16-malige Europameister zwar modifiziert haben, doch eines ist bei ihm nach all den Jahren unverändert: Er arbeitet extrem fokussiert und hart, hat kein bisschen von seiner großen Motivation und seinem riesigen Ehrgeiz eingebüßt. Die Frage danach, warum er so lange und leidenschaftlich mit dem Leistungssport durchgehalten hat, sei für ihn ganz einfach zu beantworten: „Ich habe Spaß daran. Mir gefällt es, mich zu quälen, meine eigenen Grenzen auszuloten.“

Und die Sucht nach Erfolg tut ihr Übriges. Bei dem Mann, der sich für die Zeit nach Rio vorgenommen hat, endlich sein Sportmarketing-Studium an der Universität Potsdam abzuschließen, ist es aber auch eine gewisse Sehnsucht. Er möchte so gerne noch mal Olympiasieger werden – wie 2004. Aus diesem triumphalen Moment von Athen, den er im Duett mit seinem Potsdamer Gefährten Tim Wieskötter erlebte, bezieht der 1,79 Meter große Athlet besonders viel Energie. „Die Bilder von damals schweben immer wieder vor meinem inneren Auge umher. Das spornt mich an“, sagt Ronald Rauhe, der Sportheld, die Ikone, das Vorbild. Von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke bekam er vor einem Monat in Anerkennung seiner großen Leistungen sogar den Verdienstorden des Landes überreicht. Nun soll ihm auch in Rio eine Plakette um den Hals gehängt werden, bestenfalls die goldene. Für einen Schnappschuss von der Siegerehrung ist jedenfalls noch Platz im Fotoalbum der Familie.

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