Gegen den Strom. Sebastian Brendel durfte als Erster in den sanierten Kanal. Foto: Tobias Gutsche
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Kanu-Gegenstromanlage in Potsdam Weltweites Unikat nach Sanierung wieder in Betrieb

Die aus der DDR-Zeit stammende Kanu-Gegenstromanlage in Potsdam hat eine Generalsanierung bekommen. Olympiasieger Sebastian Brendel durfte sie nun wiedereröffnen. Die Baumaßnahmen waren teurer und dauerten länger als ursprünglich geplant.

Potsdam - Es rauscht wieder gewaltig im Luftschiffhafen. Am Freitag wurde die aus der DDR-Zeit stammende Potsdamer Kanu-Gegenstromanlage nach knapp elf Monaten Sanierungspause in Betrieb genommen. Die Einweihungsfahrt machte niemand Geringerer als Sebastian Brendel, dreifacher Olympiasieger. "Für uns Sportler ist das eine sehr wichtige Einrichtung", sagte Brendel. Brandenburgs Sportministerin Britta Ernst (SPD) erklärte: "Wir hoffen, dass mit der Modernisierung eine Grundlage für den Gewinn vieler weiterer Olympiamedaillen gelegt ist."

Zuletzt 1999 war Potsdams Kanu-Gegenstromanlage, die in ihrer Funktionsweise weltweit einmalig ist, saniert worden. Die nun dringende Generalüberholung kostete laut Stadtangaben 1,7 Millionen Euro. Der Bund übernahm als Hauptförderer des deutschen Spitzensports 70 Prozent. Das Land Brandenburg steuerte 20 Prozent bei, die Stadt zehn Prozent. In dem zehn Meter langen, vier Meter breiten und einem Meter tiefen Becken können die 375.000 Liter Wasser auf bis zu 23,4 Stundenkilometer beschleunigt werden. Gegen die Strömung paddeln die Athleten an. "Die Anlage ist vor allem für die Leistungsdiagnostik wertvoll", sagte der Potsdamer Cheftrainer Ralph Welke. Bundeskaderkanuten aus ganz Deutschland kommen regelmäßig in den Luftschiffhafen, um im Kanal ihre Leistungswerte zu ermitteln. Verschiedene Sensoren liefern Informationen, die zur Optimierung der Bewegungen und Trainingssteuerung beitragen.

Im Mai 2018 begann die Sanierung. Ursprünglich waren 1,4 Millionen für die Baumaßnahmen veranschlagt - und die Wiedereröffnung war für Dezember geplant. Nun wurde es etwas teurer und später. In der Vorbereitung auf die Saison 2019 konnte die Gegenstromanlage somit nicht genutzt werden. Am 6./7. April geht bereits der Wettkampfbetrieb los. Die erste nationale Sichtung in Duisburg ist dann der Auftakt für das vorolympische Jahr. In diesem wird bei der Weltmeisterschaft in Ungarn Ende August der Großteil der Qualifikationsplätze für die Sommerspiele 2020 in Tokio vergeben werden.  

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