Potsdam Tapas unter Palmen

Marion Hartig

In Potsdam kann man sich bei jedem Wetter wie am Strand fühlen. Zum Beispiel im El Puerto am Hafen.

In Potsdam kann man sich bei jedem Wetter wie am Strand fühlen. Zum Beispiel im El Puerto am Hafen. Von Marion Hartig Eigentlich müssten die Palmen am Hafen von Potsdam inzwischen vor Nässe nur so triefen, die gefiederten Blätter braun geworden und vor lauter Frösteln längst abgefallen sein. Aber nein. Satt grünen die Leihgaben aus dem Schloss Charlottenburg dieser Tage unter blauem Himmel am Wasser – und verwandeln die Promenade am Fluss in eine südländische Oase. Die Sonne steht am Montagmittag am blauen Himmel, ein Paar schlendert genüsslich am glitzernden Wasser entlang, ein Mann mit einem Fotoapparat vor dem Gesicht lässt Frau und Kinder vor den großen Pflanzentöpfen posieren. Die dreizehn Palmen sind die Glanzstücke des Hafens, das ist in diesem Sommer nicht anders, als in den letzten zwei Jahren, sagt Carsten Schmitt, der Geschäftsführer der Weissen Flotte Gastronomie GmbH. Er sitzt mit einigen Kollegen unter den roten Sonnenschirmen des spanischen Restaurants „El Puerto“ und freut sich, dass der Sommer endlich doch noch auf Trapp kommt. Den Palmen hat das miese Wetter aber nicht geschadet, erklärt er. Sie brauchen wenig Sonne, keine warmen oder gar heißen Temperaturen, sondern vor allem viel Nässe. Und davon gab es ja in den letzten Monaten reichlich. Zwei Frauen aus Hessen lehnen sich mit hochgekrempelten Hosen in einem Strandkorb zurück und trinken kühles Mineralwasser. Der Ort hat sie magisch angezogen, als sie vom Bahnhof über die Lange Brücke in die Stadt spazierten, erzählen sie, schöner als an der Costa Brava sei es hier. Carsten Schmitt sitzt zu weit weg, um das Kompliment zu hören, das weit über seine Ziele hinausschießt. Einen Hauch Spanien, will er mit dem Restaurant nach Potsdam bringen, sagt er später. Mehr als drei Jahre hat er dort gelebt. Als er zurückkam, entstand die Idee, das Land der Sonne, der Tapas, des Rotweins, des Meeres und der gemütlichen Geselligkeit ein Stück weit an die Havel zu „importieren“. Früher hat an der Stelle des El Puerto eine alte Hafenbaracke gestanden, erinnert sich Schmitt. Der Platz am Anleger war grau, kahl, trist – und es nicht wert, dass ein Schild am Fußgängerweg darauf hinweist. Aber auch heute steht kein Schild an der Straße. Keine Genehmigung vom Ordnungsamt, erklärt der Geschäftsführer. Die Gäste entdecken das Lokal eher zufällig oder auf ihrem Weg zum Hafen. Einen halben Meter sind die Palmen gewachsen, seit sie auf dem Platz stehen. Bis zu sieben Meter ragen sie in den Himmel. Zu groß für das Schloss Charlottenburg und zu groß zum Überwintern in königlichen Gärtnereien. So kam es zu der Patenschaft, die das Restaurant für die Palmen übernahm, einige Monate nachdem das Restaurant eröffnete. Wenn die Sonne scheint, macht der Hausmeister einmal täglich mit einer Wasserdusche die Runde. Fünf bis zehn Minuten nimmt er sich für jede Pflanze Zeit. Er bewässert die Blätter, nicht den Boden, erklärt Schmitt. In regnerischen, feuchten Wochen holt er den Schlauch nur jeden zweiten Tag aus dem Lager. Aus dem Lautsprechern singt ein spanischer Liedermacher mit vibrierender Stimme von der Liebe. Hintergrundmusik für das Genießen der kulinarischen Angebote, die man sich hinter der Glasvitrine ansehen kann, bevor man sie bestellt. Eine Familie aus Charlottenburg hat sich für Knoblauchgarnelen, Meeresfrüchtesalat und Tintenfisch entschieden. Eigentlich fahren die Eltern mit ihrem Sohn im Sommer in den Süden. Nur in diesem Jahr hat es nicht geklappt. Ein schöner Ersatz, die südländische Stimmung am Wasser hier, sagen sie, freuen sich, dass sie Glück mit dem Wetter haben. Nach dem Essen sehen sie sich die Stadt an. Zum Vergleichen. Beim letzten Mal waren sie kurz nach der Wende da. Touristen, Potsdambesucher, die sich per Schiff auf Schlössertour machen wollen, das sind die Gäste, die tagsüber ins El Puerto kommen, erzählt Schmitt. Am Abend sind es eher jüngere Leute, die gemütlich Essen wollen. Auch das spanische Restaurant hatte in diesem Sommer weniger Gäste als gewöhnlich, sagt der Geschäftsführer, aber man könne nicht jedes Jahr einen Jahrhundertsommer erwarten. Und die warme Jahreszeit sei schließlich noch nicht vorbei. Um die Palmen macht er sich erst wieder Gedanken, wenn es kälter wird. Bei weniger als zehn Grad halten die Pflanzen nicht lange durch. Im Herbst wird das extra für sie angeschaffte Zelt wieder aufgebaut, ein Kälteschutz mit künstlichem Tageslicht. Damit sie auch 2005 wieder unter freiem Himmel den Süden in die Stadt bringen.

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