Nach einer Kundgebung auf dem Luisenplatz zogen Teilnehmer erst zur Friedenskirche, dann zur Baustelle des Garnisonkirchturms. Foto: Ottmar Winter
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Streitfall Garnisonkirche Demonstration gegen den Wiederaufbau

Die Organisatoren forderten die Einstellung aller Planungs- und Baumaßnahmen. Zugleich sollte mit der Demonstration auf einen anstehenden Prozess aufmerksam gemacht werden.

Potsdam - Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche haben am gestrigen Dienstag in Potsdam gegen das umstrittene Projekt demonstriert. Rund 80 Teilnehmer versammelten sich ab 17 Uhr auf dem Luisenplatz und zogen dann zur Baustelle des Garnisonkirchturms in der Breiten Straße weiter. Die Demo wurde organisiert von der Bürgerinitiative Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche, der Initiative Christen brauchen keine Garnisonkirche, dem Verein für antimilitaristische Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. sowie der Profilgemeinde Die Nächsten. „Mit der Demonstration mahnen wir die Evangelische Kirche, endlich Verantwortung für das gescheiterte Garnisonkirchenprojekt zu übernehmen“, hieß es. Alle Planungs- und Baumaßnahmen an Turm und Kirchenschiff seien einzustellen.

Der Aufzug wurde von einem Polizeiaufgebot begleitet. Um den Luisenplatz waren zehn Transporter der Polizei geparkt. 300 Demoteilnehmer waren nach Polizeiangaben angemeldet. Zwischenzeitlich sollte ein Brief mit Forderungen in den Briefkasten des evangelischen Kirchenkreises an der Friedenskirche eingeworfen werden. Dabei kam es kurz zu einem Gerangel, nachdem ein Teilnehmer einen Aufkleber angebracht hatte. Nachdem seine Personalien aufgenommen worden waren, konnte er wieder gehen.

Die Debatte um die Garnisonkirche und deren Umfeld ist längst nicht abgeschlossen. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Die Debatte um die Garnisonkirche und deren Umfeld ist längst nicht abgeschlossen. © Ottmar Winter

Prozess am Potsdamer Amtsgericht

Mit der Demonstration sollte auch auf einen am morgigen Donnerstag anstehenden Prozess am Potsdamer Amtsgericht aufmerksam gemacht werden. Drei Angeklagten aus Potsdam werden Störung der Religionsausübung und einem Angeklagten zudem Hausfriedensbruch vorgeworfen. Sie sollen am 29. Oktober 2017 einen Gedenkgottesdienst auf dem Areal der Baustelle des Garnisonkirchturms gestört haben, wie das Amtsgericht in der Ankündigung des Prozesses mitteilt. 

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Die 37-, 38- und 29-jährigen Angeklagten sollen „auf dem Kirchengelände massiv durch laute Rufe, Schreie und Pfiffe in einer Weise aufgefallen sein, dass trotz der fruchtlosen Aufforderung, sich leiser zu verhalten, es nahezu unmöglich gewesen sei, den Gottesdienst zu feiern, worauf andere Gottesdienstbesucher das Gelände verlassen hätten“. Der 28-jährige Angeklagte soll entgegen der Aufforderung durch einen Polizeibeamten, das Gelände freiwillig zu verlassen, stehen geblieben sein, sodass er von Polizeikräften an den Armen festgehalten worden sei und auf diese Weise aus der Menge habe herausbegleitet werden müssen.

Die Organisatoren erklärten sich mit den Angeklagten solidarisch, hieß es. „Der Protest bei dem Baustart eines der umstrittensten Bauvorhaben in Deutschland ist nichts Überraschendes.“ Der Protest werde kriminalisiert. „Die Führung der Evangelischen Kirche schaut dabei verantwortungslos zu.“ Es ist nicht der erste Prozess in Verbindung mit dem Baustart des Turms. Im Dezember 2020 war ein damals 34-jähriger Potsdamer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden. 

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