Durch das neue Wohnprojekt könnten bald doppelt so viele Menschen in Marquardt leben. Foto: Sebastian Gabsch PNN
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Sozialer Wohnungsbau in Potsdam Hunderte neue Wohnungen in Marquardt geplant

Bodenpolitisches Neuland: Potsdam korrigiert das Baulandmodell und kauft selber Flächen über die städtische Pro.

Potsdam - Sozialer Wohnungsbau in Marquardt: Potsdam plant im Norden des Ortsteils 300 bis 500 neue Wohnungen zu bauen, mindestens 30 Prozent davon sollen gefördert sein. Dafür vorgesehen ist eine zehn Hektar große Fläche am nördlichen Ortsausgang von Marquardt, die unbebaut ist und zum Teil landwirtschaftlich genutzt wird. Je nach Planung könnte das neue Wohngebiet Platz für etwa 600 bis 1000 Menschen bieten; derzeit leben circa 1000 Menschen in Marquardt.

Es soll keine Hochhäuser geben

"Es ist wichtig, dass wir die dörfliche Struktur des Ortes nicht überformen", sagte Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) bei der Vorstellung des Projektes am Donnerstag. "Es ist eine ganz schön große Entwicklung", sagte Erik Wolfram, Leiter der Stadtplanung Potsdam. "Deshalb werden wir sehr vorsichtig vorgehen und zusammen mit den Anwohnern und dem Ortsbeirat diskutieren, was möglich ist." Aufgrund des ländlichen Charakters des Ortes werde es keine Hochhäuser geben, versicherte Wolfram, eine reine Einfamilienhaussiedlung sei aber ebenso wenig geplant. Man wolle sich vor allem auf Wohnungen für Ältere und für junge Familien konzentrieren, aber auch soziale Infrastruktur und gewerbliche Ansiedlungen sind Teil des Konzepts.

Baubeginn frühestens 2026

Gebaut wird frühestens ab 2026: Zuvor will die Stadt ein Gutachterverfahren beauftragen, das ermitteln soll, welchen Umfang und welche Art von Bebauung sich für die Fläche im Norden des Ortsteils eignen würde. Eingebettet sein soll das Gutachterverfahren in eine Rahmenplanung, die die gesamte städtebauliche Entwicklung Marquardts miteinschließt: „Das anhaltende Wachstum der Stadt erfordert es, Ortsteile wie Marquardt in den Blick zu nehmen und hinsichtlich verträglicher Nachverdichtungs- und Erweiterungspotentiale zu prüfen“, heißt es in einer Anlage zur Beschlussvorlage des Projektes. Auch die Planungen zum Mobilitätsdrehkreuz, das in Marquardt entstehen soll, sollen in den Rahmenplan miteinfließen (PNN berichteten).

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Der Planungsprozess startet Anfang 2023 und soll 2024 abgeschlossen sein. Danach muss das Projekt noch durch die Stadtverordnetenversammlung, anschließend kann mit dem Bauleitplanungsverfahren begonnen werden, so Wolfram. Vorher sollen die Anwohner:innen durch ein Beteiligungsverfahren ihre Wünsche und Einwände miteinbringen sollen: Insgesamt sechs Ortsteilforen sind geplant. Die Kosten für das Planungsverfahren liegen bei 134.000 Euro, die Stadt hat dafür eine Landesförderung beantragt.

30 Prozent Sozialwohnungen

Marquardt dient als Pilotprojekt, denn mit seinem Vorhaben betritt Potsdam bodenpolitisches Neuland: Die Hälfte der zehn Hektar großen Fläche soll in diesem Jahr durch das kommunale Immobilienunternehmen Pro Potsdam gekauft werden, auf diesem Teil sollen dann die 30 Prozent Sozialwohnungen gebaut werden, die für die gesamte Fläche vorgesehen sind. Anders als bislang üblich sichert sich die Kommune auf diese Weise ein Grundstück, bevor die Bauleitplanung startet.

„Zwischenerwerb“ heißt die Methode, die sich die Stadtverwaltung bei Städten wie Münster oder Ulm abgeschaut hat: Diese betreiben seit Jahren aktive Bodenpolitik, um Grund und Boden in kommunale Hand zu bekommen und der Spekulation zu entziehen. Damit will die Stadt einen Makel des 2017 beschlossenen Potsdamer Baulandmodells beseitigen, durch das bislang keine einzige Sozialwohnung entstanden ist (PNN berichteten): Laut Wolfram lag dies unter anderem an der sogenannten „Angemessenheitsverpflichtung“, laut der die finanzielle Belastung der Investoren die Wertsteigerung des Grundstückes nicht überstiegen dürfe – dadurch sei am Ende nie Geld für Sozialwohnungen übriggeblieben.

Fläche konnte günstig gekauft werden

Nun nimmt die Stadt in Marquardt den sozialen Wohnungsbau selbst in die Hand, was durch den günstigen Erwerb der Fläche, die bislang nur für Landwirtschaft ausgewiesen sei und kein teures Bauerwartungsland darstelle, auch finanzierbar sei, so Wolfram. Da dem städtischen Haushalt aber jährlich nur zwei Millionen Euro für den Grundstückserwerb zur Verfügung stünden, werde der Kauf durch die Pro Potsdam getätigt, die laut dem Stadtplaner über mehr Mittel verfüge. Derzeit befindet sich die Fläche noch im Besitz der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), die sich mit der Pro Potsdam bereits auf den Verkauf verständigt habe. Da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien, könne man derzeit nichts zur Kaufsumme sagen, sagte Wolfram.

Einige der Flächen wolle die Stadt an Genossenschaften vergeben, hierzu habe es bereits Vorgespräche mit den Genossenschaften Karl Marx, PBG und PWG 1956, gegeben, die zusammen mit der Stadt mietpreis- und belegungsgebundene Wohnungen errichten möchten.

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