Knobelsdorff in Zartbitter. Schloss-Konditorin Heike Wollherr hat mehrere Pfund Schokolade zu diesem Schmuckstück verarbeitet. Das sieht gut aus und soll auch so schmecken: „Alles Bioschokolade“, sagt Wollherr. Im Schaufenster der Confiserie ist das Schoko-Schloss neben anderen Potsdam-Ansichten derzeit ausgestellt. Foto: Manfred Thomas
© Manfred Thomas

Potsdam Schloss zum Reinbeißen

Zur Landtagseröffnung schuf die Confiserie Felicitas ein Zartbitter-Kunstwerk in belgischer Bioqualität

Dieses Schloss ist auch kein Schloss. Es ist nämlich pure Schokolade. Seit etwa zehn Tagen steht es im Schaufenster der Confiserie Felicitas in der Gutenbergstraße. Alle paar Minuten bleiben Fußgänger vor dem Blickfang stehen. Das freut ganz besonders Heike Wollherr. Es war ihre Idee, das Potsdamer Stadtschloss – das ja kein Schloss ist, wie in goldenen Lettern an der Fassade nachzulesen ist – aus Schokolade zu gestalten. „Die offizielle Eröffnung am Wochenende war der passende Anlass“, sagt sie. Die Weihnachtsdeko verschwand aus dem Fenster, und bevor es mit Valentinstag und Ostern weitergeht, sollte die Stadt mit dem neuen Landtagsgebäude im Mittelpunkt stehen.

Flankiert von riesigen Schokoplatten mit Ansichten vom Nauener Tor und dem Holländischen Viertel prangt das Schloss nun als neues süßes Wahrzeichen Potsdams im Fenster. „Es ist nicht zum Verkauf gedacht, kann aber auf Bestellung gefertigt werden“, sagt Heike Wollherr. Sie hatte nicht nur die Idee zu dem Stück, sondern setzte diese auch um. Gleich neben dem Verkaufsraum mit allen erdenklichen Schokoladenvariationen befindet sich die kleine Manufaktur. Vieles von dem, was im Laden auf zartblau-geäderten, kühlen Marmorplatten und in altertümlichen Holzregalen verführerisch aufgebahrt lagert, wird nur wenige Meter weiter hergestellt. Der Rest kommt aus der großen Werkstatt in Hornow. Das Schloss allerdings ist – wie es sich gehört – Made in Potsdam.

Dazu wurden zunächst Schokoladenpellets in großen Säcken aus Belgien angeliefert, dann eingeschmolzen. Aus dieser qualitätsgeprüften Zartbitterschokolade nach belgischem Reinheitsgebot mit einem Kakaogehalt von 58 Prozent wurden die Grundplatten gegossen und zurechtgeschnitten. 30 mal 60 Zentimeter misst die Platte für das Schloss, die ihrerseits auf einer Platte samt Stützen steht. „Bestimmt zwei Kilo“, schätzt Heike Wollherr das Gewicht. Genau kann sie das nicht sagen, das fragile Kunstwerk wurde nie gewogen.

Mit verschiedenen Schokoladen von weiß bis dunkel wurde dann das Schloss-Bild daraufgemalt. „Wir können alle Farbtöne mischen“, sagt die gelernte Konditorin. Die Vorlage für das Abbild kam aus dem Internet. „Eine alte Zeichnung, die dann vergrößert wurde“, sagt die Schoko-Expertin. Anschließend wurde die Strichführung vereinfacht, bis alles für so ein Projekt passte. Für Heike Wollherr ist das bereits Routine. Ist kein Kunde im Laden, malt sie mit ruhiger Hand Schokobilder, fertigt Bestellungen für Kunden an. Auch das Schloss kam so zustande, gut einen halben Tag brauchte sie für die Fertigstellung. Mit einem spitzen Stift, der durch das Papier durchdrückt, zeichnete sie das Motiv nach. In der Schokotafel blieben Linien zurück, die dann nachgezogen und ausgefüllt wurden. „Etwas künstlerisches Talent sollte man schon haben“, sagt Heike Wollherr, die seit vier Jahren, seit Eröffnung der Confiserie, hier arbeitet.

Für das Schloss – komplett aus zertifizierter Bio-Schokolade, wie vieles der umfangreichen, phantasievollen Produktpalette – habe sich aber noch keiner der neuen Landtagsnutzer interessiert. Die Schöpferin würde sich freuen, wenn das Kunstwerk Liebhaber findet und auch vernascht wird. „Dazu ist ja da, das tut mir nicht weh, wenn es aufgegessen wird“, sagt sie lächelnd. Sie würde sogar – sollte sie gefragt werden – das Schokoschloss zur Eröffnung im Landtag zeigen. Der Transport wäre kein Problem.

Wer so ein leckeres Schokoschloss in dieser Größe haben möchte, muss mit einem Preis ab 150 Euro rechnen. Sollte sich gar kein Interessent finden, wird die Schloss-Schokolade vor Ostern wieder eingeschmolzen – und etwas Neues daraus gemacht.

In den nächsten Tagen haben die Mitarbeiter der Schokoladenmanufaktur allerdings viel zu tun. Zwei Kollegen sind auf der Grünen Woche, wo die Confiserie Felicitas beispielsweise die Spreewald-Kollektion präsentiert, schokoladige Brotaufstriche mit Edel-Eberesche und Walnuss und neue Schokosorten mit Hirse, Eberesche und Erdbeersalz. Was auch gern gekauft wird, sind saure Gürkchen aus Schokolade – mit einer prickelnden, leicht säuerlichen cremigen Füllung.

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