Vom Winde gedreht. Die Historische Mühle von Sanssouci ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1993. Seit Jahren müssen immer wieder Reparaturen durchgeführt werden. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Sanssouci Des Müllers Frust

Torsten Rüdinger von der Sanssouci-Mühle sorgt sich um Baupläne in der Nachbarschaft und den Zustand des Gebäudes. Die Schlösserstiftung beschwichtigt. Die Arbeit der Mühlenvereinigung will er ausbauen.

Sanssouci - Langsam drehen sich die Mühlenflügel im Wind. Wer drinsteht in der Historischen Mühle von Sanssouci, kann die gebändigte Naturkraft hören und spüren. Und ganz oben, im Mahlboden, sehen, wie nach der jahrhundertealten Technik Getreide zu Mehl wird. Zwischen 65.000 und 69.000 Besucher zählt Mühlenchef Torsten Rüdinger pro Jahr. In diesem Jahr, wegen der großen Sommerhitze, wohl etwas weniger, schätzt er. 80 bis 100 Schulklassen und Kitagruppen lernen in dem Gebäude unweit von Schloss Sanssouci das alte Handwerk des Müllers kennen. Seit diesem Jahr gibt es für die 2015 eröffnete Ausstellung auch per Bildschirm abrufbare Texte in englischer Sprache, ab kommendem Frühjahr sollen Polnisch und Spanisch hinzukommen.

Chefmüller. Torsten Rüdinger vom Mühlenverein macht sich Sorgen. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Chefmüller. Torsten Rüdinger vom Mühlenverein macht sich Sorgen. © Manfred Thomas

Aber Rüdinger macht sich auch Sorgen. Die Schlösserstiftung plant bekanntlich direkt neben der Mühle, wo früher das Schweizerhaus stand, den Neubau des Besucherzentrums. Auch das Mühlenhaus neben der Mühle soll saniert werden. Rüdinger, Vorstand der Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg e.V., die die Mühle betreibt, wünscht sich eine bessere Beteiligung an diesen Planungen – um Fragen des Besucherzugangs während der Bauzeit klären zu können, aber auch um die Finanzplanung anpassen. Auch die Sanierung des Mühlenhauses wirft für Rüdinger Fragen auf: Denn im Erdgeschoss des Hauses sind die Büros der Mühlenvereinigung sowie die Bibliothek und die Sammlung untergebracht. Er befürworte ausdrücklich alle Bau- und Restaurierungsmaßnahmen, betont er – drängt aber auf Planungssicherheit. „Die Stiftung lässt uns im Unklaren“, kritisiert Rüdinger: „Es ist wichtig, dass wir da zeitig mit eingebunden werden.“

Die Zusammenarbeit mit der Stiftung läuft nicht optimal, so die Kritik

Denn es dürfe nicht wieder so kommen wie 2014. Damals wurde die Straße an der Mühle tiefer gelegt, eine mehrmonatige Baustelle. Die Stiftung habe sich aber erst auf nachhaltigen Druck und nach Einschaltung sogar des Generaldirektors an einer Alternativlösung für den Zugang zur Mühle beteiligt, berichtet der Mühlenchef: „Das war nicht einfach – und hat einige schlaflose Nächte gekostet.“ Für die Mühle sei es dabei um die Existenz gegangen: „Wäre es mit der Zuwegung zur Mühle so gekommen, wie die Stiftung es geplant hatte, so hätten wir auf Grund fehlender Einnahmen den Betreibervertrag kündigen müssen.“

Tatsächlich will die Stiftung die Planungen für den Neubau des Besucherzentrums im nächsten Jahr wiederaufnehmen, sagte Stiftungssprecher Frank Kallensee auf PNN-Anfrage. Mit einem Baubeginn für das Projekt, das derzeit auf zehn Millionen Euro Kosten geschätzt werde, sei voraussichtlich 2021 zu rechnen. Die Arbeiten sollen aber „selbstverständlich so geplant werden, dass die Beeinträchtigung der Anlieger möglichst geringgehalten wird“, betonte Kallensee. Alle Betroffenen würden „rechtzeitig über die anstehenden Maßnahmen und ihre Auswirkungen informiert“. Bei Einschränkungen für einzelne Nachbarn werde man Lösungen suchen. Es sei vorgesehen, die Maßnahme in mehreren Bauabschnitten durchzuführen, „um den Betrieb aller Einrichtungen am Standort sicherzustellen“, so Kallensee weiter. Ein detailliertes Konzept dafür werde „rechtzeitig“ erarbeitet.

Holzteile müssen dringend erneuert werden, ein Termin steht aber noch nicht

Auch was die Instandhaltung der Mühle betrifft, wünscht sich Rüdinger mehr Initiative von der Stiftung. Besonders einige Holzteile des Baus seien sanierungsbedürftig, das habe er der Stiftung mehrfach signalisiert, sagt der Mühlenchef. Betroffen sei zum Beispiel die Galerie: Deren Geländer sei „dringend erneuerungsbedürftig“.

Aber auch der Zustand der Holzbalken, mit denen die Flügel jeweils in den Wind gedreht werden können, macht Rüdinger Sorgen. Auch die Holzteile an den Flügeln selbst, laut Rüdinger noch von 1993, müssten erneuert werden: „Das ist der Stiftung alles lange bekannt.“ Auch hier hat der Mühlenchef in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht: 2009 musste die Galerie von einem Tag auf den anderen für den Besucherverkehr gesperrt werden.

Bei der Stiftung hat man den Sanierungsbedarf der Holzteile auf dem Schirm, wie Sprecher Kallensee auf PNN-Nachfrage bestätigte. Sobald dafür Geld da sei, „werden die erforderlichen Arbeiten umgehend erfolgen“. Derzeit prüfe man zudem, ob die Arbeiten durch eigenes Personal, etwa Mitarbeiter des Schirrhofs, vorgenommen werden können. Der Sprecher verwies auf das einmal jährlich stattfindende Gespräch mit den Mühlenbetreibern, bei dem derartige Bauunterhaltungsarbeiten abgesprochen werden. Außerdem würden nach Bedarf – „wie jetzt auch“ – Ortstermine zu konkreten Maßnahmen vereinbart.

Mühlenvereinigung will zwei weitere Vollzeitstellen

Für die Arbeit der Mühlenvereinigung in der Mühle, aber auch im Land Brandenburg, strebt Mühlenchef Rüdinger zudem eine Projektförderung vom Land an. Einen entsprechenden Antrag ans Kulturministerium bereite er vor, sagte er. Derzeit habe die Vereinigung zwei Vollzeitstellen – neben Rüdinger selbst den Müller, der in der Mühle mahlt und Führungen durchführt. Weitere sechs Mini-Jobber arbeiten im Mühlenshop. Aufgaben abseits der Sanssouci-Mühle – etwa museumspädagogische Beratung und Weiterbildung für Mühlenbetreiber im Land Brandenburg, aber auch fachliche Expertise für Mühlenbesitzer – könnten momentan nur in den Wintermonaten erledigt werden, wenn die Sanssouci-Mühle nur am Wochenende geöffnet hat. Dafür gebe es aber einen Bedarf, sagt Rüdinger. Er will gern zwei weitere Vollzeitstellen schaffen – und 200.000 bis 210.000 Euro Projektförderung vom Land. Bislang erhalte er keinerlei öffentliche Unterstützung, betont er.

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