Rainald Grebe (M.), begleitet vom Filmorchester Babelsberg und Fortuna Ehrenfeld. Foto: Marion Kaufmann
© Marion Kaufmann

Rainald Grebe und Filmorchester Babelsberg Meganice Zeit im Nikolaisaal

Ironie mit Sphärenklang: Rainald Grebe, das Filmorchester Babelsberg und Fortuna Ehrenfeld begeisterten am Samstagabend im Nikolaisaal.

Potsdam -  Und dann bringt er es doch, der Klammermensch. Wie Helene Fischer („Atemlos“) sei auch er ein Klammermensch: Rainald Grebe („Brandenburg“). Also hebt er an im fast vollbesetzten Nikolaisaal, der in Adidas-Jogginghose gekleidete Mann aus dem „dreckigen Köln“, der ein Uckermärker geworden ist. Zu seiner Hymne über die Mark, in der Nazis nicht mal mehr einen zum Verprügeln finden und junge Leute in die Allee gurken. 
Wohl jeder im Saal kennt den Text auswendig, könnte mitsingen, aber trotz Masken, die die ganze Zeit über getragen werden müssen, behält jeder die Aerosole bei sich, um den Sound nicht zu stören. Begleitet wird Grebe, der bei früheren Konzerten selbst am Klavier saß, vom Filmorchester Babelsberg und dem – mit lauter Ossis in Schlafanzügen besetzten – Kölner Band Fortuna Ehrenfeld. Das ergibt einen Klang, der Grebes im Lockdown entstandenes Album „Popmusik“ voluminös in andere Sphären hebt, den parodistischen Disco-Stampf fast hymnisch werden lässt. 

Gauland und Jennifer Lopez 

Grebe ist, was seine ironischen Texte angeht, ganz der Alte. Und doch auch wieder nicht. Noch immer ist es die Absurdität des Alltags, die ihn beschäftigt, sind es Zeilen, bei denen sich jeder ertappt fühlt und laut auflacht, damit es nicht so auffällt. Er besingt die Paare in der Alltagsfalle, den Mann, der seine Frau im Schlaf beobachtet und daran denkt, wie er sie mit der Verkäuferin des Biomarktes betrogen hat. Oder die in die Jahre gekommen Partygänger, die im Suff verpassten Chancen hinterherlallen. Aber es ist auch die Vergänglichkeit, die sich in seine neue Platte schleicht. Sechs Schlaganfälle hat der 50-Jährige, der an einer Autoimmunkrankheit leidet, hinter sich. Und natürlich ist es die Politik am Abend vor der Bundestagswahl, die AfD im Osten, Gaulands Nazi-Vogelschiss-Vergleich, den er in „Meganice Zeit“ mit Radionachrichten über Jennifer Lopez kombiniert. Ein Konzert zum Nachdenken, zum Lachen, zum Genießen nach Corona-Pause. Meganice! 

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