Laut Zahlen des Statistischen Landesamts wurden 2021 in Potsdam gerade einmal 593 Wohnungen genehmigt. Foto: Ottmar Winter
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Potsdams Wohnungsbau lahmt Zahl der Baugenehmigungen bricht ein

Trotz des großen Bedarfs: So wenige Wohnungen wie 2021 wurden in der Landeshauptstadt lange nicht genehmigt.

Potsdam - Noch sind in Potsdam viele Baukräne zu sehen. Doch das könnte sich bald ändern. Der Wohnungsbau scheint sich weiter zu verlangsamen. Im vergangenen Jahr sind in der Landeshauptstadt deutlich weniger Baugenehmigungen als im Jahr zuvor erteilt worden. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Landesamtes wurde der Bau von lediglich 593 Wohnungen genehmigt. Das waren 46 Prozent weniger als im Jahr 2020. Bei 561 davon handelte es sich um Neubauten.

Wer so eine geringe Zahl finden will, muss in den statistischen Jahresberichten der Stadt eine Weile blättern: 2006 waren zuletzt weniger Wohnungen genehmigt worden. Seitdem gab es viele Jahre mit mehr als 1000 genehmigten Wohnungen.  Auch im Jahr 2020 kam Potsdam auf insgesamt 1104 genehmigte Wohnungen. Im Jahr 2014 waren es sogar 2735 – also fast fünfmal so viele wie im vergangenen Jahr. 

Der Geschosswohnungsbau schwächelt

Die Zahlen zeigen auch, dass vor allem der Geschosswohnungsbau schwächelt. Zu erkennen ist das am Verhältnis der Zahl der Baugenehmigungen zur Zahl der genehmigten Wohnungen. Denn egal ob es sich um ein Einfamilienhaus oder einen Wohnblock handelt, immer wird nur eine einzige Baugenehmigung erteilt. Im vergangenen Jahr kamen in Potsdam im Durchschnitt auf jede Baugenehmigung genau 2,23 Wohnungen. Im Vorjahr waren es noch 3,35 Wohnungen. Im Jahr 2019 lag der Wert bei 3,52. Für Ein- und Zweifamilienhäuser wurden im vergangenen Jahr genau 128 Baugenehmigungen erteilt.

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Langfristig wirken sich weniger Baugenehmigungen auf den Wohnungsmarkt aus. Damit Wohnungen gebaut werden können, muss der Bau zunächst einmal genehmigt werden. Von der Baugenehmigung bis zum Einzug der ersten Bewohner dauert es üblicherweise eineinhalb bis zwei Jahre. Zahlen darüber, wie viele Wohnungen im vergangenen Jahr tatsächlich gebaut wurden, liegen bislang nicht vor. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 897 – auch das war bereits ein deutlicher Einbruch gegenüber den Vorjahren. 

Warum lahmt der Wohnungsbau?

In den 2010er-Jahren sind in Potsdam Tausende Wohnungen neu entstanden, vor allem im Norden der Stadt. Relativ zur Einwohnerzahl wurden deutlich mehr Wohnungen errichtet als beispielsweise im ebenfalls stark wachsenden Berlin. Bundesweit landete Potsdam damit in der Spitzengruppe. Die letzten vier Jahre waren allerdings alle deutlich schlechter als die vorangegangenen.

Warum der Wohnungsbau und dessen Planung auf einem derart stark nachgefragten Markt wie Potsdam lahmt, ist unklar. Mehrere Ursachen kommen infrage. Zum einen dürften besonders in den vergangenen zwei Jahren die Unsicherheiten der Corona-Pandemie einige private Investitionsentscheidungen gebremst haben. Außerdem klagte auch das Rathaus selbst immer wieder über mangelnde Kapazitäten für die Bauleitplanung, die vielen Bauprojekten vorausgehen muss. Eine Rolle dürfte auch spielen, dass in der Stadt nach vielen Jahren des Wachstums immer weniger bebaubare Grundstücke zur Verfügung stehen. Das Bornstedter Feld ist weitgehend bebaut, und im Entwicklungsgebiet Krampnitz etwa ist es immer wieder zu Verzögerungen gekommen.

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Landesweit sieht die Sache anders aus. Wie Experten schon länger beobachten, weichen Wohnungssuchende und Investoren stärker von Berlin nach Brandenburg aus. Landesweit wurden 15 465 neue Wohnungen genehmigt – 16,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Der weitaus größte Teil davon entsteht in Landkreisen, die an Berlin grenzen. Nahezu verdoppelt hat sich die Zahl im Havelland und im Barnim. Zuwächse gab es auch in Teltow-Fläming. Rückgänge dagegen in Märkisch-Oderland, Oberhavel und Oder-Spree. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark legte die Zahl der genehmigten Wohnungen von 1083 auf 1690 zu.

615 neue Wohnungen an der Georg-Hermann-Allee

Potsdams schwaches Abschneiden bedeutet allerdings nicht, dass gar nicht mehr gebaut werden wird. Die kommunale Wohnungsholding Pro Potsdam will bis zum Jahr 2030 2000 geförderte Wohnungen errichten. Fast 500 ungeförderte Neubauwohnungen kommen noch dazu. Allein in diesem Jahr investiert das Unternehmen rund 50 Millionen Euro. Diese Summe wird sich bis 2025 noch mal mehr als verdoppeln. Derzeit werden beispielsweise 615 neue Wohnungen an der Georg-Hermann-Allee am Volkspark und an der Heinrich-Mann-Allee in der Teltower Vorstadt gebaut. 

Dennoch deuten die aktuellen Zahlen darauf hin, dass die Bedeutung von Krampnitz für den Wohnungsbau in Zukunft noch zunehmen wird. Dort befinden sich 33 Prozent der gesamten Potenzialfläche und sogar 53 Prozent der Bauflächen in kommunalem Besitz. Gemeint sind damit Flächen, auf denen schon jetzt Wohnungen gebaut werden könnten und solche, die im Flächennutzungsplan dafür vorgesehen sind.

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