Langfristig soll das Hotel Mercure abgerissen werden. Nach Vorstellungen der Stadtspitze soll eine "Wiese des Volkes" dort entstehen. Foto: A. Klaer
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Potsdams Deal Der Mercure-Abriss ist für Jahre vom Tisch

Im Streit um die Mitte zeichnet sich nach PNN-Informationen überraschend ein parteiübergreifender Kompromiss ab: Erhalt des Hotels Mercure, dafür Abriss von Staudenhof und Fachhochschule.

Potsdam - Im Konflikt um das Herz der Stadt könnte eine versöhnliche Lösung gefunden werden. Nach PNN-Recherchen soll bei der heutigen Stadtverordnetenversammlung eine Art Deal zur Potsdamer Mitte abgeschlossen werden – einvernehmlich und von einer breiten Mehrheit. Demnach sollen Fachhochschule und Staudenhof-Wohnblock fallen, das Mercure aber stehenbleiben.

Nach PNN-Informationen finden seit einigen Tagen hinter den Kulissen Absprachen statt, weil Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) für sein Kompensationsangebot zur Mitte möglichst auch die Stimmen der Linken haben will – und nicht nur die der Rathauskooperation aus SPD/CDU/ANW und Grünen. Angesichts der vielen Unterschriften für das Bürgerbegehren wird Jakobs vorschlagen, auf den Grundstücken von Fachhochschule (FH) und Staudenhof vor allem Sozialwohnungen unterzubringen – und das sollen auch die Linken mittragen. Damit hofft er den in den vergangenen Monaten immer erbitterter geführten Streit zur Entwicklung der Flächen rund um den Alten Markt zu befrieden.

Hotel-Frage solle "künftigen Generationen vorbehalten werden"

Die Linken jedenfalls haben inzwischen ihre Forderungen in entsprechende Änderungsanträge für die Sitzung des Stadtparlaments am Mittwoch formuliert, wie Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg am Dienstag auf PNN-Anfrage sagte. Unter anderem solle kenntlich gemacht werden, dass die Stadt keine Bemühungen mehr zum Kauf des Mercure mit dem Ziel des Abrisses unternimmt. Die Hotel-Frage solle „künftigen Generationen vorbehalten werden“, so ein Formulierungsvorschlag der Linken.

Eine andere Situation entstehe nur dann, wenn der jetzige Eigentümer das Hotel nicht mehr im derzeitigen Zustand weiterbetreiben wolle, schränkte Scharfenberg ein. Im Klartext: Sollte der Eigentümer, die französische Holding FDM Management, irgendwann doch einmal der Stadt das derzeit noch völlig intakte Haus anbieten oder es umwidmen wollen, könnten noch Gespräche stattfinden, auch zu einem Abriss. Zugleich würden die beschlossenen Sanierungsziele für den Lustgarten – inklusive dessen ohnehin geplanter Umgestaltung, langfristig ohne Hotel – erhalten bleiben. Mündlich hat Oberbürgermeister Jakobs zuletzt bereits zugesagt, das Mercure-Hotel solle „erst mal“ stehen bleiben. In seinem vorgelegten Mitte-Paket findet sich zu diesem Punkt aber noch keine genaue Formulierung.

Linke zeigt Kompromissbereitschaft bei Staudenhof und FH-Gebäude

Scharfenberg sagte den PNN, die Forderungen der Linken seien Kompromissvorschläge: „Auch wir bewegen uns.“ So sei für die Linke unter gewissen Umständen ein Abriss des Staudenhofs denkbar – aber nur, wenn mindestens die gleiche Kapazität an Sozialwohnungen entstehe und der Nachweis geführt werde, „dass die wirtschaftlichen Vorteile eines Neubaus gegenüber einer Sanierung überwiegen“. Auch diese Bedingung wolle er in dem Kompensationsangebot festschreiben lassen, sagte Scharfenberg.

Zugleich verzichtet die Linke auf die Forderung nach einem vollständigen Erhalt des maroden Gebäudes der FH. Hier soll einzig geprüft werden, ob und wie Teile der FH erhalten und mit einer öffentlichen Funktion versehen werden können. Hier hatte die Stadt schon in der Vergangenheit abgewinkt.

 

 

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