Stadt und Aussteller wollen die Skulptur in Potsdam belassen. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Potsdamer Publikumsmagnet Standort für den Bronze-Trabi gesucht

Die Skulptur auf dem Steubenplatz hatte sich während der Einheits-Expo zum beliebten Fotomotiv entwickelt. Wie lange der Bronze-Trabi noch in Potsdam bleibt, ist unklar.

Potsdam - Bleibt der bronzene Trabi dauerhaft in Potsdam? Derzeit steht die markante Skulptur des Prager Künstlers David Cerný noch bis Ende des Jahres neben dem Landtag auf dem Steubenplatz. Die Stadt führt nach PNN-Informationen zur Zeit Gespräche über einen Erwerb des Kunstwerks mit dem Titel „Quo vadis?“ („Wohin gehst du?“). 

„In die Entscheidung über einen möglichen Verbleib der Bronzeskulptur wurde der Potsdamer Beirat Kunst im öffentlichen Raum als zuständiges Gremium miteinbezogen“, sagte Stadtsprecherin Christine Homann. Aufgabe des Beirates ist es, durch unabhängige Empfehlungen die Qualität des kulturellen Stadtbildes zu wahren und fortzuentwickeln, eine Empfehlung zum glänzenden Trabi wird im Dezember erwartet.

Trabi wurde ausgetauscht

Zuvor gab es Verwirrung um die Skulptur, die im Rahmen der Einheits-Expo aufgestellt und schließlich Mitte Oktober durch eine identische, aber frisch glänzende Kopie ausgetauscht wurde. Hintergrund des Ganzen war eine Terminverzögerung: Aussteller und Miteigentümer der Skulptur ist die Berliner Projektentwicklungsfirma Kauri Cab, deren Geschäftsführer Hagen Kahmann persönlich mit David Cerný befreundet ist, der den vierbeinigen Trabant 1990 geschaffen hatte. „Als das Konzept für die Einheitsfeier in Potsdam stand, fanden wir, dass ,Quo vadis’ wunderbar dazu passen würde“, sagt Beate Laskowski von Kauri Cab.

Also wurde ein Abguss der Skulptur in Auftrag gegeben, dieser sei jedoch nicht rechtzeitig zum Start der Einheits-Expo fertig geworden, sagt Laskowski: „Deshalb hat uns die deutsche Botschaft in Prag ihre Skulptur geliehen.“ Nach Ende der Expo ging der Trabi wieder nach Prag und wurde durch den frischen Abguss ersetzt, der im Lauf der Zeit eine ähnlich dunkle Patina bekommen wird, wie sein älteres Vorbild.

Beliebtes Fotomotiv

Während der Einheitsfeierlichkeiten ist Laskowski aufgefallen, wie beliebt die Skulptur bei vielen Besuchern war: „Sie ist echt ein Publikumsmagnet geworden, viele haben sich davor fotografieren lassen.“ Auch Mitarbeiter des Landtages hatten sich positiv geäußert, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte allerdings bei seinem Expo-Rundgang gemeint: „Eigentlich gehört die ja nach Berlin.“

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Kauri Cab würde sich jedoch freuen, wenn „Quo vadis“ in Potsdam bleibt: Nach Beendigung der Feierlichkeiten hatte die Firma Kontakt zur Landeshauptstadt aufgenommen, verbunden mit dem Angebot, die Skulptur weiterhin in Potsdam zeigen zu können. „Aufgrund der positiven Resonanz in der Öffentlichkeit hat sich die Landeshauptstadt um eine kurzzeitige Standortverlängerung bemüht“, sagt Christine Homann. An welchem Standort das Kunstwerk zukünftig stehen soll, falls es dauerhaft in Potsdam bleibt, ist allerdings noch unklar.

Original wurde als Trabant-Karosse gefertigt

Bei der abtransportierten Bronzeskulptur handelt es sich übrigens ebenfalls um eine Kopie: Das Original hatte David Cerný einst aus einer echten Trabant-Karosse auf Glasfaserstelzen gefertigt und ohne Erlaubnis auf dem Prager Marktplatz aufgestellt. Der Bildhauer erinnerte damit an die ostdeutschen Flüchtlinge in der Botschaft in Prag, aber auch an die Trabis, die einige DDR-Bürger 1989 in den Straßen der tschechischen Hauptstadt zurückgelassen hatten. Da das ursprüngliche Kunstwerk jedoch der Witterung nicht standhielt, wurde eine Bronzeskulptur gegossen, die seit 1993 im Garten der deutschen Botschaft in Prag steht.

Laskowski glaubt, dass „Quo Vadis“ in Potsdam besser aufgehoben wäre, als in Berlin: „Die Potsdamer scheinen sie echt ins Herz geschlossen zu haben.“ Doch derzeit halten coronabedingte Absperrungen Besucher auf dem Steubenplatz auf Abstand zur Bronzeskulptur. „Denn so eine Skulptur will natürlich jeder anfassen“, sagt Laskowski und hofft, dass die Abstandhalter bald wieder verschwunden sind.

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