Der Winter- und Frühlingssternenhimmel über Potsdam. Für eine große Ansicht einmal auf das Bild klicken. Quelle und Abbildung: Simon Plate/Urania Planetarium Potsdam
© Quelle und Abbildung: Simon Plate/Urania Planetarium Potsdam

Potsdam Jetzt ist der Frühlingshimmel zu sehen

Simon Plate

Vom Winter- zum Frühlingshimmel: Sechs auffallend helle Sterne leuchten jetzt am Himmel. Außerdem lohnt ein Blick zum Mars. Ein Gastbeitrag.

Potsdam - Es wird frühlingshaft – nicht nur aktuell in Brandenburg, auch hoch über unseren Köpfen. Denn am Nachthimmel vollzieht sich gerade der Wechsel vom Winter- zum Frühlingssternhimmel. Das Wintersternbild des mythologischen Jägers Orion tritt von der Himmelsbühne ab und steht abends bereits tief im Westen. Eingerahmt wird es von sechs auffallend hellen Sternen, die als Wintersechseck bekannt sind. Der Sternhimmel des Frühlings ist zwar weniger reich an sehr hellen Sternen, bietet dafür aber unvergleichlich tiefe Blicke in den Kosmos.

Löwe, Jungfrau und Bärenhüter sind jetzt gut zu sehen

Drei Sternbilder dominieren den Frühlingshimmel: Der Löwe mit dem Stern Regulus, die Jungfrau mit Spica und der Bärenhüter mit Arktur. Diese drei Sterne ergeben ein markantes Dreieck am Nachthimmel, das sich um Mitternacht vom Osthorizont bis hoch in den Süden erstreckt.

Der Löwe ist seit der griechischen Antike bekannt, doch wahrscheinlich haben bereits die Ägypter in dieser Sternansammlung einen Löwen gesehen. Viele Sagen ranken sich um dieses Sternbild. Am bekanntesten dürfte jene vom Nemeischen Löwen sein, der vom Helden Herakles im Kampf niedergerungen wurde. Die Jungfrau mit dem Stern Spica können wir um Mitternacht über dem Südosthorizont beobachten. Spica bedeutet Kornähre. In der römischen Antike brachte man diesen Stern mit Ceres, der Göttin des Ackerbaus, in Verbindung. Der Bärenhüter ist in der antiken Mythologie der Beschützer der berühmten Großen Bärin. Sein hellster Stern Arktur ist nicht zu übersehen: Er ist der dritthellste Stern am gesamten irdischen Firmament.

In den Frühlingsmonaten blicken wir des Nachts direkt aus der Milchstraße heraus. Sie ist unsere Heimatgalaxie: Eine Sterneninsel aus etwa 250 Milliarden Sternen, die sich in einer flachen Spiralscheibe anordnen. Unsere Sonne treibt mit ihren acht Planeten darin.

Jetzt können die Tiefen des Kosmos erforscht werden

Da unser Blick im Frühling senkrecht aus unserer Galaxie hinausführt, stören Gas- und Staubwolken der Milchstraße unsere Fernsicht nicht und wir können die Tiefen des Kosmos erforschen. Dabei werden uns die Dimensionen des Alls bewusst: Gerade im Bereich des Sternbilds Jungfrau sehen wir beim Blick durchs Fernrohr winzige Lichtfleckchen aufleuchten. Professionelle Teleskope, wie das Hubble Weltraumteleskop, zeigen uns, dass dies ferne Galaxien sind, die aus Milliarden von Sternen bestehen.

Blicken wir in den Abendstunden rechterhand vom Orion über den Westhorizont, so fällt uns ein rötlich leuchtendes Himmelsobjekt auf: Der Mars. Seine Entfernung zu uns beträgt nur wenige Lichtminuten. Da der Mars auch mit konventioneller Raketentechnologie in sieben Monaten erreicht werden kann, wird er seit Jahrzehnten intensiv erforscht.

47 Missionen auf den Weg zum Mars

Auf den ersten Blick ist Mars mit seiner dünnen Atmosphäre und Temperaturen um -55°C ein trockener Wüstenplanet. Das war nicht immer so: Forscher sind sich sicher, dass zumindest in der Vergangenheit Wasser auf der Oberfläche des Mars existiert hat. Satellitenbilder zeigen uns ausgetrocknete Seen und Flusstäler. Seit 1960 haben sich 47 unbemannte Raumfahrtmissionen auf den Weg zum Mars gemacht, heute sind es besonders die Landefähren, die für Aufsehen sorgen: So hat der NASA-Rover „Curiosity“ Gesteinsformationen untersucht, die von Wasser geformt wurden. Und der im November angekommene Lander „Mars Insight“ soll mit einem Seismometer den Untergrund des roten Planeten untersuchen.

Schauen Sie also im Frühling hoch an den Nachthimmel, lassen Sie sich von den Dimensionen verzaubern – es gibt so viel zu entdecken!

Der Autor ist seit 2016 der Leiter des Urania-Planetariums. Der gebürtige Bremer leitete schon als Student in Potsdam den Urania-Astroklub. Für die PNN schreibt er regelmäßig über den aktuellen Sternenhimmel.


+++ Veranstaltungen:

Einen 360°-Blick ins Weltall gibt es in den Veranstaltungen des Urania-Planetariums, zum Beispiel am Samstag um 16 Uhr: „Kosmische Dimensionen – Faszination des Unvorstellbaren“ oder am Sonntag, dem 24. Februar um 16 Uhr: „Reise durch das Universum“.

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