Großeinsatz der Polizeieinsatz am Wochenende in Drewitz. Foto: Manfred Thomas
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Missbrauchsverdacht in Potsdam Mädchen und Entführer sollen sich gekannt haben

Sie hatte wohl ein gewisses Vertrauen, als sie mit ihm mitging: Ermittler gehen davon aus, dass das sechsjährige Mädchen, das offenbar in Drewitz entführt wurde, den Mann kannte - einen schweren Alkoholiker.

Potsdam - Wie kam das Mädchen, das in Drewitz entführt und mutmaßlich missbraucht wurde, in die Gewalt seines Peinigers? Ermittler gehen nach PNN-Informationen davon aus, dass sich das Opfer und der Tatverdächtige Willi D. kannten. Es müsse ein gewisses Vertrauensverhältnis bestanden haben, so dass es dem Mann gelang, das Kind, das zuvor im Porta-Möbelhaus in Drewitz verschwunden war, in seine nahegelegene Wohnung mitzunehmen.

Zumindest vom Sehen sollen sich beide gekannt haben. D.s Wohnung liegt nur zwei Aufgänge von der der Familie entfernt im selben Block. Deswegen müsse es Passanten womöglich auch gar nicht aufgefallen sein, wenn die beiden miteinander sprachen. Der Verdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Das Amtsgericht Potsdam hatte am Montagnachmittag gegen den 58-Jährigen Haftbefehl erlassen.

Verdreckte Wohnung

Beim Betreten der Wohnung, die das Mädchen den Beamten beschrieb, nachdem es am Sonntagmittag weinend auf einem Gehsteig sitzend gefunden wurde, bot sich den Ermittlern ein schockierender Anblick. Knapp 100 leere Schnapsflaschen wurden nach PNN-Informationen in der Wohnung gefunden. Die ganze Wohnung soll in einem schrecklichen, verdreckten Zustand gewesen sein. Der 58-Jährige lebte alleine, wird als Einzelgänger beschrieben. Er sei arbeitslos gewesen, jemand, "der die Wende verpasst hat", heißt es aus Ermittlerkreisen. 

Polizeilich ist der Mann nach PNN-Informationen bislang überhaupt nicht in Erscheinung getreten. Bei der Suche nach dem Mädchen, das 22 Stunden vermisst war, hätte also so schnell keine Spur zu Willi D. geführt, denn in solchen Vermisstenfällen werden routinemäßig die Dateien nach einschlägig Vorbestraften, die in der Nähe wohnen, durchsucht. 

Das Mädchen habe Glück gehabt, dass es entkommen konnte - allerdings nachdem es mutmaßlich missbraucht wurde, worauf Verletzungen hindeuten. Willi D. ist nach dem Missbrauch im Alkoholrausch eingeschlafen, wird in Ermittlerkreisen vermutet. Das Kind schlich sich aus der Wohnung und ließ die Tür offen. Nach PNN-Informationen sagte es den Beamten später es sei "geklaut" worden. 


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