Audienz. König Alfons (Uwe Ochsenknecht) im Gespräch mit einer Schülerin des Filmgymnasiums Babelsberg.

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ Faszinierend zeitlos

Premiere von Studio-Babelsberg-Produktion „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“

Potsdam - Irgendwie dreht sich erstaunlich viel um einen Tennisball. Die Protagonisten fürchten ihn, nehmen dennoch tollkühn den Kampf gegen ihn auf – obwohl er riesig ist und ein großes Gebiss hat – und besiegen ihn schließlich. So jedenfalls begab es sich beim Filmdreh. Auf der Leinwand wiederum sieht es ganz anders aus. Es ist der angsteinflößende Drache Frau Mahlzahn, den Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer und die entführten Kinder schließlich zu Fall bringen – bevor sie mit Lokomotive Emma die Flucht aufnehmen.

In einer aufwendigen Produktion hat Regisseur Dennis Gansel Michael Endes Kinderbuchklassiker auf die Leinwand gebracht, nach der Augsburger Puppenkiste die erste Realverfilmung des Stoffes. 25 Millionen Euro hat der Film gekostet. Am Sonntag hatte „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, der zu großen Teilen in den Filmstudios in Babelsberg gedreht wurde, in Berlin Weltpremiere.

Die Szene mit dem Drachen Frau Mahlzahn, eine bösartige Lehrerin, die zahlreiche Kinder in einer Höhle gefangen hält, gehört zu den aufwendigsten des ganzen Films. „Das war ein riesiger Setbau“, erzählt Regisseur Dennis Gansel. Beim Dreh sei es außerdem sehr staubig gewesen. „Und dann ist der dritte Hauptdarsteller eigentlich nur ein Tennisball, nämlich dieser riesige Drache, der eigentlich gar nicht da ist“, sagt Gansel. Erst später seien die fehlenden Elemente mit entsprechender Tricktechnik hinzugefügt worden. Bereits vor 15 Jahren haben Produzent Christian Becker und Dennis Gansel mit ersten Überlegungen und Planungen zu dem Mammutprojekt begonnen. „Die Zeit hat dem Film gut getan“, ist Gansel heute überzeugt. Schließlich habe sich in den vergangenen Jahren auch die Computer Generated Imagery, die digitale Tricktechnik, weiterentwickelt. Davon wird der Regisseur auch im nächsten Film profitieren, denn mit der „Wilden 13“ ist bereits der zweite Teil in Planung.

Die Geschichte von Jim Knopf und Lukas gebe viel her, sagt Gansel. In dem Buch von Michael Ende seien viele Themen angelegt, die heute noch aktuell sind. „Faszinierend zeitlos“, beschreibt Gansel den Klassiker und meint damit Szenen wie mit dem Halbdrachen Nepomuk – der Vater ist ein Drache, die Mutter ein Nilpferd – der als Mischling aus der Drachenstadt ausgegrenzt wird. Der Regisseur sieht darin auch Parallelen zu Michael Endes eigenem Leben und dessen Erlebnissen unter den Nationalsozialisten. Michael Ende sei seiner Zeit in jedem Fall voraus gewesen. „Wer hat sonst 1960 in Deutschland ein Buch mit einem kleinen schwarzen Jungen in der Hauptrolle geschrieben?“, merkt er an.

Der Regisseur erwartet, dass der zweite Teil ähnlich aufwendig wird wie der erste. Denn neben der Drachenstadt konstruierte die Filmcrew dafür in Babelsberg auch die kleine Insel Lummerland, die als neue Attraktion im Filmpark für Besucher offen ist, wie auch das asiatische Kaiserreich Mandala. In der Marlene-Dietrich-Halle auf dem Potsdamer Filmareal entstand die Kaiserstadt Ping und füllte die gesamte Halle aus. Die Front des Palastes und Häuserfassaden wurden dort errichtet. Außerdem castete Gansel asiatische Statisten in Potsdam und Berlin. Für Gansel hat der Dreh in der Marlene-Dietrich-Halle auch filmhistorisch eine besondere Bedeutung. Er sei großer Fritz-Lang-Fan, sagt er über den Regisseur, der in derselben Halle 1926 mit dem Dreh von „Metropolis“ das Genre des Science-Fiction-Films erfand.

Der Filmdreh erforderte nicht nur unterschiedliche Sets in einem Areal, neben Babelsberg drehte die Filmcrew auch in Südafrika. Für Jim Knopf und den Lokomotivführer Lukas geht es schließlich zusammen mit der Lokomotive Emma von der wohlbehüteten Insel Lummerland über das Meer hinaus in die große weite Welt. Gelandet im asiatischen Kaiserreich Mandala erfahren sie, dass Li Si, die Tochter des Kaisers, entführt wurde, und beschließen, sie zu finden. Natürlich warten auf dem Weg viele Gefahren auf das Dreiergespann: dunkle und eiskalte Felsschluchten, eine Lavalandschaft oder die trockene Wüste. Aber dank Emma geht es irgendwie immer voran.

Auch mit dem Bau der Dampflok hat es sich die Filmcrew nicht einfach gemacht. Szenenbildner Matthias Müsse besuchte diverse Technikmuseen und beschäftigte sich mit historischen Eisenbahnen, um eine filmtaugliche Lok zu konstruieren. „Das ist sein Meisterstück“, sagt Gansel über die Arbeit des Szenenbildners. Die Film-Emma wurde schließlich in der Schlosserei des Studios Babelsberg gebaut – und nicht nur eine. Insgesamt vier Ausführungen der Emma waren für den Film nötig, eine von ihnen wurde in Südafrika gebaut. Eine weitere Dampflok sei aus Deutschland nach Südafrika transportiert worden – per Hochseefracht im Container. „Da sind wir ganz schön Schwitzen gekommen“, gibt der Regisseur zu. Erst am allerletzten Tag sei die Dampflok angekommen. Und dann die Überraschung: Die lang ersehnte Lokomotive aus Babelsberg war zu schwer für den südafrikanischen Wüstensand. Bei ersten Tests zeigte sich, dass die Lok fast wie im Treibsand versank. Über Nacht hätten sie daher noch unter dem Wüstensand Schienen verlegt, erzählt der Regisseur.

Und dann wurde es für die Filmcrew noch so richtig abenteuerlich - und zwar auf dem Meer. Taucher hatten am Kap der Guten Hoffnung mit Strömungen zu kämpfen und dann habe es plötzlich geheißen: „Wir sehen weiße Haie, die um die Emma herumzirkeln, haltet Sicherheitsabstand“, erzählt der Regisseur von dramatischen Momenten. Irgendwie hat es die Filmcrew dann doch geschafft, dass am Ende alle Szenen im Kasten waren und die Beteiligten unbeschadet davonkamen – in der Realität und in der Fiktion.

Kinostart 29. März, Vorpremiere im Thalia-Kino am 25. März, 14.15 Uhr.

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