Kletter-Kuppeln und Fußballrasen. Viertklässler des Fröbel-Horts der Max-Dortu-Grundschule mit ihrem Modell für die Plantage. Foto: Andreas Klaer
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Potsdam Ideen für den Glockenspielplatz

Kletterturm, Hängematten, Heckenlabyrinth: Rund 300 Kinder, Jugendliche und Eltern haben ihre Ideen für die Gestaltung der Plantage formuliert. Etliche Anregungen werden in den Wettbewerb aufgenommen.

Potsdam - Wenn es nach Tim und seinen Freunden geht, dann wird der Plantagenplatz ein Kinderparadies: Ein Heckenlabyrinth haben die Viertklässler in das Mini-Modell des Platzes eingebaut, einen Fußballplatz mit Kunstrasen, damit das Hinfallen nicht so wehtut wie jetzt auf dem Schotterplatz, und zwei außergewöhnliche Klettergerüste: Das eine mit begehbaren Kuppeln – „da könnte man drin klettern oder ein Café reinmachen“, erklärt Tim. Das andere besteht aus dem Gerüst des auf dem Platz stehenden Glockenspiels – ein Nachbau aus der Garnisonkirche. Dort sollen zwar nicht alle Glocken erhalten werden: „Aber vielleicht ganz oben eine drin lassen – sonst würde es ja nicht mehr Glockenspielplatz heißen.“

Dass der Platz in der Potsdamer Innenstadt, über dessen Gestaltung die Stadtpolitik seit Jahren diskutiert, bei den Kindern, die dort spielen, gar nicht als Plantage bekannt ist, sondern als Glockenspielplatz, ist nur eine Überraschung bei dem Beteiligungsverfahren für die zukünftige Gestaltung. Rund 300 Kinder, Jugendliche und Eltern kamen bei dem Prozess zu Wort, besonders eindrucksvoll sind die vier Modelle, die Viertklässler vom Fröbel-Hort der Dortu-Grundschule gebaut haben. Vom großen Rücklauf in dem Beteiligungsprozess zeigte man sich auch beim für das Areal zuständigen städtischen Sanierungsträger, der zum ersten Mal Erfahrungen mit dieser Art der Kinderbeteiligung macht, beeindruckt.

Modelle mit Yoga-Wiese, Baumhaus und Hängematten

Am Dienstag wurden die Ergebnisse des Prozesses, der vom Berliner Landschaftsbüro Gruppe F und dem Potsdamer Kinder- und Jugendbüro organisiert wurde, im Rechenzentrum vorgestellt. Eine Seilbahn von Baum zu Baum wünschten sich die Viertklässler unter anderem, aber auch Hängematten, ein Baumhaus, Trampoline oder eine Yoga-Wiese. Bei den älteren Schülern spielten außerdem Angebote wie eine Skate-Rampe, eine Graffitiwand oder Fahrradständer eine Rolle. Ähnliche Ergebnisse habe es auch bei den Befragungen von Schülern und Eltern der Voltaireschule und von den Schülersprechern im Kreisschulrat gegeben, berichtete Bettina Walther, eine der Organisatoren bei Gruppe F.

Die jüngeren Kinder hatten sich zunächst vor Ort ein Bild gemacht und Schwachstellen und Positives markiert. Bei den Älteren und den Eltern wurde das per Befragung erhoben. Von allen Gruppen moniert wurden Hundekot, Scherben und Müll auf dem Platz. Kritik gab es auch an der lieblosen Gestaltung des Platzes und dem fehlendem Sicht- und Lärmschutz in Richtung Straße.

Die Ideen müssen die Landschaftsarchitekten nun im Wettbewerb berücksichtigen

Die Ergebnisse des Verfahrens sollen nun auch in den Wettbewerb für die Gestaltung des Platzes einfließen, wie Landschaftsarchitektin Marike Koehn vom Büro Gruppe F erklärte. Das Büro bereitet den Wettbewerb, an dem sich bis zum Sommer 13 Landschaftsarchitekturbüros beteiligen sollen, vor. Die Ideen und Vorschläge der Kinder sollen dabei in die Vorgaben für die Wettbewerbs-Teilnehmer einfließen, sagte Koehn.

Aufgenommen wird beispielsweise die Forderung nach einem Baumhaus mit Rutschen, einem Klettergerüst, Hängematten und Trampolin. Neben den für den Schulsport notwendigen Sportanlagen sollen die Wettbewerbs-Teilnehmer auch aufgefordert werden, neue Ideen für Bewegungs- und Sportgeräte einzubringen – als Beispiele nannte Marike Koehn ein Skate-Rampe, einen Hindernis-Parcours oder Outdoor-Fitnessgeräte. Auch die Forderung nach mehr Sitzgelegenheiten, Mülleimern, einem Trinkwasserspender, Radständern fließen in die Wettbewerbsvorgaben ein.

Bei der Begrünung des Platzes sollen die Wettbewerbs-Teilnehmer auf Wunsch der Kinder sowohl Sonnen- als auch Schattenplätze schaffen, auch Sträucher zum Versteckspiel sowie eine Bepflanzung als Abgrenzung der Fläche sollen entstehen.

Wettbewerb startet im April, im Juli wird der Sieger gekürt

Die Seilbahn schaffte es dagegen nicht weiter: Man befürchte eine Lärmbelästigung für die Anwohner, erklärte Marike Hoehn. Auch die öffentliche Toilette oder ein abgegrenzter Hundespielplatz, wie teils vorgeschlagen, wurden nicht berücksichtigt. Es soll stattdessen ein Hundeverbot für den Platz geben.

Die Ausschreibung soll voraussichtlich im April fertig werden. Mitte Juli tagt das Preisgericht und entscheidet über den Siegerentwurf, wie Sigrun Rabbe vom städtischen Sanierungsträger sagte. Umgesetzt werden soll er in zwei Etappen: Der erste Abschnitt auf der zur Yorckstraße hin gelegenen Seite soll ab 2017/18 umgestaltet werden, der zweite Abschnitt, auf dem derzeit noch ein Teil des Rechenzentrums steht, ab 2018.

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