Das Klinikum Ernst von Bergmann. Foto: Sebastian Gabsch PNN
© Sebastian Gabsch PNN

Gesundheitsamt Potsdam Corona im Bergmann-Klinikum: Stadt ohne Warnhinweise

Das Potsdamer Gesundheitsamt hält schriftlich fest, dass das Bergmann-Klinikum seiner Meldepflicht nicht ausreichend nachgekommen sei. 

Potsdam - Das Potsdamer Gesundheitsamt beharrt darauf, keine frühen Hinweise auf den Corona-Ausbruch im kommunalen Klinikum „Ernst von Bergmann“ Ende März bekommen zu haben. „Es ist festzustellen, dass die erforderlichen Angaben zur Erfüllung der Meldepflicht in keinem Fall ausreichend waren, um nachvollziehen zu können, ob es sich tatsächlich um begründete Verdachtsfälle handelte“, heißt es in einer nichtöffentlichen Antwort der Stadt auf eine Kleine Anfrage des Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Pete Heuer (SPD), die den PNN vorliegt.

Im Zeitraum von 18. bis 28. März seien aus der Rettungsstelle des Klinikums insgesamt 58 Corona-Verdachtsmeldungen eingegangen. Es sei aber nicht ersichtlich gewesen, ob es sich dabei um Patienten und/oder Mitarbeitende des Krankenhauses gehandelt habe, heißt es in der Antwort. Zu dieser Zeit fungierte das Klinikum auch als Abstrichstelle. Das heißt, bei den Verdachtsfällen hätte es sich demnach auch um Fälle handeln können, die gar nicht direkt mit dem Klinikum in Verbindung standen. „Anhand der vorliegenden Meldungen (...) war es nicht möglich, ein Nosokomiales Ausbruchsgeschehen zu erkennen“, heißt es in der Antwort an Heuer. Unter einer nosokomialen Infektion versteht man eine Infektion, die sich Patienten im Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme zuziehen. 

47 Menschen mit oder an Corona im Klinikum gestorben

Der Verdacht bezüglich eines Vorliegens eines solchen Ausbruchsgeschehens im genannten Zeitraum hätte „ausschließlich von den Verantwortlichen des Klinikums EvB getroffen werden können und wäre durch diese in einer separaten Ausbruchsmeldung“ gemäß Infektionsschutzgesetz zunächst anonymisiert anzuzeigen gewesen, so die Stadt. Insgesamt sind 47 Menschen in dem Krankenhaus mit oder an Corona gestorben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen drei leitende Ärzte und die beurlaubte Geschäftsführung wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Potsdams Gesundheitsbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) geht unterdessen davon aus, dass die Infektionszahlen in den kommenden Wochen durch Urlaubsrückkehrer wieder steigen werden. In der Potsdamer Kita „Kinderland“, wo zunächst ein Corona-Fall aufgetreten war, wurden ein weiteres Kind sowie eine Erzieherin positiv auf das Virus getestet.

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