Der Star der Ausstellung: Der „Nackte Voltaire“, 1766 von Jean-Baptiste Pigalle geschaffen, wurde erstmalig vom Louvre ausgeliehen. In zwölf Themenbereichen widmet sich „Friederisiko“ auf zwei Etagen im Neuen Palais dem Leben des Königs. Vergrößern
Galerie

Startseite Dem König auf die Schliche kommen

4 Fotos

Friederisiko Dem König auf die Schliche kommen

Die „Friederisiko“-Ausstellung im Neuen Palais ist offiziell eröffnet – mit teils spektakulären Exponaten. Ab Samstag ist sie auch für Besucher geöffnet.

Sanssouci - Hartmut Dorgerloh war die Erleichterung anzumerken: „Endlich, endlich ist es soweit“, sagte der Generaldirektor der Schlösserstiftung am Donnerstag vor Hunderten von Pressevertretern im Schlosstheater des Neuen Palais’.

Seit fünf Jahren hat sich die Stiftung auf diesen Tag vorbereitet, auf ihr „anspruchsvollstes und größtes Ausstellungsvorhaben“ in Friedrichs II. „größtem und prächtigstem Schloss“. Auf „Friederisiko“, die Jubiläumsausstellung zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs. Friedrichs Hang zum Risiko war es bekanntlich, die die Stiftung zum Namen für die Schau inspirierte. Ein „Leitmotiv“, wie Dorgerloh es beschrieb.

Das Neue Palais steht bei der Ausstellung ebenso im Mittelpunkt wie der König selbst. 6000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gibt es, 72 Räume stehen den Besuchern offen, rund ein Drittel davon zum ersten Mal überhaupt oder seit vielen Jahren wieder. „Was Sie hier sehen werden, wird es nur einmal geben und zu unseren Lebzeiten sicher nicht wieder“, sagte Jürgen Luh, wissenschaftlicher Leiter der Schau. „Es ist eine Ausstellung, die man gesehen haben sollte.“

In der Tat sind unter den rund 480 „Friederisiko“-Exponaten echte Perlen. Der „Nackte Voltaire“ etwa, erstmalig vom Pariser Louvre ausgeliehen. Die Marmorskulptur von Jean-Baptiste Pigalle ist auch für „Friederisiko“-Kurator Alfred Hagemann „in vielerlei Hinsicht ein Höhepunkt“ der Ausstellung. Im 18. Jahrhundert habe das Porträt eines „nackten, dürren, alten Mannes“ für einen handfesten Skandal gesorgt, schilderte Hagemann. Eigentlich als Denkmal für den großen Philosophen gedacht, sei die Figur bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts „etwas verschämt in der Académie francaise versteckt“ worden, bevor sie schließlich ihre gebührende Würdigung im Louvre erfuhr.

In zwölf Themenbereiche gliedert sich die Schau: Im Erdgeschoss widmet sich ein Komplex Friedrichs Verhältnis zu seinen Freunden, ein weiterer heißt „Risiko und Ruhm“ und beleuchtet den Siebenjährigen Krieg sowie seine Auswirkungen. Der Bereich „Horizonte“ legt den Fokus auf Friedrichs Gedankenwelt und sein Selbstverständnis – anhand von versteckten Hinweisen, die er im Neuen Palais hinterlassen hat. „Wir können hier dem König auf die Schliche kommen“, sagte Luh. Im erstmals seit Jahrzehnten wieder vollständig geöffneten Unteren Fürstenquartier, der Wohnung für des Königs adlige Gäste, nimmt sich die Schau der dynastischen Politik Friedrichs II. an, der seine Nichten und Neffen gern in ausländische Monarchien einheiraten ließ, um sich außenpolitisch abzusichern.

Dem Menschen Friedrich kommt man wohl am nächsten in seinen Gemächern, der Königswohnung. Im Segment „Tagesgeschäft“ ist etwa das frisch restaurierte Lesezimmer des Monarchen zu sehen. Welchen Launen sich seine Angestellten beugen mussten, zeigt ein Speiseplan Friedrichs vom 1. August 1786, nur gut zwei Wochen vor seinem Tod. Die vom Koch vorgeschlagene Menüfolge warf der König praktisch komplett um: So wünschte er Flusskrebs-Suppe statt einer mit weißen Bohnen und Gemüse, er aß lieber Schinken „mit Sauerampfer, mit viel Sauerampfer“ anstelle von Rindfleisch „Restaurant“, er wünschte Zanderfilet aus dem Ofen statt „Béchamelsauce vom Geflügel mit gebratenem Ragout“. Und dass es Friedrich II. für leckeres Naschwerk gern mal krachen ließ, beweist ein Blick in seine Schatullrechnungen: 28 Taler sind da etwa notiert – für 28 Kirschen, bestellt und verspeist im Januar 1773. Nach heutigem Wert sind das fast 2000 Euro.

Wenn die Ausstellung am 31. Oktober endet, soll möglichst ein neues Friedrich-Bild in den Köpfen entstanden sein, hofft Jürgen Luh. Mehrere wissenschaftliche Tagungen zur Vorbereitung der Schau und das erneute Studium von Akten in den großen Berliner Archiven hätten bereits gezeigt, dass im Gegensatz zur landläufigen Meinung noch längst nicht alles zu Friedrich II. gesagt oder geschrieben worden sei, so Luh.

Den zum Teil unbezahlbaren Leihgaben aus aller Welt kommt der Besucher auf dem 1,5 Kilometer langen Laufsteg durch das Schloss erstaunlich nah. Die Schau sei bewusst für „mündige Besucher“ so konzipiert, sagte Dorgerloh den PNN. Für die Sicherheit sorgen im Übrigen 65 Aufsichten – praktisch in jedem Raum eine.

Zur Startseite