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Film in Potsdam Ein Stück Lummerland für alle

Die Kulisse von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist bei der Filmtour in Babelsberg zu sehen. Am 29. März startet der Filmpark in die neue Saison und der Film im Kino.

Babelsberg - Es sind ganze Welten, die entstehen, wenn in den Filmstudios in Babelsberg aufwendige Kulissen gebaut werden. Aber ihr Ende kommt in der Regel schnell. Mit dem nächsten Dreh muss das konstruierte Filmuniversum wieder für ein neues Szenenbild weichen. Nicht ganz so dramatisch ist es bei dem Film „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Das in Babelsberg entstandene Lummerland bleibt als Teil der Tour durch den Filmpark erhalten. Passend zum Filmstart der ersten Realverfilmung von Michael Endes Kinderbuchklassiker beginnt am 29. März die Touren-Saison.

Hinter der Felswand des hügeligen Lummerlands fällt der Blick auf die Lokomotive Emma, die nach der Filmpremiere in Berlin inzwischen wieder in Babelsberg eingetroffen ist, sowie auf den kleinen Bahnhof mit seinem Ziegeldach. Dahinter ist der beschauliche Laden von Frau Waas zu sehen. Wie im Film ist das Innere liebevoll gestaltet. In den Regalen stehen diverse Einweckgläser sowie Flaschen, auf der Theke Kekse und Kuchen unter einer Glasglocke. Auch der Tunnel, durch den die Dampflok während der Tour über die Insel munter fährt, befindet sich in nächster Nähe. Ein ganzes detailliert gestaltetes Areal ist entstanden. „Vorher war hier nur Wiese“, sagt Kulissenbauer Uwe Schaer, der mit einer Mannschaft aus etwa 80 Mitarbeitern - darunter Bildhauer, Stuckateure, Maler, Dachdecker und Schlosser - die komplette Kulisse für die Jim-Knopf-Verfilmung gebaut hat.

Styropor und Gips

Wer durch das Lummerland spaziert, wird irgendwann merken, dass nicht alles das ist, was es vorgibt zu sein. Ein bisschen verblüfft es, wenn ein Stein nicht den Halt gibt, den er verspricht, wenn man sich dagegenlehnt. Die ganze Kulisse wirkt täuschend echt. Die Steine aber seien aus Styropor, erklärt Schaer. Überhaupt bestehe ein Großteil des Lummerlands aus Styropor und Gips, sagt der Art-Department-Projektleiter des Babelsberger Filmstudios. Zumindest für den Boden seien aber auch ein paar Natursteine verwendet worden.

Eine besondere Herausforderung sei der Bau der Lokomotive Emma gewesen, die es in vierfacher Ausfertigung gibt, erzählt Schaer. Für das Lummerland brauchte die Filmcrew eine Emma, die auf Schienen fährt, für die Szenen auf dem Meer eine schwimmende Emma, eine als Drachen verkleidete Emma sowie eine Emma für den Dreh in Südafrika. Bei einer Schienenbaufirma seien außerdem Schienen für das Lummerland bestellt worden, berichtet der Projektleiter. Insgesamt etwa acht Wochen hätte der Bau der Kulissen gedauert.

Frau Mahlzahn in der Marlene-Dietrich-Halle

Neben dem Lummerland hat Schaer in der Marlene-Dietrich-Halle auch die Kulisse für das höhlenartige Klassenzimmer von Drache Frau Mahlzahn gebaut sowie den Eingangsbereich und den Thronsaal des Kaiserpalastes im asiatischen Kaiserreich Mandala und das Gefängnis von Frau Mahlzahn, das die Form eines chinesischen Pavillons hat. Trotz aufwendiger Kulisse: „Das meiste zeigen wir nur ausschnittsweise“, sagt Schaer. Für die digitale Erweiterung der Filmwelt sei vor einer grünen Wand weitergedreht worden.

Von all den Kulissen habe ihm der Bau des Lummerlands am meisten Spaß gemacht, sagt der Kulissenbauer. „Da das Wetter einfach toll war“, erzählt er. Eben ganz wie im Film. Weniger filmreif sei das Wetter allerdings beim Dreh selbst gewesen. Da grauer Himmel und Regen nicht so richtig zu der idyllischen Szenerie von Lummerland passen, hätte die Filmcrew beim Dreh mit viel Licht gearbeitet, um es später auf der Leinwand sonnig erscheinen zu lassen, erzählt Schaer, der seit 1977 in den Studios in Babelsberg als Kulissenbauer im Einsatz ist.

Filmkulissen sind kurzlebig

Bevor es aber überhaupt an die konkrete Umsetzung ging, musste ein genauer Plan erstellt werden. Filmproduzent Christian Becker, Regisseur Dennis Gansel und Szenenbildner Matthias Müsse haben Ideen entwickelt, wie das Lummerland aussehen könnte. Dann fertigte der Szenenbildner erste Entwürfe an und wendete sich damit an Uwe Schaer. „Wir erstellen so eine Kalkulation“, sagt der Kulissenbauer. Dann werden laut Schaer aus den Entwürfen Bauzeichnungen sowie eine Modellversion angefertigt, Materialien und Lieferanten ausgesucht und Pläne für die Konstruktion gemacht. „Es ist ein langer Prozess“, sagt er.

Prinzipiell sei fast alles umsetzbar, weiß Schaer aus jahrelanger Erfahrung. Durch das Budget würden dem Ganzen aber oftmals Grenzen gesetzt. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb die Felsen im Lummerland letztlich zwei Meter kürzer geworden sind als ursprünglich geplant.

Während das Lummerland noch erhalten bleibt, sind alle Jim-Knopf-Kulissen aus der Marlene-Dietrich-Halle bereits wieder verschwunden. Für Uwe Schaer gehört das zum Metier dazu. „Man sieht die Arbeit, die da weggebaut wird“, sagt er zwar. Aber dass es nicht für die Zukunft sei, wisse er ja vorher, fügt er hinzu. Er konzentriere sich jetzt aufs nächste Projekt.

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Lummerland gibt es auch Filmmuseum Potsdam

Wer Jim Knopf mag, sollte auch im Foyer des Filmmuseums Potsdam vorbeischauen: Dort sind ab dem 29. März die Kostüme von Jim Knopf, die Darsteller Solomon Gordon getragen hat, des „Kaisers von China“ sowie das Modell der Lokomotive Emma zu sehen. Ausgestellt werden außerdem das Drehbuch von Dirk Ahner, Sebastian Niemann und Andrew Birkin sowie Setzeichnungen. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Mai. Das Museum veranstaltet am 14. April außerdem eine Filmvorführung für Kinder. Zu den Gästen zählen Produzent Christian Becker sowie Szenenbildner Matthias Müsse. Beginn ist um 15 Uhr. mat

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