Umstritten. Max Klaar bei der Übergabe von Glocken für die Nikolaikirche. Foto: Klaer
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Esselbach verteidigt Klaar-Spenden Ex-Aktionsbündnischef befürwortet Annahme

Yvonne Jennerjahn

Die Spendengelder der umstrittenen Stiftung Preußisches Kulturerbe für Kirchensanierungen sorgen in der evangelischen Kirche weiter für Diskussionen. Die Annahme der Gelder davon abhängig zu machen, wie der Stiftungsvorsitzende Max Klaar sich zur deutschen Vergangenheit äußere, „finde ich sehr merkwürdig“, schreibt der frühere Generalsuperintendent von Eberswalde und ehemalige Vorsitzende des brandenburgischen Aktionsbündnisses gegen Rechtsextremismus, Leopold Esselbach, in der Berliner Wochenzeitung „Die Kirche“.

Die umstrittenen Spendengelder stammten nicht von dem früheren Bundeswehroffizier und einstigen Förderer des geplanten Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche, „sondern von vielen Spendern, die zum kirchlichen Wiederaufbau in Potsdam beitragen wollten“, schreibt Esselbach. Er sehe deshalb keinen Grund, bereits von der Stiftung vergebene Gelder zurückzugeben. In Potsdam haben unter anderem die evangelische Nikolaikirche rund 1,8 Millionen Euro und die Bornimer Kirche rund 700 000 Euro von der Stiftung Preußisches Kulturerbe bekommen.

Max Klaar, der wiederholt mit mit rechtsnationalen und revisionistischen Äußerungen auffällt, sei nur Vorsitzender der Stiftung, schreibt der Theologe weiter: „Das Geld gehört nicht ihm.“ Die Kritiker könnten zudem nicht darlegen, wie beispielsweise die Bornimer Kirche ohne die Zuwendung der Stiftung saniert werden könne. Klaar hatte sich wegen des kirchlichen Konzepts für Friedens- und Versöhnungsarbeit in der Garnisonkirche aus dem Bauvorhaben zurückgezogen und verteilt derzeit die einst für die Garnisonkirche gesammelten Spenden der Stiftung Preußisches Kulturerbe an andere Projekte.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte sich im Juni deutlich von Max Klaar und seiner Stiftung distanziert. „Die Evangelische Kirche lehnt die politischen Positionen und historischen Einschätzungen des Geschäftsführers der Stiftung Preußisches Kulturerbe, Max Klaar, strikt ab“, heißt es in der Erklärung vom 21. Juni. Die Landeskirche distanziere sich „von jeder relativierenden Äußerung zur deutschen Kriegsschuld“. „Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung“, heißt es weiter. Die Landeskirche rate den Gemeinden, angesichts der jetzt deutlich gewordenen Missverständnisse keine weiteren Geldmittel bei der Stiftung zu beantragen oder anzunehmen. Wo bereits Mittel eingeplant seien, „sollten die Gemeinden deutlich machen, dass sie die inhaltlichen Positionen des Geschäftsführers strikt ablehnen“. Die evangelischen Gemeinden müssen sich nicht daran halten. Die Weisung des katholischen Bistums Berlin, kein Geld der Klaar-Stiftung anzunehmen, ist dagegen bindend.

Klaar ist wegen seiner Ansichten zur deutschen Geschichte umstritten. Den 8. Mai 1945 hatte er als Tag bezeichnet, an dem „die Ausschlachtung des völlig entrechteten Deutschlands“ begonnen habe. Es sei „pervers, das als Befreiung zu bezeichnen“. Zudem stellt er den Angriff des Dritten Reiches auf Polen 1939 infrage. Auch das Präsidium des brandenburgischen Landtags hat sich von der Stiftung distanziert und ihr eine fehlende Identifikation mit den Werten des Grundgesetzes vorgeworfen. Yvonne Jennerjahn

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