Das Kiezbad wurde zuletzt umfassend erneuert. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Energiesparendes Planschen Kiezbad Am Stern wieder geöffnet

Viele warten bereits gespannt: Nach zweijähriger Sanierung an Bausubstanz und Technik und mit einjähriger Verspätung hat das Bad am Montag wieder seine Pforten geöffnet.

Potsdam - Viele Badefreunde können es kaum erwarten: Immer wieder bleiben einzelne Passant:innen vor dem Kiezbad Am Stern stehen und schauen voller Vorfreude durch die Scheiben der frisch sanierten Schwimmhalle. „Am Montag machen wir auf!“, sagt Ramona Löser-Fimmel von den Potsdamer Stadtwerken (SWP) zu einer älteren Dame, die vor dem Eingang steht.

Wer die Schwimmhalle am 7. Februar betritt, dem wird sofort die neue Farbgebung auffallen: Waren die vorherrschenden Farben früher hellgrau und blau, überraschen die Wände nun mit holzbraunen und roten Fliesen, die vormals grauen Baffeln an der Hallendecke sind nun zum Teil türkis. „Alle Schwimm- und Saunafans können sich auf eine frisch sanierte und in neuem Glanz erstrahlende Schwimmhalle Am Stern freuen“, sagt Ute Sello, Geschäftsführerin der Bäderlandschaft Potsdam (BLP), einer Stadtwerke-Tochter.

Drei Babyduschen und ein Haifischschwanz

Kinder dürften sich vor allem für die Schlange und den Haifischschwanz am Nichtschwimmerbecken begeistern, die über verschiedene Düsen Wasser verspritzen können. Neu sind auch die drei Babyduschen sowie die zwei geschlossenen Duschkabinen im neugestalteten Sanitärbereich, in dem man auch geschützt vor den Blicken anderer duschen kann. Menschen mit Behinderungen, die sonst nur durch den Treppeneinstieg ins große Becken gelangen konnten, können dank des mobilen Behinderten-Lifters nun an allen Stellen des Beckens ins Wasser.

Ute Sello. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Ute Sello. © Ottmar Winter

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Seit März 2020 war das Kiezbad am Stern wegen umfassender Sanierungen geschlossen, fast zwei Jahre lang. Eigentlich sollte es schon vor einem Jahr wieder aufmachen, doch im Zuge der Sanierungsmaßnahmen traten zahlreiche Schäden an dem Gebäude zu Tage, das 1989 errichtet wurde. „Der Aufwand war deutlich größer, als Voruntersuchungen erwarten ließen“, sagt Löser-Fimmel. Aber die Wartezeit habe sich definitiv gelohnt, da nun für viele Jahre eine Weiternutzung der Bausubstanz sichergestellt sei. Zudem wurden diverse Pumpensysteme der Badewassertechnik durch neue, energieeffizientere Anlagen ersetzt.

Schwimmhallenleiter Hans Behrendt freut sich bereits auf die Rückkehr von Gästen. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Schwimmhallenleiter Hans Behrendt freut sich bereits auf die Rückkehr von Gästen. © Ottmar Winter

„Hier sah es aus wie in einem Rohbau“

Eigentlicher Anlass für die Sanierung waren die Beckenfliesen gewesen, von denen sich in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne Kacheln gelöst hatten. „Es ist unklar, ob das am Beton oder an den alten Abdichtungen lag“, sagt Sello. Sämtliche Fliesen inner- und außerhalb der zwei Beckens wurden entfernt, ebenso alle Aufbauten. „Hier sah es aus wie in einem Rohbau“, sagt Sello. Es stellte sich heraus, dass auch der Beton der Becken punktuell erneuert werden musste: Hatte man bei der BLP zuerst nur mit Betonrissen mit einer Gesamtlänge von 300 Metern gerechnet, waren es am Ende 2000 Meter.

Das Kiezbad Am Stern in Potsdam wird nach zweijähriger Sanierung am Montag wieder geöffnet. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Das Kiezbad Am Stern in Potsdam wird nach zweijähriger Sanierung am Montag wieder geöffnet. © Andreas Klaer

Um an die Außenwand des Beckens heranzukommen, wurde fast sämtliche Technik aus dem Keller geräumt. Dies war schon allein deshalb nötig, damit die zahlreichen Geräte zur Wasseraufbereitung vor dem Betonstaub geschützt waren, der durch das Arbeiten an der Beckenwand aufgewirbelt wurde. Auch die Bodenfliesen in den Duschen waren undicht, bei den Arbeiten stellte sich zudem heraus, dass auch die Abflussrohre erneuert werden mussten. Unterhalb aller Boden- und Beckenfliesen wurde ein Abdichtungssystem mit sieben Schichten aufgebracht, das eine dauerhafte Dichtigkeit garantieren soll.

Viele Neuerungen sind für die Gäste unsichtbar

Besucher:innen dürfte auch auffallen, dass beide Becken nun über zwei Abflussrinnen verfügen: Die innere für das Beckenwasser, die äußere für Putzwasser, wenn der Boden gewischt wird. Dies spart erhebliche Betriebskosten, da auf diese Weise die Badewasseranlage bei der Reinigung entlastet wird.

Viele Neuerungen sind für die Gäste unsichtbar, etwa die Warmwasserstation: Vor der Sanierung arbeitete das Kiezbad mit großen Speichern, in denen warmes Wasser erzeugt und gespeichert wurde. Diese wurden abgeschafft, da sich in ihnen potenziell Keime bilden konnten. Jetzt wird benötigtes Wasser je nach Verbrauch erwärmt, ähnlich wie mit einem Durchlauferhitzer. Dies spart Energie und erhöht die Hygiene. Neben dem Chlor, das für die Abtötung von Keimen sorgt, gibt es nun auch noch eine Anlage, die das Wasser durch ultraviolette Strahlung desinfiziert. Diese erkennt Schwankungen in der Wasserqualität automatisch und steuert dementsprechend gegen, so Sello.

In der 1989 eröffneten Schwimmhalle wurden unter anderem das große Becken erneuert.  Foto: Andreas Klaer Vergrößern
In der 1989 eröffneten Schwimmhalle wurden unter anderem das große Becken erneuert.  © Andreas Klaer

Glas-Fensterfronten aus DDR-Zeiten wurden ersetzt

Im Wasserkreislauf des Nichtschwimmerbeckens kommt ein neuartiges Filtermaterial zum Einsatz, das den Energie- und Wasserbedarf verringert. Die Glas-Fensterfronten, die noch aus DDR-Zeiten stammen, wurden durch eine dreifache Isolierverglasung ersetzt, dank der das Gebäude weniger Wärme verliert.

All diese Neuerungen führen dazu, dass jährlich insgesamt 29.000 Kilowattstunden Wärmeenergie und voraussichtlich 63.500 Kilowattstunden Strom eingespart werden sowie Emissionen in Höhe von 38 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden sollen. Und das Kiezbad soll noch umweltverträglicher werden: Im Frühjahr ist die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach geplant. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Kiezbad-Sanierung auf 4,9 Millionen Euro, allerdings erhält das Projekt durch die EU, das Land und den Bund 285.000 Euro Fördermittel.
 

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