Pete Heuer (SPD), der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung. Foto: Andreas Klaer
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Debatte um Biosphäre Heuer forciert das Aus für die Potsdamer Tropenhalle

Der einflussreiche SPD-Stadtverordnete präzisiert seine Forderungen für ein Stadtteilzentrum in der Biosphäre. Mängel darin sorgen für Zusatzkosten.

Potsdam - Eine mäßig temperierte Kaltlufthalle statt der warmen Tropenhalle: Der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Pete Heuer (SPD) hat seine Vorstellungen zum Umbau der Biosphäre zu einem Stadtteilzentrum für das Bornstedter Feld präzisiert. Dazu hat Heuer an die Verwaltung und die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung eine ausführliche E-Mail gesendet, die den PNN vorliegt. Bislang lehnt das Rathaus seine Vorstellungen ab.

Heuer: "Betriebskosten minimieren"

Sein Ziel sei es, „die Investitionskosten und die Betriebskosten zu minimieren“, schreibt Heuer, „und ein attraktives Zentrum für die Stadtteilarbeit, eine Gastronomie sowie ein zweckmäßiges Sport- und Freizeitangebot für die Potsdamerinnen und Potsdamer insbesondere im Norden der Stadt zu schaffen“. Bisher muss das Rathaus jährlich mehr als 1,6 Millionen Euro pro Jahr für die defizitäre Tropenhalle aufwenden.

Bestätigt sieht sich Heuer von ersten Vorstudien des Architektenbüros Winkens zu einer „bei Normaltemperaturen“ betriebenen Biosphäre, die wie berichtet zuletzt im Bauausschuss präsentiert wurden. Dort wurde sogar eine Variante vorgestellt, die die Halle ganz ohne Heizung vorsieht. So weit geht Heuer nicht. In der nun von ihm favorisierten Variante wird ein Teil der Biosphäre zum Stadtteiltreff samt Restaurant entwickelt. Damit, so argumentiert er, werde das am neuen Gymnasium am Standort Reiherweg/ Pappelallee vorgesehene Stadtteilzentrum obsolet. Es erhalte stattdessen mit der Biosphäre einen zentraleren Standort. 

Teil der Halle an privaten Betreiber abgeben

Den anderen Teil der Halle will Heuer an einen privaten Betreiber geben, der zusammen mit der kommunalen Bauholding Pro Potsdam entscheiden soll, welche sportlichen und Freizeitaktivitäten und Angebote für Kinder und Familien es dort geben könnte, seien es ein Fitnessclub oder eine Sauna. Der bisherige Eventbereich würde entfallen, dieser verursacht aus Heuer Sicht zu hohe Kosten – schon wegen höherer Heizkosten. Der Vorteil seiner Variante laut Heuer: Das private Betreibermodell sichere den für die Stadt kostenneutralen Betrieb des Sport- und Freizeitbereiches. Bisher waren Ausschreibungen für einen neuen privaten Betreiber der jetzigen Tropenhalle erfolglos geblieben.

Charakteristisch. Die Tropenhalle Biosphäre am Volkspark. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Charakteristisch. Die Tropenhalle Biosphäre am Volkspark. © Andreas Klaer

Zugleich ist unklar, was der Umbau nach Variante Heuer und eine neue Nutzung der Halle ohne höhere Eintrittsgelder die Stadt kosten würde. Das wird gerade im Auftrag des Rathauses geprüft. Heuer forderte in seiner E-Mail, dabei auch zu berücksichtigen, dass mit der Biosphäre der Stadtteiltreff an der Pappelallee nicht mehr nötig sei und zudem Kosten für bisher fehlende Sportangebote im Potsdamer Norden nicht zusätzlich entstünden. Noch vor der Sommerpause soll die Kostenschätzung vorliegen.

Bisher sollte es eine Biosphäre 2.0 sein

Bisher hat die Stadtspitze einen Umbau der Tropenhalle zu einer Biosphäre 2.0 favorisiert. Der Bau soll als Klimabildungsstätte genutzt werden und Touristen anziehen. Zugleich soll sich die Tropenhalle mehr für die Anwohner öffnen, angestrebt ist eine gemeinsame Betreibergesellschaft mit dem Volkspark. Bisher sind knapp 20 Millionen Euro für den Umbau vorgesehen, ohne dass dabei die derzeit stark steigenden Baukosten berücksichtigt sind. Wegen der hohen Kosten hatten sich einige Stadtpolitiker wie Heuer skeptisch gezeigt, ob dieser Plan tatsächlich sinnvoll ist und ob es nicht eine kostengünstigere Alternative geben könnte.

Die Orangerie der Potsdamer Biosphäre Foto: A. Klaer Vergrößern
Die Orangerie der Potsdamer Biosphäre © A. Klaer

Wie berichtet wird noch in diesem Jahr eine Entscheidung zur Zukunft der Halle erwartet – auch vor dem Hintergrund, dass das von der kommunalen Bauholding Pro Potsdam betriebene Gebäude an vielen Stellen sanierungsbedürftig ist. Details dazu hatte zuletzt die „Märkische Allgemeine Zeitung“ veröffentlicht. Ein Sprecher der Pro Potsdam sagte auf Anfrage, die Anlagen der Haustechnik seien teils über 20 Jahre alt „und damit in ihrem Produktlebenszyklus an einem fortgeschrittenen Punkt“. Ersatzteile würden teils nicht mehr produziert und Dienstleister die Wartung bestimmter Anlagen einstellen, was die Instandhaltung erschwere. Beispielsweise gibt es eine mittlere dreistellige Zahl von Motoren an den Fenstern der Glasfassade, die zum Öffnen dienen. Davon seien aktuell 30 defekt, hieß es.

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Baumängel sorgen für Geruchsbelästigung

Allerdings bestünden keine gefährdenden Mängel – es sei aber davon auszugehen, dass bei einem fortlaufenden Betrieb der Biosphäre in der jetzigen Form jährlich etwa 200.000 Euro zusätzlich für Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen aufgewendet werden müssten, rechnete der Pro Potsdam-Sprecher vor. 

Zugleich machten manche Baumängel dauerhafte Probleme. So sind im Abwasserbereich zu kleine Rohre mit einem zu geringem Gefälle für die rund 170.000 Besucher jährlich installiert worden. Das führe zu einer dauerhaften Geruchsbelästigung im Mitarbeiterbereich, bestätigte der Pro Potsdam-Sprecher. Ebenso sorge Kondenswasser an diversen Leitungen für deren Korrosion: „Das Tragwerk wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt.“

Für die zur Bundesgartenschau vor 20 Jahren eröffnete Tropenhalle wird seit langem eine Nachnutzung gesucht. Der Bund der Steuerzahler hatte die Halle mehrfach als Beispiel für Geldverschwendung der öffentlichen Hand gegeißelt.

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