Über die alten Kabelfernsehanschlüsse bietet Vodafone ab Donnerstag in Potsdam eine Gigabit-schnelle Internetverbindung an. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Breitbandausbau Potsdam zwischen Gigacity und Anschlussnot

Potsdam ist in puncto Internetverbindung gut aufgestellt. An einigen Stellen hakt es aber noch.

Potsdam - Die Landeshauptstadt Potsdam soll Deutschlands erste Gigabit-Stadt werden. Mit neuen Anschlüssen sollen nach Angaben des Kabelnetzanbieters Vodafone Internetverbindungen mit einer Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde möglich sein. Das entspräche dem vierfachen der bisher schnellsten Übertragungsraten der Glasfaserverbindungen. 50.000 Haushalte sollen in Potsdam ab Donnerstag auf diese starke Leitung zugreifen können – nach Einstiegsangeboten allerdings für bis zu 70 Euro. Bis 2021 sollen in Brandenburg sukzessive weitere 280.000 Haushalte über den Gigakabelzugang verfügen.

Zehn Millionen Euro in Brandenburg investiert

Zehn Millionen Euro investiert der Anbieter Vodafone in Brandenburg. Mehrere Hundert Millionen koste der geplante Ausbau in Deutschland, sagte Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Vodafone Deutschland bei einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstag. Man könne dabei die alten Kabelfernsehzugänge nutzen, um die Datenübertragung zu ermöglichen. Bis 2022 wolle Vodafone das schnelle Netz für 25 Millionen deutsche Haushalte anbieten.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) besuchte den Pressetermin zum Startschuss für Potsdam als „Gigacity“, obwohl sich das Land nicht an dem Ausbau beteiligt. „Politiker kritisieren meist, dass der Internetausbau nicht schnell genug geht. Dass jetzt ein Unternehmen den Ausbau in einem eigenen Projekt vorantreibt, finde ich vorbildlich“, erklärte er.

Das besondere an den neuen Anschlüssen sei, dass ihre Geschwindigkeit in Zukunft auf bis zu zehn Gigabit pro Sekunde erhöht werden könne, so Vodafone-Sprecher Thorsten Höpken. Die bisherigen DSL-Zugänge hätten mit 250 Mbit, also 0,25 Gigabit, ihre maximale Leistungsstärke erreicht. Geschwindigkeiten im Zehnfachen-Gigabit-Bereich seien für die meisten Haushalte bisher wohl nicht nötig, gab Höpke auf Anfrage zu. Aber die Gesellschaft entwickele sich – „bei Bedarf können wir die Leistungssteigerung dann ohne Probleme zur Verfügung stellen.“

Vor allem Ballungszentren profitieren vom Gigakabelausbau

Vom Gigakabel-Ausbau in Potsdam profitieren vor allem die Ballungszentren Nördliche Innenstadt, Nauener Vorstadt, Jägervorstadt, Brandenburger Vorstadt, Potsdam-West, Südliche Innenstadt, Teltower Vorstadt, Templiner Vorstadt und Babelsberg. Aber auch in Ortsteilen wie beispielsweise dem Bornstedter Feld, der Waldstadt oder Klein Glienicke ist der schnelle Zugang ab Donnerstag buchbar. Dort gebe es aber nur wenige Hundert Kabel-Haushalte, zum Teil auch weniger, für die der Zugang möglich werde.

Vorerst scheint es für die Potsdamer in Gebieten wie Bornim, Neu-Fahrland, Fahrland oder Grube weiterhin schwierig zu bleiben. Laut dem Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur müssen hier einige Bewohner noch auf Leitungen unter 30 Mbit zurückgreifen. Insgesamt ist die Stadt demnach aber bereits seit 2016 vergleichsweise gut aufgestellt: 95 Prozent der Potsdamer Haushalte können auf eine Leitung mit einer Übertragungsrate von 50 Mbit pro Sekunde zugreifen – mehr als in Berlin, Brandenburg oder Werder (Havel).

Auch der Bedarfskompass für Unternehmen, den die IHK Potsdam betreibt, macht deutlich: In Potsdamer Ballungszentren fehlt es den Unternehmen nicht an Zugängen. In den Randbereichen kommt es aber immer wieder zu Anfragen. „Ein stabiler Internetzugang ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt IHK-Referent für Technologie und Innovation, Marco Albrecht. Vor allem Unternehmen im digitalen Bereich würden gerne die Verbindungen mehrerer Anbieter nutzen. „Falls etwa der Router der Telekom ausfällt. Dann kann man auf die zweite Verbindung mit einem Kabelanbieter zurückgreifen.“ So erklärt Albrecht, dass nicht nur der Ausbau gefragt ist, sondern auch Nachfrage nach Konkurrenz auf dem Markt bestehe.

Langsamer Internetanschluss für Potsdams Schulen

Gerade bei Potsdams Schulen hatte sich gezeigt, dass einige von ihnen nur mit langsamem Internetanschluss surfen. Die Stadtverordneten hatten Anfang Mai wie berichtet auf Antrag von SPD und CDU/ANW beschlossen, dass alle neuen Schulstandorte künftig mit einem ausreichenden Breitbandanschluss ausgerüstet werden sollen. Auch werden die Kosten für eine Nachrüstung ermittelt.

Zum Stand des Breitbandausbaus konnte die Stadt auf PNN-Anfrage am Dienstag nichts sagen. Dem weiteren Ausbau wird sich wohl der neue Fachbereichsleiter E-Government der Stadt Potsdam, Thomas Morgenstern-Jehia, kümmern müssen, der seinen Posten Ende des Sommers antreten soll.

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