Schüler konnten sich auf der Messe "parentum" in Potsdam über Ausbildungsberufe informieren. Foto: Peter Raddatz
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Ausbildungsmesse "parentum" in Potsdam Jugendliche haben hohe Ansprüche an künftige Arbeitgeber

Andrea Lütkewitz
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Die Ausbildungsmesse „parentum“ in Potsdam soll Schulabgänger und Ausbildungsstätten zusammenbringen. Der Besucherandrang war groß.

Potsdam - Cyberkriminalität auf die Schliche kommen, das hört sich spannend an für den 14-jährigen Yannick. „Verbrechen im Internet zu bekämpfen, das wird ja immer wichtiger heutzutage“, sagt er. Zwar hat er noch ein paar Schuljahre vor sich, doch schon jetzt kann er sich gut vorstellen, einmal auf diesem Gebiet zu arbeiten. Um sich darüber zu informieren, wie eine Laufbahn bei der Polizei aussehen könnte, ist er am Samstag mit seinem Vater zur „parentum“-Messe, einem Eltern- und Schülertag für die Berufswahl, ins Oberstufenzentrum I in der Jägerallee gekommen. Organisiert vom Institut für Talententwicklung (IfT), haben hier Eltern mit ihren Kindern die Möglichkeit, sich bei regionalen und überregionalen Unternehmen, Einrichtungen, Hochschulen und Behörden über mögliche Karrierechancen zu informieren. 

50 Aussteller werben um Jugendliche

Zum sechsten Mal findet die Messe statt, in diesem Jahr mit 50 Ausstellern, darunter die Deutsche Bahn, die Landesärztekammer, die Bundeswehr oder die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Zusätzlich zu den Infoständen gibt es zahlreiche Vorträge, sowohl ganz allgemein zum Thema Bewerbung und Berufsfindung als auch vertiefende Einblicke in Berufe von den Ausbildungsstätten selbst. Der Andrang ist groß, bis zum Abend kommen laut IfT rund 1500 Besucher.

Yannick, der ein Auge auf die Polizei geworfen hat, weiß auch schon, was ihm später einmal wichtig ist. „Sicherheit“, sagt er, und zudem ein gutes Gehalt und Karrieremöglichkeiten. Und ja, Spaß sollte es natürlich auch machen und nicht langweilig werden. „Trocken und warm soll es sein“, fügt Yannicks Vater augenzwinkernd hinzu. „Heutzutage haben jungen Leute sehr konkrete Vorstellungen davon, was ihr Arbeitgeber ihnen bieten soll“, sagt Uta Bendixen vom Axel-Springer-Verlag, der unter anderem in der Mediengestaltung und in kaufmännischen Medienberufen ausbildet. Die Ansprüche seien recht hoch, sowohl was Gehalt und Urlaub angehe als auch Weiterbildung oder Auslandsaufenthalte. Doch weil der Verlag dies seinen Auszubildenden schon seit Langem biete, könne er sich über mangelndes Interesse auch nicht beklagen: „Allein in diesem Jahr hatten wir 1200 Bewerbungen auf 35 Stellen“, sagt Bendixen.

Bewerbermangel bei handwerkelichen und sozialen Berufen

Anders sehe es allerdings zum Beispiel beim Beruf des Kochs aus, dessen Ausbildung auch beim Springer-Verlag absolviert werden kann. „Hier herrscht auch bei uns Fachkräftemangel“, sagt die Ausbildungsleiterin und spielt damit auf den Bewerbermangel in Deutschland bei den klassischen, vor allem handwerklichen und sozialen Ausbildungsberufen an. Doch überhaupt scheint der Axel-Springer-Verlag neben wenigen anderen wie etwa Mercedes-Benz oder Deutsche Bahn eher die Ausnahme zu sein, wenn es um ausreichend beruflichen Nachwuchs geht, wie auch der Sprecher des IfT, Claudio Freimark, sagt. „Auch viele Behörden haben inzwischen Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, erklärt er. Darunter seien etwa das Finanzamt oder die Landeshauptstadt Potsdam. Letztere sei zum ersten Mal dabei, wie am Infostand zu erfahren ist. Seien vor ein paar Jahren noch um die 300 Bewerbungen auf die ausgeschriebenen Stellen eingegangen, seien es 2017 nur noch 100 und 2018 rund 70 gewesen. Gesucht würden vor allem Verwaltungsfachangestellte und Notfallsanitäter, die bei der Berufsfeuerwehr Potsdam ausgebildet würden. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter sei wiederum Voraussetzung, um Brandmeister zu werden – also Berufsfeuerwehrmann. Diese würden dringend gesucht. In Potsdam seien aktuell etwa 160 Feuerwehrleute beschäftigt, mindestens 20 mehr würden gebraucht.

Viele Aussteller können freie Stellen nach Messe besser besetzen

„Die Messe ist eine gute Chance, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Freimark. Etwa 70 Prozent der Aussteller könnten ihre freien Stellen im Anschluss besser besetzen. Damit sich solche Erfolge einstellen und viele Besucher zur Messe kommen, ist Freimark schon Wochen vorher in Brandenburger Schulen unterwegs, um an Elternabenden Werbung für die „parentum“ zu machen. Seit 2013 wachse das Interesse an der Messe: „Begonnen haben wir mit nur 16 Ausstellern und 200 Besuchern. Dass heute 50 Ausbildungsstätten dabei sind, zeigt den Erfolg.“ Und dass diese sich um die Aufmerksamkeit potenzieller Bewerber bemühen, ist offensichtlich: So begrüßt schon am Eingang ein Rettungswagen Besucher mit Blaulicht, zeigt die Polizei neben eigenen Uniformen Utensilien, die bei Einsätzen zur Geltung kommen, tragen aber auch entgegen jeglicher Klischees etwa einige Berater – oft selbst noch in der Ausbildung – lässige Kleidung oder auch Piercings im Gesicht. Zahlreiche schriftliche Informationen werden hingegen vor allem dankend von den Eltern in die Taschen gesteckt.

Auch Yannick erhält am Stand der Polizei Auskunft über Jobs im Bereich der Bekämpfung von Internetkriminalität. Vielleicht ist das der Beginn einer späteren Karriere. Denn: Für ein Schülerpraktikum im „warmen und trockenen“ Potsdamer Polizeipräsidium kann sich der Junge schon jetzt bewerben.

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