Erster Tag beim Baumblütenfest 2019 in Werder (Havel) Foto: Sebastian Gabsch
© Sebastian Gabsch

Update Werder (Havel) Das Baumblütenfest 2019 im Überblick

Auf dem 140. Baumblütenfest in Werder (Havel) vom 27. April bis zum 5. Mai gibt es einen Mix aus Tradition und Moderne. Ein Überblick über das Programm, Sicherheitshinweise und Anreise.

Werder - Das Baumblütenfest in Werder (Havel) kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1879 gab es die Premiere. Und auch 2019 findet es wieder statt, mittlerweile zum 140. Mal. Die PNN geben einen Überblick über das Fest.

Wann wird gefeiert?

Das 140. Baumblütenfest startet am 27. April und geht bis zum 5. Mai 2019. Allerdings gab es ein Highlight bereits am Vorabend der offiziellen Eröffnung: Beim ausverkauften Blütenball am Freitag, 26. April, stand Howard Carpendale auf der Bühne.

Festumzug am 27. April

Traditionell wird es zur offiziellen Eröffnung am 27. April wieder den Festumzug geben. Insgesamt werden 69 Vereine, Schulen, Kitas und Gewerbetreibende aus der Stadt mit rund 1600 Teilnehmern mitmachen, wie Klaus-Dieter Bartsch, der Vorsitzende vom Stadtsportbund Werder, der die Umzüge jedes Jahr organisiert, bei der Pressekonferenz erklärt. 50 Fahrzeuge und fünf Spielmannzüge werden erwartet. Der Umzug startet gegen 13 Uhr von der Moosfennstraße Ecke Kugelweg in Richtung Marktplatz, wo um 14 Uhr Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) und die neue Baumblütenkönigin Madeleine Reichelt das Fest offiziell eröffnen werden.

70 Bands auf sechs Bühnen

Auf den sechs Bühnen werden in diesem Jahr 70 Bands und Musiker für Stimmung sorgen. Laut und rockig geht es bei der Band „Brenner“ zu. Die fünf Musiker aus Berlin und dem niedersächsischen Gifhorn verbinden ihre Leidenschaft für das Motoradfahren mit der Musik, wie der Sänger Markus Siebert erklärte. Das spiegele sich auch in ihren deutschen Texten wider. „Brenner“ werden am 1. Mai um 20 Uhr auf der Bismarckhöhe zu sehen sein.

Ein Highlight sind außerdem die beiden Auftritte der Schlagerlegende Frank Zander. Am 2. Mai um 20 Uhr wird er auf der Bühne an der Regattastrecke sowie zum Abschluss des Festes am 5. Mai auf der Bismarckhöhe seine größten Hits wie „Hier kommt Kurt“ oder „Oh Susi“ präsentieren.

Stände auf der Werderaner Baumblüte. Foto (Archivbild): Sebastian Gabsch Vergrößern
Stände auf der Werderaner Baumblüte. © Foto (Archivbild): Sebastian Gabsch

Obstbauern setzen auf neue Mehrwegbecher

Die Obstbauern haben sich für das Fest in diesem Jahr etwas Neues ausgedacht. Auf dem Panoramaweg in Werder (Havel) werden sie Mehrwegbecher verkaufen, in denen sich die Gäste den Wein abfüllen lassen können, erklärt Schmidt. 2000 Stück sind bestellt, zwei Euro soll der zum Festjubiläum bedruckte Becher kosten. Da es nicht an allen Ständen fließendes Wasser gibt, können die Becher jedoch nicht überall wiederbefüllt werden. Einige Bauern würden auch biologisch abbaubare Becher verkaufen.

Sportlicher Höhepunkt: der Baumblütenlauf

Am Sonntag, 28. April, geht es sportlich zu. Dann startet der 26. Baumblütenlauf im Stadtwald von Werder, der sportliche Höhepunkt des Festes. Mitmachen können alle Altersklassen ab sechs Jahren. Eine Startgebühr gibt es nicht. Wer teilnehmen möchte, kann sich noch am Starttag ab 9 Uhr anmelden. Das erste Rennen beginnt um 10 Uhr im Elsebruchweg.

71 Händler kommen aus der Region

401 Händler werden zwischen dem Bahnhof und der Insel ihre Waren anbieten. Davon seien 71 Händler aus der Region. Neu seien vegane Angebote sowie Craft-Beer. Der Wein der Obstbauern werde um die 7 Euro pro Literflasche kosten, schätzt Schmidt. Die besten Obstweine in diesem Jahr wurden am 17. April bekannt gegeben.

Mit Bus und Bahn zum Baumblütenfest

Foto (Archivbild): Manfred Thomas Vergrößern
© Foto (Archivbild): Manfred Thomas

Werders Innenstadt ist an den Festwochenenden und dem 1. Mai für Autos gesperrt. Mit Bus und Zug kommt man jedoch gut in die Stadt. Ein Überblick:

RE1 Berlin-Werder: Auf der Linie des RE 1 wird es an den Wochenenden Sonderzüge im Stundentakt geben. Der erste Zusatzzug verlässt den Bahnhof Zoo um 10 Uhr, um 35 Minuten später in Werder anzukommen. Der letzte Sonderzug fährt in Werder (Havel) um 0.26 Uhr ab und fährt ebenfalls bis Lichtenberg. Am 1. Mai gibt es weniger Sonderzüge: Vom Bahnhof Friedrichstraße kommt man um 9.47 Uhr, 11.56 Uhr, 13.43 Uhr und 15.55 Uhr nach Werder. Anschließend gibt es stündlich Zusatzzüge ab Wannsee. Von Werder fährt der letzte Sonderzug um 23.39 Uhr nach Berlin Zoo.

RB 22 von Königswusterhausen: An den Wochenenden und dem 1. Mai fährt die Regionalbahn von Königs Wusterhausen nach 9 Uhr nicht mehr über Golm nach Potsdam, sondern biegt ab Saarmund nach Werder ab. Der erste der stündlich fahrenden Züge verlässt Königs Wusterhausen um 9.03 Uhr und Saarmund um 9.41 Uhr, um Werder (Havel) um 9.52 Uhr zu erreichen. Der letzte Zug zurück startet um 23.06 Uhr.

Busse Werder-Potsdam: Ab 9 Uhr fahren die Busse der Linie 631 nicht mehr zum Werderaner Bahnhof, sondern zur Haltestelle Am Gutshof direkt am Festgelände. Bis 12 Uhr fahren die Busse halbstündlich, danach bis 20.30 Uhr im 20-Minuten-Takt. Der zusätzliche Bus fährt vom Gutshof um 23.30 Uhr ab, danach gibt es samstags sowie am 30. April bis 2.30 Uhr stündliche Fahrten. Die Busse der Linie 580 fahren vom Potsdamer Hauptbahnhof zwischen 13 und 17 Uhr halbstündlich zum Gutshof, in Gegenrichtung gilt der Halbstundentakt von 20.45 bis 22.45 Uhr.

Busse Werder-Glindow-Beelitz: Erstmals gibt es mit der Linie 641 alle zwei Stunden eine Verbindung zwischen dem Beelitzer Lustgarten und dem Werderaner Gutshof. Gemeinsam mit der Linie 633 ergibt sich ein Stundentakt zwischen der Glindower Jägerstraße und dem Festgelände.

Busse Werder-Ferch-Potsdam: Von 9 bis 21 Uhr fahren die Busse alle zwei Stunden von Potsdam über Caputh, Ferch und Petzow zum Werderaner Gutshof und zurück. Um 22 Uhr gibt es eine zusätzliche Rückfahrt nach Ferch und Caputh.

Glasflaschen auf dem Weg zur Baumblüte verboten

Glasflaschen in der Bahn verboten: Jährlich strömen zum Baumblütenfest zahlreiche Menschen in Werder (Havel) aus der Bahn. (Archivbild) Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Glasflaschen in der Bahn verboten: Jährlich strömen zum Baumblütenfest zahlreiche Menschen in Werder (Havel) aus der Bahn. (Archivbild) © Jörg Carstensen/dpa

Zur Anreise empfiehlt sich also die Fahrt mit S-Bahn und Regionalzügen. Aus Sicherheitsgründen dürfen allerdings keine Glasflaschen in die Bahnen auf den Strecken von und nach Werder (Havel) sowie von und nach Potsdam mitgenommen werden. Das ist durch eine sogenannte Allgemeinverfügung der Bundespolizeidirektion Berlin untersagt.

Dieses Verbot gilt für alle Reisenden, die vom 27. bis inklusive 5. Mai 2019, jeweils in der Zeit von 14 bis 02 Uhr nachts folgende Zugverbindungen nutzen:

RE1: Berlin Zoologischer Garten - Werder (Havel) - Brandenburg Hbf

RE 7: Berlin Zoologischer Garten - Bad Belzig

RB 21: Wustermark - Potsdam Hbf - Berlin Zoologischer Garten

RB 22: Werder (Havel) - Potsdam Hbf - Berlin Schönefeld Flughafen

S7: Berlin Zoologischer Garten - Potsdam Hbf

S1: Schöneberg - Berlin-Wannsee

Das Verbot soll Straftaten verhindern und Mitreisende und Polizeibeamte schützen. Wie die Bundespolizei mitteilt, ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Straftaten durch alkoholisierte Mitreisende gekommen. Auf dem Fest selbst gibt es ein Sicherheitskonzept.

Werders neue Baumblütenkönigin

Madeleine Reichelt ist Werders neue Baumblütenkönigin. Kleid und Krone präsentiert sie zum Baumblütenball am 27. April. Foto: Stadt Werder (Havel) Vergrößern
Madeleine Reichelt ist Werders neue Baumblütenkönigin. Kleid und Krone präsentiert sie zum Baumblütenball am 27. April. © Stadt Werder (Havel)

Sie ist mit dem Obstbau aufgewachsen, hat selbst Kirschen auf dem Werderaner Frischemarkt verkauft und will die Stadt nun ein Jahr lang repräsentieren: Madeleine Reichelt ist Werders neue Baumblütenkönigin. Beim Baumblütenumzug am 27. April wird die 27-Jährige im Cabrio durch die Stadt fahren und das Fest anschließend gemeinsam mit der Bürgermeisterin offiziell eröffnen. „Für mich ist es während der Baumblüte immer wieder schön zu sehen, wie die Stadt aufblüht“, sagt die Werderanerin. Diese Freude und Lebendigkeit möchte sie auch in ihrem Amt weitergeben.

Was macht eine Baumblütenkönigin?

Als Baumblütenkönigin wird Madeleine Reichelt die Stadt Werder (Havel) nun etwa zur Grünen Woche in Berlin oder bei Festen in den benachbarten Gemeinden repräsentieren und Obsthöfe sowie viele andere Firmen der Stadt besuchen. Sie hofft, in ihrem Jahr als Königin noch mehr über Werder lernen zu können.

Bewegte Geschichte des Werderaner Baumblütenfestes

Schon früh gut besucht. Zum 30. Baumblütenfest im Jahre 1909 strömten die Besucher bereits zum Werderaner Plantagenplatz. Repro: Sammlung Erhard Schulz Vergrößern
Schon früh gut besucht. Zum 30. Baumblütenfest im Jahre 1909 strömten die Besucher bereits zum Werderaner Plantagenplatz. © Repro: Sammlung Erhard Schulz

Zum 140. Mal findet das Baumblütenfest mittlerweile statt - und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Am 13. März 1879 haben die Mitglieder des Werderaner Obst- und Gartenbauvereines den Entschluss gefasst, den Höhepunkt der Baumblüte in Berliner Zeitungen bekanntzugeben und Sonderzüge aus der Hauptstadt nach Werder fahren zu lassen. „Damit war das Baumblütenfest geboren. Es fanden sich auch elf Obstbauern, die den Berlinern als Fremdenführer ihre Stadt gezeigt haben“, erklärt Werders Ortschronist Baldur Martin. Die Besucherzahlen seien rasant gestiegen: Allein am ersten Festsonntag 1914 kamen 40.000 Besucher. „Auch am 13. April 1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, waren 27.000 Menschen in der Stadt“, so Martin.

Die Ankunft eines Extra-Zuges am Werderaner Bahnhof um 1902. Repro: Sammlung Erhard Schulz Vergrößern
Die Ankunft eines Extra-Zuges am Werderaner Bahnhof um 1902. © Repro: Sammlung Erhard Schulz

Die Bauern waren auf die zusätzlichen Einnahmen angewiesen: „Die Obsterträge gingen damals zurück“, sagt der Gartenbauingenieur Sigmar Wilhelm. Die Bauern hatten zu lange das gleiche Obst an gleicher Stelle angebaut, der Boden war ausgelaugt, so der 71-Jährige.

Der Werderaner Obstbauer Sigmar Wilhelm (links) und Ortschronist Baldur Martin. Foto: PNN / Ottmar Winter Vergrößern
Der Werderaner Obstbauer Sigmar Wilhelm (links) und Ortschronist Baldur Martin. © PNN / Ottmar Winter

In der DDR wurde die Obst-Anbaufläche vervielfacht

Zu DDR-Zeiten wurde das Leitungsnetz erweitert, die Anbaufläche vervielfacht: „In den 70ern gab es in Werder etwa 3000 Hektar Anbaufläche, Ende der 80er waren wir dann bei 10.000 Hektar“, so Wilhelm. Nach Regierungsplan sollte die Region um Werder das damalige Ostberlin und die umliegenden Gebiete ganzjährig mit Obst versorgen können, weshalb hauptsächlich gut lagerfähige Äpfel angebaut wurden. „Teilweise wurden Fichtenwälder gerodet. Auf dem kargen Boden wurde dann Seeschlamm aus der Havel verteilt und eine Bewässerung angelegt, damit dort Apfelbäume wachsen können“, so Baldur Martin.

Dementsprechend stieg auch der Ertrag: Während im Jahr 1900 laut Aufzeichnungen von Bürgermeister Dümichen umgerechnet 3000 Tonnen Obst mit 115 Dampferfahrten nach Berlin gebracht wurden und in den 70ern im Werderaner Obstanbaugebiet etwa 33.000 Tonnen geerntet wurden, waren es Ende der 80er-Jahre durchschnittlich 116.000 Tonnen. Zum Vergleich: Laut dem Landesamt für Statistik wurden im vergangenen Jahr in ganz Brandenburg 32.000 Tonnen Obst geerntet, die meisten Anbauflächen wurden in den 90er-Jahren aufgegeben.

Die Friedrichshöhe um 1910. Repro: Sammlung Erhard Schulz Vergrößern
Die Friedrichshöhe um 1910. © Repro: Sammlung Erhard Schulz

1977 gab es die größte Randale der Baumblüte 

Mit dem Aufschwung zu DDR-Zeiten kamen auch außerhalb des Baumblütenfestes mehr Menschen in die Stadt: Allein die Glindower LPG beschäftigte neben 630 Angestellten Sigmar Wilhelm zufolge jedes Jahr 1000 Erntehelfer. Der Stolz auf den Obstbau zeigte sich auch während des Blütenfestes: An der Friedrichshöhe gab es Ausstellungen unter dem Namen „Meister von Morgen“, auf der neue landwirtschaftliche Geräte präsentiert wurden.

Bei einem Konzert im Rahmen dieser Ausstellung gab es jedoch auch die größte Randale, die das Baumblütenfest in seiner 140-jährigen Geschichte gesehen hat: 1977 haben betrunkene Jugendliche alle Glasscheiben im Saal der Friedrichshöhe zerschmettert. Baldur Martin war damals in seinem wenige Hundert Meter entfernten Garten. „Das waren 200 bis 250 Menschen, die vorher aus Berlin angereist waren“, so der 79-Jährige. Die Polizei habe die Jugendlichen zunächst in den nahen Hohen Weg getrieben. Als sie dort auf das Auto eines Funktionärs Flaschen warfen, habe die Bereitschaftspolizei „die ganze Truppe die lange Treppe zum Bahnhof hinuntergejagt“.

Aufgrund des Tumultes wurde das Zentrum des Baumblütenfestes im Folgejahr aber auf die Insel verlegt: Durch den einzigen Zugang über die Inselbrücke hatten die Verantwortlichen gehofft, die Besucher besser kontrollieren zu können. Inzwischen hat die Verwaltung das Festgeschehen aber wieder über die ganze Stadt verteilt, um einen Stau der Massen auf der Inselbrücke zu verhindern.

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