Die Post begründete die Verzögerungen im vergangenen Jahr mit dem erhöhten Sendungsaufkommen vor Weihnachten. Foto: Oliver Berg/dpa
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Weihnachten in Werder (Havel) Wieder Ärger mit der Post

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Alle Jahre wieder: In Werder kommt es derzeit offenbar erneut zu verzögerter Briefzustellung. Die Post spricht von Einzelfällen, verspricht aber mehr Personal.

Werder (Havel) – Schon im vergangenen Dezember war es so, nun scheint sich die Geschichte zu wiederholen: Erneut soll in Werder (Havel) Briefpost im Weihnachtstrubel liegen geblieben sein. "Am Dienstag hatten wir 14 Briefe und zwei Zeitschriften im Briefkasten", berichtete Henning Heese. Für ihn sähe es so aus, als würde die Post von Freitag bis Montag auf einmal ausgetragen, sagte er. Auch gestern sei der Kasten wieder gut gefüllt gewesen, nachdem am Vortag nichts zugestellt worden war.

Wie der Anwohner der Phöbener Chausseestraße hatten bereits im vergangenen Advent Werderaner über eine mangelnde Postzustellung geklagt. Auch damals waren an mehreren Orten über einen längeren Zeitraum Briefe nur ein- bis zweimal wöchentlich in den Briefkästen gelandet. Auch Zeitschriften kamen mit deutlicher Verspätung an. Beschwerden kamen damals auch aus der Gemeinde Schwielowsee.

Post spricht von Einzelfällen

Die Post begründete die Verzögerungen im vergangenen Jahr mit dem erhöhten Sendungsaufkommen vor Weihnachten, das zu dieser Zeit doppelt so hoch sei wie im Jahresdurchschnitt. Sie sprach aber von Einzelfällen, bei denen es dazu kommen könne, dass Sendungen auch mal einen Tag länger als gewohnt unterwegs seien. Um das Aufkommen bewältigen zu können, hatte die Post zusätzlich mehrere Tausend Aushilfen eingestellt. Auch deutlich mehr Fahrzeuge waren im Einsatz. Das wird auch in diesem Jahr so sein, sagte Postsprecher Mattias Persson den PNN. In Deutschland würden 10 000 zusätzliche Saisonkräfte eingestellt, von denen viele im Anschluss auch übernommen würden. Auch in der Region um Werder sei das Personal in den letzten Monaten erhöht worden. In den nächsten Wochen würden die Brief- und Paketzentren weiter aufgestockt.

Menge bremst Zusteller aus

Warum es in Werder aktuell wieder zu Verzögerungen kommt, habe sich am Donnerstag nicht abschließend klären lassen. Es sei möglich, dass ein Zusteller aufgrund der derzeitigen Fülle eine Tour nicht schafft, erklärte Persson. Dann würden in Ausnahmefällen Briefe erst am nächsten Tag zugestellt. 94 Prozent der Post käme aber in der Regel am nächsten Werktag an, versichert er.

Eckhard Müller, der im Hohen Weg wohnt, glaubt indes nicht, dass es sich um ein reines Vorweihnachtsphänomen handelt. In Werders Zentrum würde die Post seit längerem nur noch "im Schwung zugestellt", sagte er. Ein Postbote habe ihm erklärt, dass Päckchen und Werbung generell Vorrang hätten, berichtet Müller. Für den Unternehmer ist das ein Problem. Oft würde er auf wichtige Rechnungen oder Behördenbriefe warten, erklärte er. Zwischenzeitlich hatte er eine offizielle Beschwerde abgesetzt, doch lief die ins Leere. "Es passiert nichts", erzählt er. 

Henning Heese hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er wandte sich an die Bundesnetzagentur, die ihn wiederum an den Kundenservice der Deutschen Post verwiesen habe. Von dort erfuhr er, dass es das von ihm geschilderte Problem nicht gibt, so der Phöbener. "Vielleicht müssen wir uns mit der Situation abfinden", meint er.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Post ein Pilotprojekt initiiert und in einem Testlauf an ausgewählten Orten tatsächlich die Zustellung der Briefpost reduziert. Hintergrund ist, dass das Paketaufkommen deutlich zugenommen habe, während Briefe immer weniger verschickt würden. Inzwischen sei das Pilotprojekt, mit dem der Postdienstleister die Bedürfnisse seiner Kunden genauer ermitteln wollte, aber beendet, sagte Mattias Persson den PNN. Auch sei dies nur dort erfolgt, wo dies mit den Bewohner zuvor abgestimmt worden war.

Nach dem Testlauf würden wieder allerorts Briefe an sechs Tagen in der Woche zugestellt, erklärte er. Da Geschäftspost in der Regel nicht am Wochenende verschickt würde, könne es aber sein, dass Postkunden zu Wochenbeginn weniger Briefe vorfinden. Dass die Post etwa am Montag nicht zustelle, so wie es von einigen Anwohnern empfunden wird, sei aber nicht der Fall, sagte er.

Und es gibt auch positive Nachrichten: Anders als in Phöben und im Zentrum hat sich im Werderaner Ortsteil Elisabethöhe die Situation offenbar entspannt. Auch dort hatte es im vergangenen Jahr Probleme mit verspätet eingetroffener Post gegeben. Es hat etwas gedauert, mittlerweile werden die Briefe aber wieder regelmäßig zugestellt, sagte etwa Brigitte Wilhelm den PNN. Sie habe zumindest bislang "noch nichts vermisst", erklärte sie.


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