Geschäftsführer Gunter Schinke. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Wegen der Corona-Pandemie Inselparadies Petzow bangt um Existenz

Wegen der Corona-Pandemie wurden alle Schul- und Klassenfahrten ins Inselparadies Petzow abgesagt. Dort bangt man jetzt um die Existenz.

Petzow - Nicht nur Unternehmen, Betriebe und Selbständige bangen in Zeiten der Coronakrise um ihre Existenz, auch viele gemeinnützige Einrichtungen trifft der aktuelle Stillstand hart. Das Kindererholungszentrum Inselparadies Petzow hat sich in seiner Not mit einem offenen Brief an die politischen Verantwortungsträger im brandenburgischen Landtag gewandt und um dringende Hilfe gebeten.

Im Inselparadies Petzow verbringen Kinder und Jugendliche seit vielen Jahrzehnten ihre Klassenfahrten, Ausflüge und Ferien. 30 000 Übernachtungen zählt das Kindererholungszentrum jedes Jahr. Doch wegen der Corona-Pandemie wurden alle Schul- und Klassenfahrten abgesagt. Einige sogar vorsorglich bis Ende Juli, sagt der Geschäftsführer, Gunter Schinke. „Das entzieht uns die existenzielle Grundlage“, so Schinke. 

Rund 900 000 Euro nehme das Inselparadies im Jahr ein, davon geschätzt allein 650 000 Euro in der Saison von März bis Ende Juli. Das Inselparadies lebe von den eigenen Einnahmen, die jetzt wegfallen, sagt Schinke. Zwar würden in der aktuellen Situation auch die Ausgaben ein wenig zurückgehen. „Aber dennoch müssen wir unsere laufenden Kosten und Mitarbeiter bezahlen.“ Kurzfristige Hilfen, etwa bei der Miete oder bei den Gehältern, würden nicht ausreichen.

Inselparadies stellte Förderantrag

Bislang gebe es kein Signal aus der Politik, dass es auch Hilfspakete für die gemeinnützigen Einrichtungen geben soll, so Schinke. Einen Förderantrag an die Wirtschaftsförderung hat das Inselparadies bereits gestellt. Er habe noch keine Rückmeldung bekommen. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium teilte auf Anfrage mit, dass es für gemeinnützige Einrichtungen wie das Inselparadies nicht zuständig sei und verwies auf das Bildungsministerium. Letzteres hat eine entsprechende Anfrage, ob es finanzielle Hilfen geben wird, am Dienstag nicht vor Redaktionsschluss beantwortet.

Üblicherweise arbeiten 20 Mitarbeiter während der Saison im Inselparadies. Derzeit sind es mit Schinke nur vier. Einen davon musste der Geschäftsführer in Kurzarbeit schicken. Die geplanten Neuanstellungen für die Saison fallen nun weg.

Kein gewöhnliches Ferienlager

Das Inselparadies ist kein gewöhnliches Ferienlager. Das Team um Schinke stellt für die Kinder- und Jugendlichen Freizeit- und vor allem auch Bildungsprogramme zusammen, hat verschiedene Kooperationen, etwa mit dem Kletterwald in Klaistow oder der Biosphäre sowie dem Extavium in Potsdam. 

Seit vier Jahren engagiert sich das Team zudem für das Hilfsprojekt „Heart for Ukraine“ und ermöglicht somit 25 bis 30 Kinder ukrainischen Kindern aus den Kriegsgebieten jedes Jahr für einige Wochen Ferien im Inselparadies zu machen. „Es ist wichtig, dass wir jetzt ein Signal von der Politik bekommen, ob es Hilfen geben wird“ sagt Schinke. Insgesamt gibt es 13 Kindererholungszentren in Deutschland, davon fünf alleine in Brandenburg. Alle seien von der aktuellen Situation betroffen, so Schinke.

Zur Startseite