Die Ausstellung ist im Rathaus, Adolf-Grimme-Ring 10, an Werktagen von 8 bis 18 Uhr und dienstags bis 20 Uhr zu sehen. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Von Fjorden und Friedhöfen Grafiken und Gemälde von Herbert Sander in Kleinmachnow

Eine Schau im Kleinmachnower Rathaus zeigt die Bandbreite der Kunst des verstorbenen Herbert Sander.

Kleinmachnow - Die leichte Hand war nicht seine Sache, das Hinhauchen an der Oberfläche war ihm zuwider. Der Stahnsdorfer Künstler Herbert Sander hat Bilder auch nicht aus Verlegenheit geschaffen, sondern aus einem zwingenden Muss und purer Freude. Als Herbert Sander am 4. Januar 2018 im Alter von 79 Jahren starb, haben ihn die Medien vor allem als Gestalter des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“, das innerhalb der christlichen Friedensbewegung der DDR große Popularität besaß, den Partei-Oberen jedoch ein Dorn im Auge war, gewürdigt. Seit dem 10. Januar 2020 kann man im Kleinmachnower Rathaus das Symbol als Stofftransparent in Augenschein nehmen. Doch wäre es zu kurz gefasst, würde man Herbert Sander nur mit diesem Emblem in Verbindung bringen.

Repräsentativer Ausschnitt

Anlässlich des hundertsten Jubiläums der Gemeinde Kleinmachnow zeigt sie nun eine Ausstellung mit Grafiken und der Malerei des Künstlers. Herbert Sander war mit dem Ort sehr verbunden, wohnte von 1978 bis 1992 dort. Sein Engagement ist unvergessen. So hat man seinen Einsatz bei der Gestaltung des Saals der Kammerspiele sowie des Innenraums der Auferstehungskirche in bester Erinnerung, auch die Restaurierung des Medusenhauptportals gegenüber der Dorfkirche hat er tatkräftig unterstützt. Sander gehörte auch zu den Mitbegründern des Neuen Forums Kleinmachnow. Nun haben Karin Vieth-Haase, eine langjährige Schülerin des Künstlers, sowie Sanders Enkel Josa Koelbel eine Ausstellung liebevoll zusammengestellt, die einen repräsentativen Ausschnitt aus seinem reichen und vielgestaltigen Lebenswerk zeigt.

Herbert Sander im Jahr 2013. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Herbert Sander im Jahr 2013. © Andreas Klaer

„Man setzt sich nicht einfach hin und denkt und versucht dann das Gedachte zu malen. So entsteht bei mir keine Arbeit. Natürlich denke ich, natürlich erlebe ich, und ganz natürlich ist es, dass ich zur gegebenen Stunde die verwirrende Fülle der inneren Bilder auslösen muss, auch ihre dynamischen Kräfte.“ Diese Sätze Sanders, die er Ende der siebziger Jahre notierte, erzählen viel von seinem Antrieb, Kunst zu schaffen. In der Malerei, ob mit Öl oder Aquarell, hat er sich vorrangig mit der Landschaft beschäftigt.
Auf Motivsuche gehend, durchstreifte er vertraute Landstriche: die märkischen Wiesen und Seen. Doch wenn ein Schloss, Parkanlagen, Kirchen, alte Tore und Brücken, Skulpturen auftauchen, dann war bei Sander mit kühler Bestandsaufnahme nicht zu rechnen.

Den Schönheiten der Architektur auf der Spur

Die in der zurückhaltenden Farbigkeit gemalten Öl-Arbeiten und vor allem die farbkräftigen Aquarelle nehmen das Atmosphärische der Landschaft auf, haben auch Erzählerisches im Gepäck. Historisches, das sich in seiner Umgebung abspielte, interessierte und inspirierte ihn immer wieder. Kunst ohne Wissen ist nichts. Davon war Herbert Sander überzeugt. Unpathetisch, doch auch unkritisch fließt es in seine Kunst mit ein. Den Schönheiten der Architektur oder Landschaftsgestaltung, die die prägenden Gestalten aus Preußens Geschichte der Nachwelt hinterließen, war der Künstler stets auf der Spur.

Vor Ort und im Atelier malte er also Motive, die er in der Region fand: Bilder mit dem Schinkel-Schloss von Klein-Glienicke, dem schlichten Gutshaus irgendwo in der Weite der Mark, dem Medusentor und der Kleinmachnower Dorfkirche, dem Park von Blankensee oder der kleinen Fachwerkkirche von Braunsberg bei Neuruppin. Jüdische Friedhöfe, die zu DDR-Zeiten verwahrlost und fast nicht mehr erkennbar der Zerstörung preisgegeben waren, hat Sander mit einer Serie von 55 Bildern vor dem Vergessen gerettet. In der Ausstellung erinnert ein Bild an die so kostbare Friedhofs-Reihe. Die Kuratoren hoffen, dass sie in einer Sonderschau präsentiert werden kann.

Ein Werk von Herbert Sander das in der Ausstellung "Retrospektive" im Rathaus Kleinmachnow zu sehen ist. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Ein Werk von Herbert Sander das in der Ausstellung "Retrospektive" im Rathaus Kleinmachnow zu sehen ist. © Andreas Klaer

Faszinierend dichte Konturen

Eine Reise führte den Künstler nach der politischen Wende nach Norwegen. Überwältigend waren die Eindrücke der Fjorde, jene langen schmalen Meeresarme, die tief ins Land hineinschneiden und in denen das Licht sich spiegelt. Sander hat dem Elementaren dieser Landschaft in Monotypien faszinierend dichte Konturen verliehen.

Die Grafiken, die in den Ausstellungen vergangener Jahre etwas zu kurz kamen, haben die Kuratoren mit Aufmerksamkeit aus den Mappen des Künstlers ausgewählt. Mit den verschiedenen Techniken – Holzschnitt, Linolschnitt oder Radierung – konnte er nicht nur souverän umgehen, sondern fand auch einen leichten, manchmal heiter-ironischen Ton. Die verschiedensten Themen, die den Grafiker beschäftigten, fanden eine bildhafte Ausstellung, vom Holländischen Viertel, dessen Häuser sich wie Soldaten aufreihen, der Cellistin, die ganz versenkt ihr Instrument zum Klingen bringt, oder dem surrealistisch wirkenden Commedia dell’arte-Darsteller, der zur Neugierde seiner Mitbewohner herausfordert.

Der Autor Klaus Büstrin hat die Ausstellung am Freitagabend eröffnet. Sie ist im Rathaus, Adolf-Grimme-Ring 10, an Werktagen von 8 bis 18 Uhr und dienstags bis 20 Uhr zu sehen

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