Mit digitaler Tafel im Container: Bis der Neubau steht, wird am Interimsstandort in der ehemaligen Mühlendorf-Oberschule unterrichtet.  Foto: Eva Schmid
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Teltows Schule der Zukunft Die neue Teltower Gesamtschule wird begehrter

Seit einem Jahr hat Teltow eine Gesamtschule. Ziel bei der Eröffnung war es, die Kinder fit die digitale Zukunft zu machen. Eine erste Bilanz.

Teltow - Von außen sieht man kaum Unterschiede: Die Schule im Teltower Mühlendorf nahe der S-Bahn hat noch immer die gleiche Fassade, der alte Schulname ist mit einem Banner überhängt. Neu sind nur die auf dem Schulhof aufgestapelten Container, provisorische Klassenzimmer. Die Mühlendorf Oberschule in Teltow ist zur Gesamtschule des Kreises geworden.

Mit hehren Zielen ging die neue Einrichtung vor einem Jahr an den Start: im Unterricht soll das digitale und kreative Lernen im Vordergrund stehen, die Schüler für die digitale Zukunft fit gemacht werden. Doch was hat das erste Jahr gebracht? Wie sieht der moderne Unterricht aus und was halten Eltern, Schüler und Lehrer davon?

Ab dem Schuljahr 2022/2023 wird der Neubau nahe in der Mahlower Straße fertig sein - bis dahin wird auch im Container unterrichtet. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Ab dem Schuljahr 2022/2023 wird der Neubau nahe in der Mahlower Straße fertig sein - bis dahin wird auch im Container unterrichtet. © Manfred Thomas

Die anfängliche Skepsis der Eltern scheint langsam zu weichen: Wurde die Gesamtschule zum Start im Schuljahr 2018/2019 von nur 19 Familien als Erstwunsch angeben, kletterten die Zahlen im zweiten Schuljahr auf mehr als 60 Erstwünsche. Vier siebte Klassen sind entstanden, 50 Schüler mehr als im vergangenen Schuljahr aufgenommen worden. „Das sind Zeichen, dass unsere Arbeit anerkannt wird“, sagt Schulleiter Alexander Otto. Der mit 34 Jahren noch recht junge Schulleiter will zusammen mit seinen Kollegen und dem Kreis, als Träger der Schule, etwas Großes schaffen, und zwar „eine der modernsten Schulen des Landes“. 

Der Landkreis investiert mehr als 40 Millionen Euro in den Schulneubau

Der Kreis steht hinter dem Vorhaben und investiert dafür reichlich Geld. In Planung ist derzeit ein Schulneubau in der Mahlower Straße, Ecke Conrad-Blenkle-Straße in Teltow, mehr als 40 Millionen Euro will der Kreis investieren – zum Vergleich das Vicco-von-Bülow-Gymnasium in Stahnsdorf hat knapp 20 Millionen Euro gekostet.

Zum Schuljahr 2022/2023 soll der Betrieb der Gesamtschule in dem sternförmigen Neubau starten – bis dahin wird in der ehemaligen Oberschule unterrichtet. Der Unterricht, der im Neubau stattfinden wird, klingt tatsächlich modern: Fachunterricht, Klassenräume und die Unmengen an Papier, die Schüler und Lehrer mit sich herumschleppen, wird es dann so nicht mehr geben. Otto erklärt, dass die angedachte Sternarchitektur des Neubaus auf das Schulprofil abgestimmt ist.

Der Unterrichtet beginnt kurz nach 8 Uhr, wenn die Kinder richtig wach sind

In den Zacken des Sternes soll es sogenannte Lernareale geben, also jeweils vier Räume, die verschiedenen Wissenschaftszweigen entsprechen. Ziel sei, dass die Schüler eine Problemstellung auf ihre Art lösen können. Dafür stehen ihnen Materialien und Ansätze aus Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, dem künstlerisch-musischen Bereich und den Fremdsprachen zur Verfügung. In der Schule der Zukunft wird klassen- und fächerübergreifend gearbeitet, am Ende entsteht ein Produkt, sagt Otto, meist digitaler Art. „Kinder sind dann effizient, wenn sie verstehen, warum sie etwas tun.“

Auf die Frage, warum seine Schule Kreatives und Digitales verbinde, erklärt er: „Kinder, die kreativ und künstlerisch tätig sind, werden die Gehirne sein, die später digitale Probleme lösen werden, von denen wir uns noch gar nicht vorstellen können, dass es sie geben wird.“

Schulleiter Alexander Otto (34) im Gespräch mit den PNN. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Schulleiter Alexander Otto (34) im Gespräch mit den PNN. © Manfred Thomas

Der Grundstein für dieses Know-How wird schon jetzt an der Gesamtschule gelegt: Ab der 9. Klasse lernt man Programmieren, die Schüler setzen sich mit digitaler Mediengestaltung, Robotik und künstlicher Intelligenz auseinander. Gleichzeitig erstellen sie viel analoge Kunst, arbeiteten mit ihren Händen, mit ihrer Fantasie und Farbe. Noch in diesem Schuljahr will Otto das „nächste Niveau“ einer digitalen Schule erreichen, das papierlose Klassenzimmer. Auf einer E-Learning Plattform sollen alle Arbeitspapiere hinterlegt werden, Schüler können dort mit Lehrern chatten, Foren bilden und sich darin austauschen. Damit werde Schule auch transparenter, ist Otto überzeugt. Die neue Gesamtschule ist bereits jetzt schon technisch gut ausgestattet: Es gibt in jedem Zimmer digitale Tafeln, demnächst soll es Laptopklassen geben, das Informatik-Kabinett hat neue Rechner bekommen.

Ottos Vorbild sind die Schulen in skandinavischen Ländern: Dort gibt es 90-minütigen Blockunterricht, die Schule startet etwas später, und zwar dann, wenn die Kinder richtig wach sind. Das alles, habe er im ersten Jahr zusammen mit dem Kollegium auch eingeführt, sagt Otto und verweist darauf, dass die Schule auch eine offene Ganztagsschule ist, um berufstätigen Eltern besser gerecht zu werden.

Schülersprecherin Joline: Das Klima an der Schule hat sich verbessert

Neu ist auch, dass Schüler und  Eltern mitbestimmen dürfen: Gemeinsam mit dem Kollegium haben sie zusammengetragen, was aus ihrer Sicht eine gute Schule ausmacht. Entstanden ist ein 40-seitiges Schulprogramm – der Fahrplan für die Zukunft. In dem Papier steht unter anderem, dass jeder Schüler ein Talent hat, das gefördert werden soll. Zudem wurden 17 junge Lehrer eingestellt. „Das gesamte Kollegium brennt dafür, was hier entsteht.“

So viel Umwälzung sind viele Eltern der ehemaligen Mühlendorf-Oberschule nicht gewohnt. Anfangs sei es etwas chaotisch gewesen, erzählt Elternsprecherin Wiebke Kommerell, mittlerweile „sind wir auf einem guten Weg“. Sie und ein weiterer Elternsprecher loben, dass sie als Eltern gehört werden und mitbestimmen dürfen. 

Dass sich das Schulklima zum Positiven gewandelt hat, sagt Schülersprecherin Joline Herrmann. Die 14-Jährige hat beide Schultypen miterlebt und ist erstaunt, wie offen die neue Schulleitung ist. „Cool“ sei auch, dass die jungen Lehrer sich gut mit der neuen Technik auskennen. Der Schule fehlt jetzt nur noch ein Name. Gewählt werden soll er aus Vorschlägen der Schüler.

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