Eis in der Grube. Die Baugrube an der Kanada-Allee ist bereits ausgehoben. Doch derzeit ruhen die Arbeiten – wegen der Witterung, aber offenbar auch weil die Pläne noch nicht genehmigt sind. Die Stadt Teltow verlangt mehr Gewerbeflächen. Anwohner sagen dagegen, diese würden gar nicht gebraucht. Foto: Andreas Klaer
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Teltow Investor für Neubau an Kanada-Allee ändert Pläne

Stadt Teltow bemängelt zu wenig Gewerbefläche in Fünfgeschosser. Anwohner protestieren und wollen eine Bürgerinitiative gründen.

Teltow - Die Arbeiten ruhen, Anwohner und Investor nicht. Der geplante Mehrgeschosser auf dem Grundstück des früheren Malerateliers in der Kanada-Allee sorgt in Teltow weiter für Aufregung. In dieser Woche sollten die Pläne des Bauherrn erstmals in den Fachausschüssen der Gemeindevertreter beraten werden. Am Dienstag zog jedoch Teltows Erste Beigeordnete, Beate Rietz (SPD), zu Beginn der Sitzung des Umweltausschusses den zu diskutierenden Antrag zurück und strich ihn in allen Ausschüssen von den Tagesordnungen. Es hätten sich Änderungen ergeben, sagte sie. Die Vorlage sei überholt. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark, dem die geänderten Pläne des Bauherrn als Genehmigungsbehörde vorgelegt worden waren, habe die Stadtverwaltung auch über die neuen Absichten des Investors informiert.

Zuvor hatte sich bereits angedeutet, dass die Stadtverordneten dem zunächst von der Kanada-Allee Projektentwicklungsgesellschaft vorgelegten Bauplan nicht zustimmen würden. Der am Ende der Allee gegenüber einem Wohn- und Geschäftshauses geplante Bau entsprach ihrer Meinung nach nicht den Erfordernissen. Nach bisherigen Plänen sollten auf dem Areal, auf dem bis zum vergangenen Jahr der bekannte Maler Markus Lüpertz sein Atelier hatte, zwei baugleiche fünfgeschossige Wohntürme mit insgesamt 46 Wohnungen, Tiefgarage und einer Geschäftszeile, die die Wohnhäuser verbindet, entstehen. Allerdings sah die Stadt Probleme, aufgrund des Verhältnisses zwischen Gewerbe- und Wohnnutzung das sogenannte gemeindliche Einvernehmen erteilen zu können.

Die Stadt bewertete den Gewerbeflächenanteil von etwa 27 Prozent im Vergleich zum geplanten Wohnraum in dem als Mischgebiet ausgewiesenen Bereich als zu gering. Da auch keine konkreten Angaben zur Art des geplanten Gewerbes vorlägen, sei es zudem nicht möglich, die erforderlichen Stellplätze entsprechend der Teltower Stellplatzsatzung zu überprüfen, hieß es in der nun zurückgezogenen Beschlussvorlage.

Nach Ansicht von Anwohnern passte der geplante Bau auch nicht in das von Reihen- und Doppelhäusern dominierte Viertel, das nach der politischen Wende auf der Brache am Rande Berlins entstanden war. Auch sehen Anwohner für zusätzliche Geschäfte keinen Bedarf. Schon im bestehenden Gebäudekomplex gebe es Probleme, die Läden dauerhaft zu betreiben. „In manchen Geschäften ist seit meinem Einzug 2013 Leerstand. Ein Nagelstudio hat gerade geschlossen, ein Schreib- und Spielwarengeschäft ist verkleinert, wenn nicht geschlossen worden“, berichtet ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden will. Einzig der Bäcker, der Friseursalon und die Apotheke mit angrenzender Boutique und das Dulci-Eiscafé seien noch vorhanden und würden gut angenommen. In fußläufiger Erreichbarkeit gäbe es zudem weitere Einkaufsmöglichkeiten und Supermärkte.

Norman Stöhr von der gleichnamigen Berliner Immobilienverwaltung, die derzeit einen der leer stehenden Gewerberäume vor Ort zu vermieten hat, bewertet die Pläne für neue Gewerbeimmobilien trotz bestehenden Leerstands nicht so negativ. Als wachsende Stadt habe Teltow Potenzial und Bedarf, sagte er. Diesen sieht er vor allem im Dienstleistungsbereich. Ihn würden diverse Anfragen vom Pizza-Lieferdienst über medizinische Betreuung oder Pflegedienste bis hin zur Tanzschule erreichen. Ganz entscheidend käme es auf die Projektierung und den Flächenzuschnitt in der geplanten Immobilie an, den aber auch er nicht kenne.

Anwohner haben jedoch weitere Bedenken. Neben dem Lärm, der schon jetzt durch das Bauprojekt entstanden sei, fürchten sie einen Wertverlust ihrer Häuser. Der hohe Bau würde bei vielen für Verschattung sorgen und auch die Sicht wäre „nicht gerade prickelnd“, klagen sie. Sie erwägen die Gründung einer Bürgerinitiative (PNN berichteten).

Wie die neuen Pläne des Bauherren aussehen, ließ Teltows Erste Beigeordnete Rietz offen. Jedoch habe er die Bedenken der Stadt aufgenommen, erklärte sie. Die Stadtverwaltung wolle die neuen, ihr jetzt zugegangenen Unterlagen prüfen. Sie sollen den Stadtverordneten nunmehr im Februar in den Ausschüssen vorgestellt werden. Bis dahin wolle sich die Verwaltung nicht öffentlich zu den inhaltlichen Änderungen äußern, so Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Icks. Auch der Bauherr selbst hüllt sich derzeit auf Anfrage noch in Schweigen. Solveig Schuster

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