Alan Oeff (l.), Raoul Schramm (M.) und Simon Behling (r.) haben ihre Parteien in den Parlamenten von Kleinmachnow und Teltow vertreten. Foto: Andreas Klaer
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Region Teltow Warum sich diese Studenten für Kommunalpolitik interessieren

Politik ist nur was für Alte? Stimmt nicht. Viele Studenten aus der Region Teltow machen es vor. Klingt unsexy, ist aber spannend, sagen sie.

Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf - Straßenausbaubeiträge, Bebauungspläne, Kitasatzungen – welcher junge Mensch befasst sich damit freiwillig? In Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow sind es mittlerweile einige junge Studenten, die für die Kommunalpolitik brennen. Sie wissen, dass sie mit ihrem Einsatz vor Freunden nicht prahlen können. Kommunalpolitik klingt unsexy, „ist aber so spannend“, sagt Alan Oeff.

Dem 23-Jährigen ist Mobilitätspolitik besonders wichtig

Oeff muss es wissen, er hat immerhin die vergangenen fünf Jahre für die Grünen in der Kleinmachnower Gemeindevertretung und im Kreistag gesessen. Mit 18 ließ er sich damals aufstellen, er schaffte es in beide Parlamente, obwohl er einen hinteren Listenplatz hatte. Und Oeff hat durchgehalten: Obwohl er anfangs nicht genau wusste, was auf ihn zukommen wird. „Mit 18 Jahren kann man das nicht überblicken“, sagt der 23-jährige Medizinstudent. Schnell habe er gemerkt, dass es viele Durststrecken in den langen Sitzungen, denen er beiwohnte, gab. „Aber es ging fast immer um spannende Themen.“

Er habe sich für die Themen der Jugend eingesetzt, sagt Oeff, der nun nicht mehr kandidiert, da der Medizinstudent in einem Jahr das Staatsexamen macht und danach in den Beruf einsteigt. Oeff hat um gute Radwege gekämpft, Mobilitätspolitik sei ihm wichtig gewesen. Pro Woche kam er auf ein bis zwei Sitzungen – viel Zeit. Die sich aber lohnte zu investieren, wie er bilanziert.

Bei Raoul Schramm ging es auch zu Hause viel um Politik

In die Politik kam er durch den Kampf um das Kleinmachnower Buschgrabengebiet, seine Eltern engagierten sich schon damals gegen die Bebauung. Sie waren erfolgreich, Oeff lernte, was Politik bedeutet.

Viel diskutiert wurde auch im Elternhaus von Raoul Schramm: Der 24-jährige Student der Wirtschaftsinformatik saß zusammen mit Oeff im Kleinmachnower Gemeinderat. Dieses Mal verpasste er den Einzug mit seiner Listenvereinigung, den Parteipiraten, einem Bündnis aus den Piraten, Der Partei und der Partei der Sorben. Schramm war rund fünf bis zehn Stunden pro Woche mit seinem Ehrenamt beschäftigt.

„Ich fand es toll, die junge Perspektive einzubringen“, sagt Schramm. An Kleinmachnow schätzt er, dass es in der Gemeindevertretung „um thematische Bündnisse statt parteipolitischer Blöcke“ gehe. Man müsse für seine Themen argumentieren, dann komme man voran. Es war Schramm, der den anderen Kommunalpolitikern erklärte, was der einst auf dem Rathausmarkt patrouillierende Wachschutz für einen Eindruck auf die Jugendlichen machte. „Man fühlte sich von denen verfolgt“, sagt Schramm. Er ist stolz, dass es in den Folgejahren keine Aufseher mehr auf dem bei Jugendlichen beliebten Rathausmarkt gab. Schramm will sich weiterhin politisch engagieren. Er überlegt, sich auf die ehrenamtliche Stelle eines Kleinmachnower Jugendbeauftragten zu bewerben.

Hannah Liebrenz will einen Ort für Jugendliche

Hannah Liebrenz von den Kleinmachnower Grünen. Foto: privat Vergrößern
Hannah Liebrenz von den Kleinmachnower Grünen. © privat

Dass am Rathausmarkt nach wie vor viel Konfliktpotenzial besteht, das weiß auch Hannah Liebrenz. Die 22-jährige Studentin der Babelsberger Filmuniversität Konrad Wolf hat sich zum ersten Mal aufstellen lassen und sitzt jetzt in der Gemeindevertretung. In Kleinmachnow gebe es fast keinen Ort, an dem junge Menschen nicht Anwohner stören würden. Daher kämpfe sie für einen geschützten Raum für Jugendliche und Gleichaltrige, mit dem aber auch Anwohner leben könnten. Zudem will sie mit ihrer Fraktion, zu der auch ihr Vater Henry Liebrenz gehört, den Klimaschutz stärker vorantreiben. Und Hannah Liebrenz hat ein weiteres Projekt: Sie will die regionale Zusammenarbeit zwischen Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf verbessern.

Simon Behling kandidierte für die Teltower Linken

Ebenfalls neu dabei ist Simon Behling. Er kandidierte für die Linken in Teltow und zieht erstmals in das Stadtparlament ein. Behling ist 23 Jahre alt und studiert Politik in Frankfurt (Oder). Auch er will sich für die Belange der Jugend in der Region stark machen, dafür hätten ihn seine Mitschüler gewählt, ist er sich sicher. Unter anderem hat er mitgeholfen, die erste legale Techno-Openair-Party in Stahnsdorf zu organisieren. Er will gegen steigende Mieten kämpfen. Denn auch Behling, der selbst gerade nach einer bezahlbaren Wohnung sucht, weiß, wie gering das Budget von Studenten ist. Auch sollte es freies W-Lan an öffentlichen Plätzen in Teltow geben: „Überhaupt braucht die Stadt ein vernünftiges Konzept für die Digitalisierung.“ Behlings Motivation: „Was mir nicht gefällt, das packe ich an.“ So kam er zu den Linken, deren Mitglied er seit vier Jahren ist. Seit zwei Jahren sogar im Vorstand. Auch im Kleinen, in der Kommunalpolitik, kann man viel verändern, sagt er.

Alexander Schweda wurde in Stahnsdorf wiedergewählt

Alexander Schweda sitzt für die CDU in der Stahnsdorfer Gemeindevertretung. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Alexander Schweda sitzt für die CDU in der Stahnsdorfer Gemeindevertretung. © Andreas Klaer

Das sieht auch Alexander Schweda (CDU) so. Der 23-jährige Stahnsdorfer hat sein Politikstudium beendet und arbeitet jetzt in der Unternehmensberatung. Er ist vor zwei Jahren in die Stahnsdorfer Gemeindevertretung nachgerückt und jetzt wiedergewählt worden. „Die Arbeit ist sehr zeitintensiv, aber man kann das ganz gut dosieren.“ Während der vergangenen zwei Jahre kam Schweda mit Themen in Berührung, mit denen er sich sonst nie auseinandergesetzt hätte, zum Beispiel mit einer Kitasatzung. Auch er will, dass Stahnsdorf bezahlbar bleibt und dass es genügend Angebote und Flächen für junge Menschen gibt. Die Altersgruppe der Zwölf- bis 30-Jährigen werde in Stahnsdorf vernachlässigt – für sie kämpfe er, bis zu zehn Stunden pro Woche: „Man versetzt zwar keine Berge, aber man trägt zur Gemeinschaft bei.“


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