Kerngelände soll der Nieplitzpark sein - hierfür müssen Garagen abgerissen werden. Foto: Thomas Lähns/promo
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Park am Spargelmuseum Garagen-Abriss für Landesgartenschau in Beelitz

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Die Umbauarbeiten für die Landesgartenschau in Beelitz haben begonnen. Zuerst müssen Garagen abgerissen werden, damit der Nieplitzpark gestaltet werden kann.

Beelitz - Insgesamt 30 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in Beelitz investiert werden, am heutigen Mittwoch gab es den Startschuss für die Vorbereitungen auf die siebente Brandenburgische Landesgartenschau: Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) nahm sichtlich stolz einen Zuwendungsbescheid über Landes- und EU-Mittel in Höhe von 993 000 Euro für den ersten Abschnitt der 7. Brandenburgischen Landesgartenschau entgegen.

Außerdem wurde der erste Spatenstich für den geplanten Nieplitzpark gemacht. Von April bis Oktober 2022 soll die Schau, kurz Laga, in der Spargelstadt stattfinden. „Am heutigen fünften Dezember schreiben wir ein Stück positive Stadtgeschichte“, sagte Knuth, nachdem ihm Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Scheck über Landes- und EU-Mittel überreicht hatte. Für das Geld soll der Nieplitzpark gestaltet werden. Das Gebiet hinter der Alten Posthalterei bis hin zum Flüsschen Nieplitz soll zentrales Areal der Landesgartenschau werden. Eine EU-weite Ausschreibung für die Planungsleistung läuft noch, Ende des Monats soll bekannt gegeben werden, wer der Generalplaner wird. Und Anfang des neuen Jahres könne die Planung dann konkretisiert werden, sagte Knuth.

Viele Kulissen sind geplant

15 Hektar groß soll das Kernareal der Gartenschau werden. Schon geplant sind etwa Pavillons für kulinarische Köstlichkeiten aus Brandenburg. Kulinarik ist ohnehin zentrales Thema der Laga. Eine Frage, die besonders hervorgehoben werden soll, lautet: Wie werden die Nahrungsmittel gewonnen? So soll auch die Bockwindmühle miteingebunden werden, die viele Jahre für das Mahlen von Getreide genutzt wurde. Dass auch das Spargelmuseum auf dem Gebiet des zukünftigen Nieplitzparks liegt, erscheint passend. „Wir widmen diese Schau der ländlichen Entwicklung“, sagte Knuth.

Das Vorhaben sei auch nachhaltig, betonte Vogelsänger. Die Gartenschau werde viele Projekte anschieben – auch solche, die die Restaurierung der Altstadt betreffen. Für den Doppelhaushalt der kommenden beiden Jahre sind Ausgaben in Höhe von insgesamt rund 30 Millionen Euro vorgesehen: 11 Millionen Euro für 2019 und weitere 19 Millionen für 2020. „Diese Zahlen sind beachtlich für eine so kleine Stadt wie Beelitz“, sagte Knuth.

In der Kirche soll Floristik präsentiert werden

Beteiligt werden soll etwa auch die Pfarrkirche St. Marien. Geplant ist ein regionaler Markt, der um das Gotteshaus herumführt. Die Kirche selbst soll zur Blumenhalle werden – hier will man Floristik präsentieren. Auch der Schmiedehof soll eingebunden werden, das Deutsche Haus, der Lustgarten, sowie der Park am Wasserturm, Beelitz-Heilstätten und die Spargelhöfe in der Umgebung. Ein Elektrobus-Shuttle soll für eine gute Verbindung zwischen den einzelnen Elementen der Schau sorgen. Auch eine Bühne soll entstehen – dort, wo sich derzeit das brachliegende Klärwerk befindet. Die Laga werde eine gute Vernetzung innerhalb der Stadt hervorrufen, sagte Knuth. Er werde alle Vereine miteinbeziehen. Der Gewerbeverein zum Beispiel sei bereits involviert.

Die Landesgartenschau 2022 in Beelitz soll alle Sinne ansprechen. In Pavillons sollen Köstlichkeiten angeboten werden.  Visualisierung: Plancontext
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Die Begeisterung hat allerdings auch ihre Grenzen. So werden etwa alte Garagen aus DDR-Zeiten, die sich direkt hinter dem Spargelmuseum befinden, für den geplanten Park entfernt. Viele der Garagennutzer hätten ihren Unterstellplatz eigenhändig errichtet, erklärte Knuth. Mit dem Entfernen einzelner Garagen durch einen Bagger begannen die Umbauarbeiten. Vogelsänger hatte sich zu einem Baggerfahrer in die Kabine gestellt, um selbst mitanzupacken. Die Garagenbesitzer seien im Vorfeld wenig erfreut gewesen, räumte Knuth ein. Für Mieter, die ihre Garagen noch benutzt hatten, habe die Stadt Beelitz allerdings Ersatz geschaffen, hieß es.

Auch Ralph Barganz, der die Drogerie in der Berliner Straße betreibt, ist kaum begeistert. Seine 1908 eröffnete Drogerie ist ein Familienbetrieb. Durch den Umbau werde zu stark in die Natur eingegriffen, beklagt er. Und er befürchtet, dass parkende Autos die Straßen zur Altstadt verstopfen könnten. Mit mehr als 450 000 Besuchern rechnet die Stadt.

Chance oder Fluch für die Innenstadt?

Nino Merdjani, der zusammen mit seinem Bruder im April das italienische Restaurant Due Fratelli in Räumen des Hotels Stadt Beelitz eröffnet hat, weiß worauf er sich einlässt. Sein Vater hatte bis 2013 ein Restaurant in Oranienburg – im Jahr 2009 fand dort die Laga statt. „Wir rechnen damit, dass es in Beelitz ähnlich wird, mit weniger Trubel“, sagt Merdjani. In Oranienburg seien am Tag bis zu 700 Gäste in das Restaurant gekommen. Es seien sogar Gäste über den Zaun in den Garten gesprungen, die vorher an der Tür abgelehnt worden waren. Er freue sich auf die Schau. Im Moment empfange er zwei Lebensmittellieferungen pro Woche, so Merdjani. Im Jahr 2022 werde er jeden Tag eine Lieferung aus Berlin einplanen. Auch Martina Bricke, die in Beckers Fleischerei arbeitet, freut sich. Viele Geschäfte in der Innenstadt hätten in letzter Zeit zugemacht, sagt sie: „Ich hoffe, dass die Gartenschau die Innenstadt wieder belebt.“

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