Angekommen. Nadine Conrad und Allen Paul in Werder (Havel). Foto: Ottmar Winter
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Neues Zuhause für Potsdamer Künstler Das "Projekt Panama" feiert Geburtstag

Vor einem Jahr zogen drei Künstler aus Potsdam nach Werder (Havel). Ein Glücksfall, finden sie.

Werder (Havel) - Die Suche nach kreativem Freiraum führte die drei Künstler Allen Paul, Julia Brömsel und Nadine Conrad vor einem Jahr aus Potsdam in eine alte Halle in Werder (Havel), wo sie unter dem Namen „Panama Projekt“ ihr eigenes Atelier gründeten. Am 8. November 2019 feiert ihr Projekt seinen ersten Geburtstag.

Den Namen zu ihrem Projekt haben die Künstler der Geschichte von Janosch „Oh, wie schön ist Panama“ entlehnt. Wie der kleine Bär und der kleine Tiger mit seiner Tigerente, hätten die drei nach einem schönen Ort für sich gesucht, sagt der 44-jährige Allan Paul. In der Geschichte kommen die beiden Figuren genau an dem Ort wieder an, von dem aus sie sich auf den Weg gemacht haben. „Für uns ging es um die Suche, die man unternimmt, um zu sich selbst zu kommen“, so Paul. Dieser Ort könne am Ende überall sein. „Im Grunde sind wir drei dieser Ort“, sagt Paul.

Zu teuer und zu laut

Vor ihrem Umzug hatten die Künstler ihre Ateliers im Rechenzentrum in Potsdam. Allen Paul und Nadine Conrad beschlossen dann im vergangenen Jahr, nachdem die Mieten in dem Künstlerquartier anstiegen, neue Räume zu suchen und fragten Julia Brömsel, ob sie mit umziehen wolle. Der politische Streit um das Rechenzentrum habe sie in ihrer Entscheidung noch bestärkt, wie Paul erzählt. Durch die Bauarbeiten an der Garnisonkirche seien zudem viel Lärm und auch Schäden entstanden, sagt Paul. Doch vor allem wollten sich die Künstler räumlich vergrößern. „Die Räume im Rechenzentrum sind ja recht beengt. Wir wollten auch endlich die Möglichkeiten haben, großformatig zu arbeiten“, so Paul.

Hier haben Nadine Conrad, Julia Brömsel und Allan Paul ihr Atelier. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Hier haben Nadine Conrad, Julia Brömsel und Allan Paul ihr Atelier. © Ottmar Winter

Vorher hätten sie jeweils nur einen rund 15 Quadratmeter großen Raum gehabt, sagt Nadine Conrad. Jetzt sind es etwa 110 Quadratmeter. Dieser Umstand allein habe bereits ihre Arbeiten verändert, so Conrad. Durch das gemeinsame Atelier inspirierten sich die drei außerdem gegenseitig, sagt Paul. „Wir reden viel mehr über unsere Arbeiten, schauen beim Malen die Bilder der anderen an. Das macht schon was.“

Postkarten, verschwimmende Strukturen und nackte Fabelwesen

In der alten Halle in der Eisenbahnstraße hatte einst das Schaltgerätewerk seinen Sitz, später eine Tischlerei. Jeder der Künstler hat hier seinen Platz zum Malen und Kreativsein. In einer Ecke hängen die zahlreichen Illustrationen der 36-jährigen Nadine Conrad, gegenüber ihre Ölgemälde. Conrad hat sich nach ihrem Mediendesign-Studium in Hamburg schnell als Grafikerin selbstständig gemacht, später mit ihren Illustrationen und der Malerei angefangen. Mit ersteren, wie etwa ihren Ansichten von Potsdam auf Postkarten mit Tieren wie Füchsen, Wildschweinen oder Enten, hat sie sich mittlerweile einen kleinen Namen gemacht. Auch Kalender, Karten oder Poster illustriert sie. Seit ein paar Jahren malt Conrad außerdem mit Öl feine, detaillierte Landschaften. In dichten Nebel getauchte, von Kiefern gesäumte Berge, an den Strand brandende türkis leuchtende Meereswellen. Sie versuche eine bestimmte Stimmung in ihren Bildern festzuhalten, sagt Conrad. Die Natur sei einfach ihr Ding.

Wild und expressionistisch hingegen sind die Werke von Allan Paul. Mit breiten Pinselstrichen oder dem Spatel bringt er Farben und Formen auf seine Leinwand, die ineinander verschwimmen, neue Strukturen bilden. Paul hatte vorher als Sozialarbeiter und Suchttherapeut gearbeitet und ging vor fünf Jahren an die Schule für bildende Kunst und Gestaltung in Berlin. Auf der Leinwand versuche er, sein Inneres nach außen zu bringen, dabei entwickelten sich seine Bilder erst beim Malen.

Julia Brömsel hat früh mit dem Malen angefangen, dann jedoch zunächst eine Ausbildung gemacht und später Schauspielerei in Essen studiert. Zwei Jahre lang war sie mit dem Wandertheater „Ton und Kirschen“ unterwegs. Während ihrer Schwangerschaft fing sie dann an, sich komplett auf die Malerei zu konzentrieren. Wie Fabelwesen wirken ihre archaischen, manchmal nackten Figuren, die sie mit kräftigen Farben zwischen Bäumen, inmitten der Natur und Tieren zeigt. Menschliche Beziehungen, der Mensch und die Natur allgemein – das sind die Themen der Künstlerin. Zurzeit male sie viel mit Bäumen. Das Thema Regenwald, auch der Amazonas beschäftigt sie.

Vor einem Jahr gegründet: Das "Projekt Panama" in Werder (Havel) Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Vor einem Jahr gegründet: Das "Projekt Panama" in Werder (Havel) © Ottmar Winter

Dass die drei in Werder angekommen sind, zeigt sich auch daran, dass sie im nächsten Jahr im Kunst-Geschoss ausstellen dürfen. Die Eröffnung ist am 5. Februar geplant. Anlässlich des einjährigen Jubiläums des Künstlerprojektes öffnet ihr Atelier am 8. November 2019 zur Feier mit Musik und Essen von 17 bis 23 Uhr.

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