Direkt hinter dem Garten des ehemalige Familienhaus von Grit Beel befand sich, wie hier 1969 zu sehen, der Grenzzaun.  Foto: privat
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Museumsprojekt in der Mittelmark Konzept für das Kleinmachnower Museum steht

Eine Dauerausstellung, thematische Wechselausstellungen, Veranstaltungen, Workshops und Interventionen. Das neue Konzept für das Kleinmachnower Museum liegt nun vor.

Kleinmachnow - Ein kleines Mädchen, Grit, steht im Garten eines Hauses im Kleinmachnower Erlenweg. Direkt hinter ihr auf der Schwarz-Weiß-Fotografie sieht man den Grenzzaun. Dahinter liegen der Buschgraben und West-Berlin. Die Mauer stand zu diesem Zeitpunkt an der Stelle noch nicht, wie Grit Beel berichtete. 

Sie ist das Mädchen auf dem Foto und hat dem Kleinmachnower Museumsprojekt alte Bilder wie jenes aus dem Frühjahr 1969 zur Verfügung gestellt. Wie viele Kleinmachnower benötigten die Familie und ihre Besucher, da sich ihr Haus im Grenzgebiet befand, Passierscheine. Auf dem Erlenweg fuhren die Grenztruppen etwa alle 30 Minuten Streife, wie sich die Kleinmachnowerin erinnert.

Die Gemeindevertreter werden voraussichtlich im Dezember entscheiden

„Die Fotos sind Kleinmachnow in einer Nussschale. Sie zeigen den normalen Alltag, das kleine Mädchen im Garten und dann dahinter symbolisch die Weltgeschichte“, sagt Sophie Schulz, Leiterin des Kleinmachnower Museumsprojekts. Eine Dauerausstellung, in der die lokalen Besonderheiten und individuellen Lebenswirklichkeiten ebenso erzählt werden wie große Ereignisse und Umbrüche im Ort. Dazu thematische Wechselausstellungen, Veranstaltungen, Workshops und Interventionen. Für das lang ersehnte Museum in Kleinmachnow hat Schulz ein Konzept erarbeitet, das in den kommenden Wochen in den Ausschüssen der Gemeinde besprochen werden wird. Die Gemeindevertreter werden voraussichtlich im Dezember über das Konzept entscheiden. Dann würde die Gründung folgen.

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Wie berichtet, setzen sich Bürger, die Museumsinitiative und der Heimat- und Kulturverein seit Jahren für ein Museum in Kleinmachnow ein. Bereits 2016 und 2017 fanden zwei Ausstellungen statt, die auch als eine Art Praxistest für das künftige Museum dienten. In diesem Jahr sollte sich eine dritte Ausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Gemeinde Kleinmachnow mit dem Thema „100 Jahre Feiern“ beschäftigen. Coronabedingt wurden jedoch die Veranstaltungen zum Jubiläum auf das nächste Jahr verschoben – so auch die Ausstellung. Um die Zeit zu nutzen, arbeitete Sophie Schulz an dem Konzept.

Das Museum müsse langsam wachsen

„Ich empfehle ein kleines, charmantes Museum in der ehemaligen Auferstehungskirche, das ganz wesentlich auf Partizipation beruht, aber professionell geführt ist“, sagt Schulz. In den vergangenen Monaten stand sie für das Projekt mit den Mitgliedern der Museumsinitiative und des Heimat- und Kulturvereins im engen Austausch, ebenso mit zahlreichen Kleinmachnowern, deren Ideen und Wissen mit in die Konzeptentwicklung flossen. Schulz betont, dass das Museum langsam wachsen müsse. Man wolle klein anfangen. Das Museum soll nach den Plänen unter kommunaler Trägerschaft stehen. 

Projektleiterin Sophie Schulz (rechts) beim Auftakt der dritten Runde des Museumsprojektes im Dezember. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Projektleiterin Sophie Schulz (rechts) beim Auftakt der dritten Runde des Museumsprojektes im Dezember. © Andreas Klaer

Schulz schlägt eine ganze Stelle für die Leitung und eine halbe für die Museumspädagogik vor. Hinzu kommt ein kleines Team für den Besucherservice plus ehrenamtlich Engagierte. Die laufenden Kosten für den Betrieb schätzt sie auf rund 122 000 Euro pro Jahr, für das erste Jahr auf 105 000 Euro. Seinen Platz soll das Museum in der ehemaligen Auferstehungskirche am Jägerstieg bekommen. Dafür soll mit einem Architekten ein genaues Nutzungskonzept erstellt werden. Das Haus wird zudem saniert, der Beschluss wurde bereits getroffen. 

Ein lebendiger Ort der Begegnungen

Im Konzept wird vorgeschlagen, das Erdgeschoss für Ausstellungen, Veranstaltungen und den Besucherservice zu nutzen. Es gäbe eine Dauerausstellung sowie thematische Jahresausstellungen zu Kleinmachnow. Im ersten und zweiten Obergeschoss würden vor allem Büro- und Depoträume einziehen. Auch ein Werkstattraum für Gruppen- und Vermittlungsarbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen soll eingerichtet werden. Und für Vereine und andere Initiativen sollen Räume zur Verfügung stehen. 

Unten gäbe es außerdem eine Art Café, das zu Gesprächen oder auch zum Verweilen einlädt. In den warmen Monaten könnte auch der Garten genutzt werden. „Das Museum soll ein kleines Juwel sein, ein lebendiger Ort der Begegnung, direkt am Bannwald gelegen, an dem man sich treffen, sich austauschen oder auch im Garten einen Kaffee trinken kann“, so Schulz. Das Haus solle für alle Generationen sein, für Alt-Kleinmachnower wie Zugezogene und ebenso interessant für Besucher von außerhalb.

Es geht um das Gedächtnis des Ortes

Es handele sich um kein Museum nach Schema F, sondern ein genau auf Kleinmachnow zugeschnittenes, so Schulz. Das Besondere an der Gemeinde sei, dass sich die großen zeit- und kulturgeschichtlichen Ereignisse und Umbrüche in dem Ort spiegeln, sagt Schulz. Hinzu kommen die individuellen Erfahrungen und Lebensgeschichten der Bürger. „Hier gibt es sehr viel Potenzial, das nur noch gehoben werden muss“, so Schulz. Bislang hat es noch nie ein Museum in der Gemeinde gegeben. „Es geht um das Gedächtnis des Ortes“, sagt Schulz.

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Die Bürger sind nach wie vor  aufgerufen, sich mit Exponaten oder Geschichten zu beteiligen. Am 24. Oktober findet ab 10.30 Uhr eine Fachtagung mit Podiumsdiskussion zu dem Thema „Die Zukunft unserer Geschichten“ in der ehemaligen Auferstehungskirche statt. Und am 12. Dezember gibt es eine interkulturelle Weihnachtsfeier. Wer sich über das laufende Museumprojekt informieren oder für Veranstaltungen anmelden möchte, kann die Webseite des Projektes nutzen.

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