Andreas Schauer hofft, die Havel-Therme nach Ostern eröffnen zu können. Foto: Christoph M. Kluge
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Mini-Urlaub im Wellness-Bad Therme in Werder (Havel) bereit für die Öffnung

Die Havel-Therme ist offiziell abgenommen und bereit für die Öffnung nach dem Lockdown. Die Stadtpolitik streitet, ob der Pächter eine finanzielle Unterstützung bekommen soll.

Werder (Havel) - Das Wasser sprudelt in die Becken, die Liegen stehen bereit. Auf den ersten Blick wirkt es, als sei die Havel-Therme bereits eröffnet worden. Mit der förmlichen Bauabnahme am Dienstag wurden die Bauarbeiten offiziell beendet. Ein paar Details müssen noch nachgearbeitet werden, zum Beispiel an der Badewassertechnik und im Außenbereich. Das geht aus dem Bericht des Ingenieursbüros PST hervor, das für das Baustellen-Controlling zuständig ist. Aber Badunternehmer Andreas Schauer ist zufrieden: “Wir sind schneller fertig geworden und haben bessere Qualität geliefert als vertraglich zugesichert”, sagt er. 

"Schneller fertig, bessere Qualität"

Andreas Schauer hat den Bau als Generalunternehmer für die Stadt ausgeführt. In Zukunft wird er die Therme als deren Pächter betreiben. Dieses Vertragskonstrukt ist in der Stadtpolitik nicht unumstritten. Schauer beteuert: Für die Stadt sei es besonders sicher. Als Pächter habe er ein langfristiges Interesse am Standort, mit Pfusch am Bau würde er sich nur selbst schaden, sagt er.  

Allerdings hatte sich die Stadt mit dem Initiator des Projekts, Heinz Steinhart, eben gerade im Streit um dessen Baurechnungen überworfen. Der als “Bäderkönig” bekannte Steinhart war vorbestraft wegen Untreue und Betrugs. Das hielt die damalige Stadtspitze aber nicht von Geschäften mit ihm ab. “Wer sich mit so jemandem ins Bett legt, braucht sich nicht wundern, wenn es schiefgeht”, sagt Schauer heute. Dass die Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) nach ihrem Amtsantritt die Trennung von Steinhart durchgesetzt habe, sei ein “mutiger” und richtiger Schritt gewesen. 

Check-in wie am Flughafen

Stolz präsentiert Schauer das digitale Kassensystem - mit Self Check-in wie am Flughafen. “Die Gäste können online buchen und dann einfach durchgehen”, erklärt er. Ein Automat gibt den Schlüssel für den Spind aus. Dieser Schlüssel enthält einen Chip, über den auch die Rechnung verwaltet wird. Wenn der Gast zum Beispiel eine Massage in Anspruch nimmt oder an der Bar ein Getränk bestellt, wird der Betrag automatisch verbucht. 

Doch bevor zahlende Kunden kommen können, müssen die Corona-Bestimmungen gelockert werden. Schauer hofft, nach Ostern aufmachen zu können. Bis dahin verursacht die Therme ausschließlich Kosten. Die Badtechnik muss laufen, sonst gibt es Schäden. Laut Schauer kostet dieser Leerbetrieb 350.000 Euro im Monat. Staatliche Hilfe decke maximal 50.000 Euro davon ab. Und das bislang auch nur theoretisch, weil die Auszahlung verspätet komme. Schauer sagt, wenn er sein Krisenmanagement so angehen würde wie der Staat, wäre er längst pleite. 

Blick in die Havel-Therme. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Blick in die Havel-Therme. © Foto: Andreas Klaer

Schauer bat Stadt um Unterstützung


Um einen Teil der Kosten aufzufangen, hat Schauer im letzten Jahr die Stadt Werder um eine finanzielle Unterstützung gebeten. In der Stadtverordnetenversammlung stieß das zum Teil auf Widerstand, vor allem im Badausschuss. Der traf sich auch am Dienstagabend wieder zur Sitzung. Ob er daran teilnehme? Schauer winkt ab. “Die sollen mal diskutieren.” Es gebe in der Stadtpolitik viel Misstrauen dem Projekt gegenüber. Und manche Ausschussmitglieder seien nicht besonders gut informiert. Als Beispiel nennt er eine Sitzung im November, die in der Therme stattfand.  

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Damals hatten mehrere Mitglieder die Bürgermeisterin gefragt, welches Unternehmen eigentlich der Vertragspartner der Stadt sei. Schauer schüttelt den Kopf. Er könne nicht verstehen, wie man nach jahrelangen Diskussionen solche grundlegenden Fakten nicht kennen könne. “Dabei hat dieser Ausschuss doch nur ein einziges Thema.” Die Diskussion zum Thema Therme fand am Dienstagabend nicht-öffentlich statt. Im Hauptausschuss am Donnerstag soll es erneut darum gehen. 

Die Havel-Therme ist nicht Schauers einzige Baustelle. Eine Therme in Lindau am Bodensee steht kurz vor der Fertigstellung und soll im Mai eröffnet werden. Auch dort hat die Coronakrise die Bauarbeiten verzögert. Und das Wellnessbad “Aquabasilea” in Basel baut er gerade um. Die Baukosten aller Thermen summierten sich auf etwa 90 Millionen Euro, sagt Schauer. 

Die bestehenden Bäder bringen unterdessen keine Einnahmen. Im Berliner Liquidrom bleiben die Saunen ebenso kalt wie in der Solymar Therme im baden-württembergischen Bad Mergentheim oder der Saarland-Therme in Saarbrücken. Doch Schauer investiert. Im vergangenen Krisen-Sommer hat er das insolvente Saarbrücker Erlebnisbad Calypso als Pächter übernommen. Und direkt neben der Saarland-Therme kaufte seine Unternehmensgruppe zwei Grundstücke, auf denen ein Wellness-Hotel entstehen soll. Investitionsvolumen: 15 Millionen Euro. 

Der Unternehmer setzt auf die Zeit nach Corona. Auch wenn Flugreisen und Strandurlaube dann wieder sorglos möglich sein sollten, könnten die Menschen Entspannung und Ausgleich zum Alltag eher in der Nähe ihres Wohnortes suchen, vermutet er. Mini-Urlaub im Wellness-Bad. Davon werde speziell die Havel-Therme profitieren, die Menschen aus der Metropolregion anziehe. “Berlin und Potsdam werden Werder um diese Therme beneiden”, ist ein Satz, den Schauer häufig sagt. 

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