Schnell hochgezogen. Mit dem Bau des hinteren dreistöckigen Hauses ist im Februar begonnen worden. Davor liegt das Fundament für das zweite Haus. Auf dem 15 mal 39 Meter großen Grundstück entstehen sechs Mietwohnungen. Foto: Enrico Bellin
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Lückenfüller in Werder (Havel) Baulücken in der Stadt sinnvoll nutzen

In der Phöbener Straße in Werder wird auf einem schmalen Grünstreifen Wohnraum für sechs Familien geschaffen. Einzug im November geplant.

Werder (Havel) - Knapp 600 Quadratmeter Wohnfläche in einer nur 15 Meter schmalen Baulücke: In der Phöbener Straße 114 in Werder (Havel) will Architekt und Stadtplaner Detlef Grüneke zeigen, wie man Baulücken in der Stadt sinnvoll nutzen kann. Er bringt in zwei Holzhäusern sechs Wohnungen unter. Startschuss für das Bauprojekt war im Januar, in der nächsten Woche wird das Richtfest für das erste Haus gefeiert. Auch der Bau des zweiten Hauses auf dem fertigen Fundament soll dann beginnen.

Außen Beton. Den Häusern wird man den Holzkern nicht ansehen. Foto: 3dworks/grüneke Vergrößern
Außen Beton. Den Häusern wird man den Holzkern nicht ansehen. © 3dworks/grüneke

„Insgesamt dauert es fünf Tage, bis Außenwände, Zimmerdecken und Dach aufgestellt sind“, so Grüneke. Der 83-Jährige aus Blankensee (Teltow-Fläming) hat zehn Jahre lang in Werder gelebt und die Sanierung mehrerer Häuser auf der Insel geplant, etwa des früheren Hotel Wien am Markt 17.

Die Wände bestehen aus Holzplatten, die mit Zellulose als Dämmung aufgefüllt werden. An die Innenseiten werden Gipsplatten gesetzt, die Kabel, Steckdosen und Bilderaufhängungen aufnehmen können. Von außen werden die Wände mit Faserzementplatten in bläulichen und bräunlichen Tönen verkleidet. Bauherr ist das Werderaner Paar Nela und Christoph Bischoff-Everding.

Der Einzug ist laut Detlef Grüneke für November geplant. Die Investition liege im unteren Millionenbereich, die Kaltmiete soll 10,60 Euro pro Quadratmeter betragen – für einen Neubau nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt ist das derzeit üblich, die wenigen Angebote auf der Internetplattform „Immobilienscout“ in ähnlicher Lage liegen zwischen zehn und zwölf Euro. Wobei der Architekt betont, dass in seinen Holzhäusern kaum Nebenkosten anfallen: Geheizt wird durch eine Luftwärmepumpe, die ihren Strom von Solarzellen auf dem Dach bekommt. Nur Warmwasser wird über Durchlauferhitzer erzeugt, verbraucht also Strom, den der Mieter zahlen muss.

Holzhäuser Phöbener Straße 114 Werder (Havel) Neubau Detlef Grüneke Architekt Foto: Enrico Bellin Vergrößern
Holzhäuser Phöbener Straße 114 Werder (Havel) Neubau Detlef Grüneke Architekt © Enrico Bellin

Elektrizität wird auch in puncto Mobilität mitgedacht: An jedem der sechs Parkplätze, die vor den Häusern entstehen, werden Anschlüsse für Ladesäulen vorbereitet. Vier Parkplätze werden behindertengerecht sein: Die Wohnungen im Parterre sind barrierefrei erreichbar und ausgestattet. In der Wohnung im Mittelgeschoss gibt es ebenfalls keine Stufen, am außen liegenden Treppengeländer kann dem Architekten zufolge problemlos ein Lift nachgerüstet werden. Nur in den obersten Wohnungen wird eine steile Treppe eingebaut: Die Obergeschosse sind an jeder Seite 70 Zentimeter schmaler als der Rest des Hauses und bieten 86 Quadratmeter Fläche, dazu kommt ein über die Treppe erreichbares 13 Quadratmeter großes Zimmer im Dachgeschoss.

Nach Süden hin werden alle Wohnungen mit Terrassen oder Balkonen ausgestattet. Da der Abstand zum Nachbargrundstück mit Haus und hohen Bäumen gering ist, ist der Ausblick zwar begrenzt. Dafür kann aber auch niemand in die Wohnungen schauen.

Die sind variabel, da es keine tragenden Wände gibt. Grundsätzlich werden sie über drei Schlafzimmer, Bad und einen Wohn- und Kochbereich verfügen. Sind die Kinder ausgezogen, kann eine Trennwand herausgenommen und der Wohnbereich vergrößert werden. Die Holzwände sind nur wenige Zentimeter dick, sollen aber gute Schallisolierung bieten. Durch die Holzbauweise sind die Häuser laut Detlef Grüneke genauso teuer wie Steinhäuser, werden aber drei Mal schneller fertig. „Und Holzbauten halten ewig, denken Sie an die Fachwerkhäuser“, sagt der Architekt. Sie seien in Deutschland nur lange vernachlässigt worden.


Wenig Mietwohnungen in der Innenstadt

Die Stadt Werder (Havel) ist in den vergangenen Jahren extrem gewachsen, derzeit hat sie gut 26.000 Einwohner. Bis zum Jahr 2030 könnten es Gutachten zufolge bis zu 32.000 Einwohner werden. Gebaut wurden in Werder zuletzt jedoch vor allem Einfamilien- und Doppelhäuser, deren Eigentümer sie auch bewohnen. So ist die Einwohnerzahl der Havelauen, die zum Großteil aus Ein- und Mehrfamilienhäusern bestehen, in den vergangenen zehn Jahren von gut 500 auf etwa 2500 Menschen angestiegen. Auf der Internetseite „Immobilienscout“ werden derzeit zwar 40 Mietwohnungen in Werder angeboten, davon liegen aber nur 15 in der Innenstadt. Die meisten angebotenen Wohnungen befinden sich in einem Neubauprojekt am Glindower See.

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