27. Teltower Stadtfest Mit allem, was dazugehört

Andrea Lütkewitz

Soul, Blues, alte Boy-Band-Stars, Schlemmen und etwas Krawall: Wie Teltow sein 27. Stadtfest feierte.

Teltow - Er ließ einst Tausende Mädchenherzen höher schlagen, als er „You know it’s you Babe“ mit süßlicher Stimme ins Mikrofon hauchte. Im  Video zum Song damals oberkörperfrei, muskelbepackt – das war 1997. Fast zwanzig Jahre später lächelt Benjamin Boyce noch immer charmant in die Menge, dieses Mal mit Lederjacke und den ersten Falten. Ganz so viele Teenies wie früher zog der Ex-Boy-Band-Star von Caught in the Act zum Auftakt des 27. Teltower Stadtfestes am Samstag nicht mehr an. Doch einige seiner damaligen Fans, durchgehend weiblich und heute um die 30 Jahre, kamen nach Teltow, schnieften in ihre Taschentücher und schwenkten Feuerzeuge. Wie früher.

Regionale und internationale Künstler beim Teltower Stadtfest

Während die Frauen aus dem Boyce-Fanclub, mit Lederjacke bekleidet, auf dem ein großes B prangte, ihrem Idol sogar noch beim Verkauf der Merchandising-Artikel halfen, hatten die vielen anderen Besucher weitere Attraktionen im Blick. Zum Stadtfest Anfang Oktober traten wie schon in den Jahren zuvor auf zwei Bühnen internationale und regionale Künstler auf, geschlemmt wurde in der Genießergasse mit kulinarischen Angeboten aus aller Welt, es gab ein großes Angebot für Familien, eine Händlermeile, Kunsthandwerk und Kirmes mit Karussell und Zuckerwatte.

Der Samstag stand auf der großen Bühne ganz im Zeichen der jüngeren Hörerschaft. Nach Benjamin Boyce boten die Finalisten des Young Music Contest von Pop bis Rock ihren Zuhörern jede Menge Abwechslung – und machten es dem gleichermaßen stimmberechtigten Publikum und der prominenten Jury nicht leicht. Diese bestand aus dem Produzenten Michael Weiner (bekannt unter anderem für die Musik des Films „Fack Ju Göhte“), der Sängerin Bria Drain und dem TV-Macher Michael Beckmann (Musikmagazin „Howie’s Yagaloo“).

Ein bisschen wie in den Sendungen „Deutschland sucht den Superstar“ oder „The Voice of Germany“ – der ehemaliger Teilnehmer der letzteren Show, Andreas Kümmert, trat im Übrigen am Samstag auf – wurden sie in großen Sesseln vor der Bühne platziert. Überzeugen konnte schließlich die Band Kesh aus Fürstenwalde, mit einem Mix aus Rap, Rock und Blues. Sie gewann 1000 Euro. Den zweiten Platz und damit einen professionellen Videodreh bekamen My Arms aus Berlin, den dritten Platz machte John Apart aus Potsdam.

Nicht nur mit dem Auftakt, auch mit den anderen beiden Festtagen war Stefanie Herfurth von der brando Eventagentur, welche jährlich das Stadtfest auf die Beine stellt, zufrieden. Die Stimmung hinter der Bühne unter den Musikern sei dieses Jahr sehr gut gewesen: „Die haben sich alle riesig für den jeweils anderen gefreut und zusammen gefeiert“, sagt sie. Und egal, wer bei dem Young Music Contest gewonnen habe, hätten alle etwas von ihrem Auftritt in Teltow gehabt. So konnten die jungen Musiker bei dem Stadtfest neue Kontakte knüpfen, mehr Fans bekommen und den Ablauf rund um ein größeres Fest mitbekommen.

Mehrere Zehntausend Besucher - auch aus Berlin und Potsdam

Wie viele Besucher zum Stadtfest kamen, konnte Veranstalterin Herfurth nicht genau sagen. Wie in den letzten Jahren schätzte sie die Anzahl auf mehrere Zehntausend Besucher, darunter auch viele Berliner und Potsdamer. „Das Festangebot hat sich zu ihnen herumgesprochen“, so Herfurth. Das dreitägige Programm Anfang Oktober ist bisher gratis. Auch die Teltower Anwohner würden regelmäßig auf ihr eigenes Stadtfest kommen, so Herfurth. Dazu gehören auch Wolfgang und Regina Brenosch, beide Rentner. Jedes Jahr sei es schön, so das Paar, aber: „Vor der großen Bühne gibt es leider zu wenig Sitzplätze für Menschen in unserem Alter“, weshalb das Ehepaar sich meistens vor der kleinen Bühne aufhalte. Den Auftritt der in den 1980er-Jahren sehr beliebten Band Münchener Freiheit, die am Sonntag das Fest vor einem Publikum aller Altersklassen abschloss, dürften sie deshalb auch nicht aus nächster Nähe erlebt haben. Es allen Recht zu machen, ist eben schwierig. Das Stadtfest versucht dennoch, das Publikum egal welchen Alters mit seinem Programm zu begeistern. Bisher hat es geklappt.

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