Olaf Thiede hat "Engel von Kiew" anlässlich des Ukraine-Krieges geschaffen. Es wird versteigert. Foto: Promo
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Maler Olaf Thiede zeigt „Kaleidoskop“ Geburtstag mit Engel

Der Potsdamer Künstler Olaf Thiede wird 65, zeigt neue Werke in einer Ausstellung im Kongresshotel am Templiner See – und versteigert das Bild „Engel von Kiew“ für die Ukraine.

Potsdam - Es gibt Menschen, die sich mit 65 auf den Ruhestand vorbereiten. Der Potsdamer Maler Olaf Thiede wurde am gestrigen Mittwoch 65 und hat genau das Gegenteil vor. Er will eine neue Schaffensphase beginnen – beziehungsweise endlich realisieren. „Ich möchte ein Alterswerk versuchen“, sagt der Maler, der bisher vor allem für stimmungsvolle Landschafts- und Architekturmalerei bekannt ist. 

Versuchen ist dabei etwas bescheiden, denn Thiede hat schon vorgelegt: In der Ausstellung „Kaleidoskop“, die er sich zum Geburtstag schenkt, zeigt er eine komplette andere Seite – phantastische Bilder voller Fiktion und Symbolismus, mit historischen oder literarischen Bezügen. Klassische Malerei kombiniert mit Comic-Style, mit Effekten wie perspektivischen Spielereien, die an die Möglichkeiten moderner Kameraobjektive erinnern. Welt-Schnipsel im Kaleidoskop.

Ein Bild als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine

Die neue Ausstellung wird Freitagabend (8.4.) im Kongresshotel am Templiner See gezeigt. Höhepunkt zur Eröffnung ist die Versteigerung eines Werkes: ein Bild im Stil russischer Ikonenmalerei. Das Ölbild auf Holz, dem traditionellen Material für die Heiligenbilder der orthodoxen Kirche, hat Thiede erst vor wenigen Tagen beendet. Damit es nicht modern aussieht sondern optisch an diese besondere zeitlose Tradition anknüpft, hat es eine historisch anmutende Patina bekommen.

Das Bild entstand als Reaktion des Malers auf den Krieg in der Ukraine. Der Erlös der Versteigerung soll für medizinische Hilfen für die Ukraine gespendet werden. Zwei Wochen lang können Interessenten mitbieten. Zu sehen ist das Bild auf der Homepage des Auktionshauses. Auf 50 mal 70 Zentimetern sieht man den „Engel von Kiew“, ein Mädchen mit traditioneller Frisur und Kleidung, das als Engel über der Kirchenkuppeln geprägten Silhouette Kiews schwebt. Die dominanten Farben sind Gelb und Blau, dazu ein Himmel voll goldener Sterne – für das Göttliche oder Europa, so Thiede. 

Geprägt von russischer Malerei

Doppeldeutigkeiten sind bei ihm stets Absicht. Ebenso könne der rote Halsschmuck als Kette oder Blutstropfen gedeutete werden. Der Engel hält seine kräftigen Hände über der Stadt – als Schutz für die Menschen? Oder ist der Engel selbst in Gefahr? Thiede überlässt das dem Betrachter. Die dunklen Wolken hinter der Engel-Frau bedeuten in jedem Fall nichts Gutes.

Thiede war nie in Russland oder der Ukraine. Aber als Künstler habe ihn natürlich auch die russische Malerei geprägt – vom Jugendstil bis zu einigen durchaus guten Vertretern der sozialistischen Malerei, vor allem aber der Realismus und Impressionismus. „Die russischen Maler um 1850 bis 1900 sind einfach gut, das ist europäische Kunst“. In der aktuellen Ausstellung zitiert er deshalb den berühmten Marinemaler Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski mit seinem Bild „Hoffnung – Die Welle“: ein aufgewühltes Meer, aus dem doch etwas Gutes zu entspringen scheint.

Der Potsdamer Graphiker und Maler Olaf Thiede wurde am 7. April 65, jetzt schenkt er sich eine neue Ausstellung. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Der Potsdamer Graphiker und Maler Olaf Thiede wurde am 7. April 65, jetzt schenkt er sich eine neue Ausstellung. © Manfred Thomas

Bezüge zu Geschichte, Technik und Fortschritt, und zu Sagenhaftem

Das neue Werk des Potsdamer Malers ist indes gar nicht durchweg neu. Er habe schon immer gerne klassisch-realistisch gemalt, dafür aber nie einen Markt gesehen, zudem sei in Deutschland das Abstrakte stärker gefragt. Erst in letzter Zeit schwappe aus anderen europäischen Ländern und der Cartoon-Szene der neue Stil, in dem Realismus und Fiktion oft auf kosmische Art verschmelzen, herüber. Jetzt habe er das Bedürfnis und die Muße, an die frühere Leidenschaft anzuknüpfen. Manche Bilder stammen aus den 1970-ern, andere hat er aus dem Archiv geholt und erst jetzt beendet, wieder andere sind gänzlich neu.

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Die Themenvielfalt ist riesig, sie zeigt lokale Bezüge zu Architektur und Geschichte, zu Technik und Fortschritt, Natur, Mythos und Sagenhaftem. In dem Buch, das zur Schau erscheint, findet sich zudem ein Kapitel mit Bildern, die Thiede zu Gedichten von Fontane und Morgenstern gemalt hat. Das alles ist in der Tat ein üppiges Kaleidoskop – jedes Bild, jedes Kapitel, das Buch in seiner Gesamtheit.

Ein Maler, der größer geworden ist

Was man nur in der Ausstellung erleben kann: dass Thiede größer geworden ist. Während er früher handliche Formate bevorzugte, gibt es jetzt auch Großformatiges, Bilder von etwa ein mal zwei Metern. „Das hätte ich mich früher nie getraut.“ Am Samstag (9.4.) ist Olaf Thiede vor Ort im Kongresshotel und führt gerne Gäste durch die Ausstellung. Das Hotel wird die Bilder mindesten bis zum Spätsommer zeigen: Im Tagungsbereich und in der Zeppelinlounge. Für Besucher täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. 

Vernissage am Freitag, 8. April, um 18 Uhr. An der Benefiz-Versteigerung für die Ukraine kann über folgenden Link teilgenommen werden: www.auktionspunkt.de

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