Kurt Winkler war seit 2008 Direktor des HBPG. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Langjähriger HBPG-Direktor Kurt Winkler „Das Schwungrad einer Geschichtsmaschine“

Kurt Winkler über die neue Dauerausstellung am Haus Brandenburgisch-Preußischer Geschichte - und woran seine Nachfolgerin arbeiten muss.

Herr Winkler, die neue Dauerausstellung am Haus Brandenburgisch-Preußischer Geschichte sollte 2020 eröffnet werden, warum wurde es 2022?
Die kurze Antwort lautet: Politik. Die musste erst überzeugt werden. Dann aber hat man uns nach Kräften unterstützt und den notwendigen Rahmen bereitgestellt.

Seit 2008 leiteten Sie das Haus, nun gehen Sie in den Ruhestand. Gehen Sie gern?
Nein, natürlich geht man nicht gern. Ich hatte eine großartige Zeit, ein wunderbares Team. Dadurch hat man eine gewisse Abschiedsmelancholie – aber auch eine gewisse Erleichterung, künftig bestimmte administrative Aufgaben nicht mehr machen zu müssen.

Worauf sind Sie stolz?
Ich glaube schon, dass wir es geschafft haben, ein zeitgemäßes Konzept eines Ausstellungs- und Veranstaltungshauses zu entwickeln. Das ist gar nicht so selbstverständlich und gar nicht so einfach. Die Ausstellung ist Teil eines Konzepts, das mit der „Brandenburg Werkstatt“ und dem „Brandenburg Studio“, durchaus größer gedacht ist – die Ausstellung ist gewissermaßen das Schwungrad in einer Geschichtsmaschine. Und es gibt eine digitale Strategie für das alles. Das ist ein Konzept, das zukunftsfähig ist. Und: Als ich anfing, hatten wir einen Stellenplan unter zehn Stellen, heute haben wir 30.

Die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Landes Brandenburg wurde am Wochenende eröffnet. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Die neue Dauerausstellung zur Geschichte des Landes Brandenburg wurde am Wochenende eröffnet. © Andreas Klaer

Und die Kehrseite? Gibt es Versäumnisse?
2014 hat bekanntlich die Fusion zwischen dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und Kulturland Brandenburg stattgefunden. Beide Einrichtungen sind wichtig für das Land. Und die Zusammenführung, aus dem Nebeneinander etwas Gemeinsames zu formen, das ist mir nicht in der Weise gelungen, wie es notwendig gewesen wäre. Das lag an der Doppelspitze, die wir gebildet hatten, und die natürlich zur Verstetigung getrennter Geschäftsbereiche führte. Katja Melzer als alleinige Geschäftsführerin wird das sehr gut machen. Meine Rolle war es, das Haus zu entwickeln. Jetzt folgen die weiteren Schritte.

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Zu den Sonderausstellungen kamen weniger als 10.000 Menschen jährlich. Warum?
Das hat immer viele Ursachen. Wir haben nie die Finanzierungsmöglichkeit erreicht, mit der wir rein werblich eine große, überregionale Strahlkraft hätten entwickeln können. Da muss man heute ganz andere Summen aufrufen. Es ist auch so, dass Potsdam neben Berlin durch die Konkurrenz um die Zeit und die Zahl der Gäste nicht mithalten kann. Und Potsdam ist nicht so groß, dass es hier ein eigenes, sehr zahlreiches Publikum ausbilden würde. Das Quantitative relativiert sich aus meiner Sicht auch. Wir haben Projekte gemacht, die einen engeren Publikumskreis angesprochen haben, auf die ich heute noch angesprochen werde.

An der Sichtbarkeit wird Ihre Nachfolgerin stark arbeiten müssen. Woran noch?
In den Kultureinrichtungen stellt sich generell die Frage der Partizipation immer stärker. Wir kehren in gewisser Weise zur Quelle des Museums im 19. Jahrhundert zurück. Damals waren es Bürgerorganisationen, heute reden wir von Citizen Science. Die Beteiligung der Menschen an ihrer eigenen Erzählung ist ein zentraler Punkt, der aber durch die sozialen Medien stark unter Druck ist. Das ist eine ganz große Herausforderung: Wir müssen die neuen Medien nutzen und klassische Formen damit verbinden.

Die letzte Dauerausstellung am HBPG war fast 20 Jahre lang zu sehen. Wird eine neue Schau 2042 noch analog sein?
Der Kern der Sache – Dinge zu bewahren, an die wir Geschichte heften – das wird sich nicht verlieren. Dazu kommt gerade in digitalen Zeiten so etwas wie ein Wahrheitsversprechen des Gegenstandes. Weil es Gegenstände sind, auf die wir sehr unterschiedliche Blicke werfen, an denen sich unser Gespräch entzündet. Ausstellungen sind demokratisch, weil sie die Selbstwahrnehmung, die Selbstorganisation ermöglichen. Wenn sie cool gemacht sind.

Die Fragen stellte Lena Schneider

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