Das Schlosstheater Potsdam am Neuen Palais. Foto: Julian Stähle/dpa-Zentralbild
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Kompaktes Musenfest im Livestream Mini-Ausgabe der Potsdamer Musikfestspiele

Peter Buske

Die Potsdamer Musikfestspiele sind auf 2021 verschoben, doch zumindest im Livestream konnten Klassikliebhaber einigen Konzerten lauschen.

Potsdam - Drei Monate ohne livehaftiges Klangfutter – das ist schon hart. Die Sinne darben: Musikfestspiele abgesagt, kein Orgelsommer. Doch selbst hochkarätige Tonkonserven können das sinnliche Prickeln im Kreise Gleichgesinnter nicht ausgleichen. „Ersetzen können wir die diesjährige Festspielsaison nicht“, so Festspielchefin und Blockflötistin Dorothee Oberlinger. „Aber wir wollen zumindest eine Alternative bieten, die sich mit dem derzeitigen Spannungsfeld von Nähe und Distanz kreativ auseinandersetzt.“ Das Ergebnis: Ein dreistündiger Festspielabend der Alten Musik im renovierten Schlosstheater im Neuen Palais. Übertragen wurde er als Videolivestream und im rbb-Kulturradio.

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Straff und zügig ging es voran

Dabei konnten sich die Sinne nicht nur am rot-weiss-güldenen Interieur des Theaters, sondern auch per Einspieler an weiteren royalen Musiksälen erfreuen. Für die kongeniale filmische Adaption der Musik war der Schweizer Regisseur Fosco Dubini zuständig. Dass in allen Räumen kein Publikum anwesend war, empfand man nicht als Mangel, sondern als eine Möglichkeit, sich auf die Einheit von Raum und Musik konzentrieren zu können. Auf dem rotsamtigen Bänken des Schlosstheaters stellten sich in gebührenden Abständen Dorothee Oberlinger und Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, den Fragen der rbb-Kulturradio-Moderatorin Shelly Kupferberg. Ein Vergnügen ihnen zuzuhören.

Den Musikhunger stillten sogleich sechs Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin unter Anleitung von Geiger Georg Kallweit mit dem Allegro-Satz aus der B-Dur-Streichersinfonie von Johann Gottlieb Graun. Straff und zügig gingen die Alte-Musik-Gurus zu Werke, um danach den Gesangssolisten bei ihren affektgeladenen Vorträgen ein adäquater Partner zu sein. Sopranistin Lydia Teuscher profitierte beim Vortrag einer Arie aus Grauns „Cleopatra e Cesare“ genauso davon wie der Sopranist Philipp Mathmann, der mit ihr das Abschiedsduett aus Johann Adolph Hasses „Piramo e Tisbe“ ergreifend gestaltete. Technisch makellos und kraftvoll sang er eine Arie aus Grauns „Rodelinda, Regina de Langobardi“. Mit einem Ausschnitt aus Georg Philipp Telemanns ins nächste Jahr verschobenen „Pastorelle en musique“ begeisterte Bariton Florian Götz mit markanter Sonorität.

Dorothee Oberlinger. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Dorothee Oberlinger. © Sebastian Gabsch

Andere Spielorte klangen ohne Publikum hallig

Dagegen füllte Kammermusik die anderen Spielorte, die ohne Publikum sehr hallig, geradezu klangabweisend wirkten. In der Ovidgalerie spielten Michael Schmidt-Casdorff (Traversflöte) und Christine Schornsheim (Hammerklavier) mit glasklarer Intensität die A-Dur-Sonate von Friedrich II. Im Palmensaal saß sie am Fortepiano, um der ausdrucksberstenden Cellistin Kristin von der Goltz in Ludwig van Beethovens kontrastbetonter F-Dur-Sonate op. 5 eine gleichwertige Partnerin zu sein. In Friedrichs Musikzimmer im Neuen Palais vervollständigte sie das Basso continuo bei Auszügen aus Johann Sebastian Bachs „Musikalischem Opfer“, in denen Traversflöte und Violine (Mayumi Hirsaki) das Sagen bei den Verwandlungen des königlichen Themas hatten. Dieses hatte der Isang Yun für Violine solo (expressiv: Syeon Kang) als Bachhommage zwölftönig verarbeitet. 

Und die Festivalchefin Dorothee Oberlinger? Fand sich in Carl Philipp Emanuel Bachs a-Moll-Triosonate per Bassblockflöte im nachdenklichen Zwiegespräch mit der Bratsche (Anja Graewel), um schließlich fingerfertig und gefühlsstark zwei Sätze aus einem Concerto grosso von Francesco Geminiani der langen Klangnacht den virtuosen Schlusspunkt zu setzen.


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