Die Ausstellung „Mit dem Sandmann auf Zeitreise“ ist noch bis zum 30. Dezember 2020 zu sehen. Foto: Andreas Klaer
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Filmmuseum Potsdam Ein Hoch auf die Geburtstagskinder

Im Jahr 2019 zählte das Filmmuseum 71 000 Besucher. Ein Rückblick auf die Highlights im Jahr 2019 vor Ort und ein Ausblick auf 2020.

Potsdam - Unten wird sich duelliert, oben mit dem Segelschiffchen gefahren. Wilde Emotionen auf der einen und sanfte Gute-Nacht-Grüße auf der anderen Seite. Die zwei Geburtstagskinder Theodor Fontane und der Sandmann, die in diesem Jahr das Potsdamer Filmmuseum dominierten, haben nicht viel gemeinsam – mit Ausnahme ihrer Beliebtheit. Sie sind sicherlich mit ein Grund für die insgesamt 71 000 Besucher, die 2019 ins Filmmuseum kamen, immerhin 1000 mehr als im letzten Jahr. Das teilte das Museum mit, dessen Leitungsteam sich im Mai dieses Jahres neu sortiert hat: Die Arbeit von Museumsdirektorin Ursula von Keitz wird seitdem von Christine Handke, als stellvertretende Leiterin, Dorett Molitor als Sammlungsleiterin und Markus Zeeb als Verwaltungsleiter unterstützt.

Durchaus erfolgreich: Allein die Ausstellung „Mit dem Sandmann auf Zeitreise“, die erst am 10. November eröffnet wurde, besuchten bis Mitte Dezember 9000 Gäste. Anlässlich des 60. Geburtstages vom Sandmann, der am 22. November 1959 das erste Mal auf deutschen Bildschirmen zu sehen war, sind hier in 35 Vitrinen 135 Figuren sowie 25 Fahrzeuge zu sehen. Alle stammen aus den Rahmenhandlungen verschiedener Sandmann-Folgen, also den Szenen, die vor und nach der Abendgruß-Geschichten zu sehen sind. Mit der Rakete fliegt der Sandmann dort, schippert mit einem Segelschiffchen in den Hafen ein oder besucht bekannte Märchenfiguren wie Rotkäppchen oder Frau Holle. Auch die DDR-Geschichte wird in der Schau gezeigt, die noch bis zum 30. Dezember 2020 zu sehen ist: So besucht der Sandmann im Jahr 1968 auch eine Pioniereinheit der Nationalen Volksarmee.

"Rosen im Herbst" ist eine von fünf Effi-Briest-Verfilmungen, die noch bis März in der Foyerausstellung des Filmmuseums analysiert werden.  Foto: Ottmar Winter Vergrößern
"Rosen im Herbst" ist eine von fünf Effi-Briest-Verfilmungen, die noch bis März in der Foyerausstellung des Filmmuseums analysiert werden.  © Ottmar Winter

Was findet Effi wohl an Crampas?

Wie die politischen Verhältnisse Film und Fernsehen geprägt haben, zeigt auch die aktuelle Foyerausstellung „Theodor Fontanes Männlichkeiten. Rollenbilder zwischen Kino und Fernsehen“. Anlässlich des diesjährigen 250. Geburtstages Theodor Fontanes, widmet sich die Schau den männlichen Figuren in den Filmadaptionen seiner Romane. Noch bis zum 10. März 2020 wird sie zu sehen sein und die Frage nach der Männlichkeit bei Fontane stellen. Was macht sie aus, was sind ihre Motive, wie wird sie wann dargestellt – und die wichtigste Frage von allen: Was findet Effi nun eigentlich an Major Crampas? Mit insgesamt fünf Verfilmungen ist „Effi Briest“ einer der beliebtesten Fontanestoffe. Die berühmte Duellszene zwischen ihrem Ehemann von Instetten und ihrer Affäre Major von Crampas ist im Filmmuseum mit großen Schattensilhouetten dargestellt.

Die Besucherzahlen für die Foyerausstellung sind logischerweise nicht zählbar, wohl aber für die Sonderausstellung „Plakativ. Filmwerbung und Propaganda in Demokratie und Diktatur“. Von Mitte April bis Mitte August setzte sie sich über das Medium des Plakats mit der deutschen Filmgeschichte von 1930 bis 1950 auseinander – und zählte 3500 Besucher.

Die Sonderausstellung zu Filmplakaten zeigte dieses Jahr Poster aus den Jahren 1930 bis 1950.  Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Die Sonderausstellung zu Filmplakaten zeigte dieses Jahr Poster aus den Jahren 1930 bis 1950.  © Ottmar Winter

24 000 Besucher in der Dauerausstellung

Deutlich mehr Zuspruch bei den Besuchern erhielt ein Überläufer aus dem Jahr 2018: Bis zum 17. Februar war die Ausstellung „Mächtig gewaltig! Die Olsenbande kommt nach Potsdam“ noch zu sehen und ist mit insgesamt 23 000 Besuchern in 194 Tagen eine der erfolgreichsten des Filmmuseums. Allein vom 2. Januar. bis 17. Februar wurde sie von 7000 Gästen besucht. Und auch die zweisprachige ständige Ausstellung „Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg“ fand laut Filmmuseum wieder einen enormen Zuspruch und war besonders beliebt bei internationalen Gästen. Die Schau zählte rund 24 000 Besucher.

Neben den zahlreichen Ausstellungen luden auch zahlreiche Filmvorführungen zu einem Besuch im Museum ein: Unter anderem fand das traditionelle „Berlinale Spotlight – Perspektive Deutsches Kino“ statt, die „Ökofilmtour“, Teile des „Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg“ sowie die Eröffnung des Festivals „ „Moving History – Festival des historischen Films Potsdam“. Im Rahmen der „rbb Filmlounge“, eine Kooperation mit dem rbb Fernsehen, waren unter anderem der Regisseur Rudolf Thome sowie der Autor Christoph Hein zu Gast. Der Potsdamer Regisseur Volker Schlöndorff feierte in dieser Reihe seinen 80. Geburtstag – mit einer speziellen Vorführung seines Films „Die Blechtrommel“ im Director’s Cut. Die „rbb Filmlounge“ wird laut Filmmuseum am 16. Januar 2020 mit dem Schauspieler Günter Lamprecht fortgesetzt. Insgesamt wurden die vielen Kinoveranstaltungen von rund 27 500 zahlenden Gästen besucht.

Der Potsdamer Regisseur Volker Schlöndorff feierte dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Der Potsdamer Regisseur Volker Schlöndorff feierte dieses Jahr seinen 80. Geburtstag. © Andreas Klaer

125 Jahre Kino sollen gefeiert werden

Im nächsten Jahr geht es mit spannenden Filmen weiter: 2020 beginnt im Januar mit der Film- und Veranstaltungsreihe „Fassungslos! Ein anderer Blick auf Filmklassiker“ und der neuen Filmreihe „OstSofaKino – Filme des DDR-Fernsehens neu gesehen“. Und dann feiert schon wieder ein berühmter Mann Geburtstag: Am 20. Januar wäre der italienische Filmemacher Federico Fellini 100 Jahre alt geworden. Seine Filme wie „La Dolce Vita“ oder „La Strada“ sind bis heute weltberühmt und waren prägend für die Filmgeschichte. Letzterer ist am 31. Januar im Filmmuseum zu sehen, im April und Mai wird Fellini außerdem eine umfangreiche Fellini-Retrospektive gewidmet.

Bereits im März wird das Kino an sich gefeiert: Dann startet eine ganzjährige Veranstaltungsreihe mit paralleler Foyerausstellung zu „125 Jahre Kino“. Mit Live-Musik, Performances und Soundcollagen sollen unterschiedliche Kinoformen und historische Aufführungspraktiken – vom Variété bis zum Multiplex – seit der Erfindung des Kinos gefeiert werden.

Ulrich Illing arbeitete bei der Defa und verstarb überraschend 2018. Foto: Manfred Thomas Vergrößern
Ulrich Illing arbeitete bei der Defa und verstarb überraschend 2018. © Manfred Thomas

Die Sammlung von Ulrich Illing

In das Archiv des Filmmuseums ging dieses Jahr das Tonfilmmuseum und die Sammlung zur Tonfilmgeschichte des 2018 verstorbenen Tonmeisters Ulrich Illing über. Illing hatte seit 1970 bei der Defa gearbeitet. Bis zu seiner Pensionierung war er der Abteilungsleiter Tontechnik, danach blieb er weiterhin als Berater für Studio Babelsberg tätig. Für den Ankauf seiner Sammlung hat das brandenburgische Wirtschaftsministerium dem Filmmuseum Lottomittel in Höhe von 7664 Euro bewilligt. 

Später sollen ausgewählte Exponate, darunter ein Grammophon, ein Phonograph, Edison-Walzen und Lichttonprojektoren, im geplanten neuen Schaudepot des Filmmuseums an der Marlene-Dietrich-Allee wieder öffentlich zugänglich gemacht werden. Das Gebäude soll 2022 fertig sein – der Mietvertrag ist bereits unterzeichnet.


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