Szene aus dem Film „Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens“. Foto: absolut Medien
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Dokumentation über Picasso Picassos intimes Logbuch

Zu Besuch bei dem leidenschaftlichen Maler: die DVD-Sonderausgabe „Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens“ zeigt private Bilder des Künstlers.

Potsdam - Die Zigarette scheint gerade erst ausgedrückt worden zu sein. Alles sieht so aus, als sei Picasso nur mal kurz auf die Terrasse hinausgetreten. Doch an diesem Frühlingstag, dem 8. April 1973, bleibt die Asche kalt. Picasso stirbt mit 91 Jahren in seinem Haus in Mougins. Bis zum Schluss ist er in seine Arbeit vertieft. Dann streikt das Herz. „Was kann man sich mehr wünschen als einen Tod mit dem Pinsel in der Hand?“, hatte der Maler zuvor gesagt.

In dem Film „Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens“ bekommt der Betrachter eine leise Ahnung von den Geheimnissen des wohl berühmtesten Künstlers der Moderne, dessen Signatur wie eine Maske über sein Werk und Leben lag. Wir sehen ihn, wie er in einem Zug seine berühmte Taube malt, wie er mit seinen Kindern im Garten spielt, wie er voller Hingabe mit freiem Oberkörper an seinen Skulpturen arbeitet. In diesem preisgekrönten Porträtfilm, der am 12. April anlässlich der Ausstellung „Picasso – Das späte Werk“ im Museum Barberini als DVD-Sonderausgabe in der Arte Edition erscheint, lüften sich Schleier. 

Trauer und Leidenschaft

Der Zuschauer tritt ein in die Bildwelten und chaotischen Familienverhältnisse des „Minotaurus“, der unersättlich immer wieder neue Frauen verschlingt. Und sieht, wie ihn der Krieg umtreibt, er seine Abscheu in „Guernica“ fließen lässt: in Schwarz, Weiß und Grau, als sei die Farbe ausgeblutet. Weggefährten, die Geliebten, seine Kinder kommen zu Wort und machen begreifbar, wie tief sich persönliche Trauer und Leidenschaft in Bilder versenken.

Die Freude des Fleisches entdeckte Picasso als Jugendlicher in den Armen von Prostituierten und bannte diese Sinnlichkeit auf Leinwand. Der Tod eines impotenten Freundes, der sich erschoss, weil er seine Liebe nicht leben konnte, führte ihn zur Farbe Blau: zu Kälte und Zerbrechlichkeit. Er malte Einsamkeit, Armut und Elend – und verkaufte in dieser Zeit nichts. Zwei Jahre später trat Madeleine in sein Leben und mit ihr die Farbe Rosa. In dem Film schauen wir auf die Gemälde und sehen den Maler darin. Sie lesen sich wie ein Tagebuch. Es ist zu spüren, wie sich das Rauchen von Haschisch auswirkte oder der Einzug der Fotografie. Sie führte zu einer Sinnkrise des Malers und schließlich zum Zerlegen und Neuzusammensetzen von Formen: zum Kubismus.

Als das Genie starb, begann in seinen elf Domizilen die Bestandsaufnahme eines unglaublichen Nachlasses, von dessen Ausmaß niemand etwas ahnte. Die Inventur dauerte drei Jahre. Dieses immense Oeuvre entpuppte sich als intimes Logbuch des Künstlers. Aufnahmen aus dem Familienarchiv und zuvor unveröffentlichte Filmdokumente lassen das vielfarbige Porträt eines Getriebenen entstehen: hin- und hergerissen zwischen Blond und Braun, Glück und Qual. 

Hugues Nancy: „Picasso – Bestandsaufnahme eines Lebens.“ Geschrieben von Hugues Nancy und Olivier Widmaier, DVD, Farbe, 110 min. 9,90 Euro, Arte-Sonder edition.


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