Mathias Paselk leitet ab Juli das Waschhaus Potsdam (klaer) Foto: Andreas Klaer
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Bunt und ökologisch abbaubar Das Waschhaus-Programm 2020

Beim Neujahrsempfang gab das Waschhaus einen Überblick zu bevorstehenden Höhepunkten in seinem Veranstaltungsprogramm. Im Jahr 2019 wurde das Haus auch kritisiert.

Potsdam - Das Waschhaus lud am Donnerstagabend zum Neujahrsempfang und blickte sowohl zurück, als auch auf das angebrochene Jahr. „Wir stehen hier im Saal des Waschhauses, wo 1992 alles begann“, leitete Geschäftsführer Mathias Paselk ein. Seit den Anfängen hat sich einiges verändert – ganze 1100 Veranstalten zählte das Haus in 2019, 131 385 Besucher kamen vorbei, zu Konzerten und Großveranstaltungen, aber auch zu Workshops und Kursen. Als etwas, was ihm nach wie vor besonders am Herzen liege, nannte er das Integrationsprojekt „Heimatsounds“, das Einwanderer zum gemeinsamen Musizieren einlädt. 2016 initiierte das Waschhaus diese Veranstaltung, die an den Integrationspreis der Stadt gekoppelt ist.

Eugen Ruge kam 2019 nach Potsdam

Auch auf die Literaturveranstaltungen wurde zurückgeblickt: Zu 22 Lesungen kamen rund 2500 Gäste. Stars waren im vergangenen Jahr Sasha Lobo oder Eugen Ruge. Von den Ausstellungen, die im Kunstraum des Waschhauses stattfanden, wurde „Realitätscheck“ besonders hervorgehoben. Positionen bekannter Künstler von der Sammlerplattform Art'Us Collectors' Collective stellte Kurator Mike Geßner hier aus, die Versicherungssumme sei ungewohnt hoch gewesen, scherzte Paselk. Der Waschhaus-Leiter erinnerte auch an den Kindertag mit 3000 Besuchern, der 2020 wieder stattfinden soll, an den Regen beim Kinosommer und das dennoch erfolgreiche Konzert von Andreas Dresen mit anschließender Vorführung seines „Gundermanns“. 

Beschwerden wegen des Konfettis

Die Freiluftbühne wurde auch von den „Havelbeats“ genutzt, hier gab es im Nachhinein Beschwerden der Nachbarn. Nicht etwa wegen der Lautstärke – das Waschhaus hat vertraglich geregelt, dass es an vier Tagen im Jahr bis jeweils 24 Uhr laut sein darf –, sondern wegen des Konfettis. Der Wind habe schlecht gestanden und so sei das meiste auf dem Vorplatz des Hans Otto Theaters gelandet. Er habe dann selbst den Besen in die Hand genommen, so Paselk. Die „Havelbeats“ 2020 am 15. August sollen mit einer ökologisch abbaubaren Alternative für Konfetti und Feuerwerk stattfinden. Warum man dergleichen überhaupt brauche, während größere Technofestivals bereits seit Jahren ohne auskommen? „Die Leute erwarten ein Spektakel“, lautet Paselks Antwort. An den übrigen drei lautstarken Tagen beleben die Band Tocotronic – wohl der Höhepunkt im Waschhaus-Jahr –, der Geburtstag von Antenne Brandenburg und Thees Uhlmann, Sänger der Hamburger Band Tomte, die Freiluftbühne. Was im Übrigen nicht vergessen werden darf: Das Waschhaus konnte Einstürzende Neubauten für sich gewinnen, im April ist die Band zu Besuch.

Starke Preise - das war einmal anders

Gestiegen sind mit den Jahren nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Preise. Manch einer wundert sich, für eine Lesung von Wladimir Kaminer 21 Euro zahlen zu müssen oder für ein Konzert von Jan Josef Liefers und Band zwischen 40 und 50 Euro. Das Konzert von Letzteren etwa werde von D2m Berlin organisiert, das Waschhaus vermiete hier lediglich seine Räumlichkeiten, sagt Paselk. Und oft werde vergessen, wie teuer die Herrichtung von beispielsweise der Freiluftbühne sei: Rund 10 000 Euro kostet die Vorbereitung, weswegen 2020 gleich drei Open Air-Veranstaltungen hintereinander stattfinden, damit es sich lohnt.

Die Tanzbeauftragte des Hauses, Anja Kozik, freut sich besonders auf ein Stück, das sie gemeinsam mit einer Fotografin inszeniert: „Frames“. Außerdem wird sie 2020 in Kooperation mit der Awo ein Stück mit authistischen Künstlern erarbeiten. Der Schriftsteller Max Gold ist bereits im Februar zu Gast, freut sich Literaturbeauftragter Tobias Marten. Außerdem trägt Hörspielsprecher Jens Wawrczeck Hitchcocks Romanvorlage „Die Vögel“ vor. Und das Talk-Format mit den Autorinnen Thea Dorn und Juli Zeh, welches wegen Krankheit verschoben worden war, soll im Mai nun endlich beginnen, mit Rüdiger Safranski als erstem Gast. Man darf also gespannt sein.


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