Der Sänger, Gitarrist und Schauspieler Axel Prahl ist Freitag Gast beim Waschhaus-Open-Air.  Foto: Manfred Thomas
© Manfred Thomas

Axel Prahl im PNN-Interview "Und jetzt kommt der Endspurt"

Axel Prahl kommt am Freitag zu einem Konzert nach Potsdam. PNN-Redakteurin Heidi Jäger hat vorab mit ihm über das Älterwerden, seine CD „Mehr“ und neue Filme mit Dagmar Manzel und Vanessa Mai gesprochen.

Herr Prahl, leider schaffen wir es nur telefonisch mit unserem Interview. Wo erwische ich Sie gerade?

Ich bin auf dem Rückweg vom Synchronisieren von „Angry Birds 2“. Da musste ich noch ein, zwei Kleinigkeiten ausbessern, bevor er am 19. September in die Kinos kommt. 

Bei uns geht es jetzt aber nicht um den unterhaltsamen Familienfilm, sondern erst einmal um das Waschhaus-Open-Air, zu dem Sie morgen mit Ihrem Inselorchester anreisen. Sie stellen dort Ihre zweite CD vor: nach „Blick aufs Mehr“ folgt nun „Mehr“. Sind Sie unersättlich?

Unersättlich wohl eher nicht. Doch so lange man lebt, ist man auf der Suche. Aber einen Moment: Ich muss mal abbiegen und das Auto abstellen ... So. Also: Ich bin neugierig und bleibe es hoffentlich noch lange. Mit meinem Debütalbum erfüllte ich mir 2011 meinen Jugendtraum: eine Schallplatte mit meinem Namen, mit meinen selbstgeschriebenen und komponierten Liedern. Das hatte ich mir schon gewünscht, als ich mit acht Jahren meine erste Gitarre geschenkt bekam. Ursprünglich waren damals 15 Konzerte geplant. Das Debütalbum „Blick aufs Mehr“ war jedoch so erfolgreich, dass wir mittlerweile bei über 170 Auftritten sind. Es scheint also gut anzukommen, was mich natürlich sehr freut. Nach „Blick aufs Mehr“ hatte ich noch viele unbearbeitete Themen in der Schublade und so kam es zu „Mehr“.

Auf was kann der Zuhörer nun blicken?

Auf eine musikalische Weltreise. Es sind dabei: ein Tango, Chansons, ein Fado, ein Shanty. Und auch karibische Klänge sind zu hören.

Und darf mitgesungen werden?
Mitsingen ist immer gut. Ich singe bei meinen jetzigen Konzerten auch Lieder von der ersten Platte und staune jedes Mal, wie textsicher das Publikum ist, sogar bei dem Lied „Wilde Welle“, das extrem schnell zu singen ist. Die aktuelle Scheibe haben wir mit den Brandenburger Symphonikern aufgenommen, das ein noch größeres Orchester ist als das Babelsberger Filmorchester, mit dem wir unser Debüt einspielen durften. Es war für meine Band „Das Inselorchester“ und mich ein wirklich beeindruckendes Erlebnis. Ähnlich wie auf dem Debütalbum eröffnen wir mit einer klassischen Ouvertüre, erneut geschrieben von meinem Freund Danny Dziuk. 

Soll es eher ein Gute-Laune-Konzert sein?

Zu einer großen Fröhlichkeit gehört meines Erachtens auch immer eine Sentimentalität. 

Welche Themen treiben Sie um? 

In „Heute fang ich an“ geht es beispielsweise darum, Neues zu wagen. Das Lied habe ich mir selbst gewidmet. Viele meiner Lieder habe ich über oder für jemanden geschrieben. So auch die Ballade „Du hast viel zu laut gelacht, mein Freund“. 

Worum geht es da?

Um einen geselligen Abend mit guten Freunden, der anders endet, als von mir erhofft. Mehr verrate ich nicht. 

Aber Sie machen auch politische Lieder.

Durchaus, ja! Mir geht es in meinen Songs um Zwischenmenschliches und Gesellschaftspolitisches. Beispielsweise im Song „Erbarme Dich“, der sich inhaltlich der Sensationslüsternheit der Medien widmet. Gerade am Dienstag erhielt ich eine Pushmeldung auf dem Handy, in der der „Spiegel“ darüber berichtet, dass in Indien ein dreijähriges Mädchen vermutlich vergewaltigt und geköpft wurde. Vermutlich! Selbst der Spiegel operiert mit solchen vagen Informationen und macht reißerische Headlines daraus. Ich hatte an dem Tag vier solcher grauenhaften Meldungen auf meinem Handy, die ich mir anschauen sollte. 

Was hat sich seit Ihrem Debüt verändert?

Die Musik ist tatsächlich, wie man so schön sagt, mein zweites Standbein geworden. Allerdings ist es inzwischen schon eine immense Aufgabe geworden, die Termine der Konzertanfragen mit den Terminen der Dreharbeiten unter einen Hut zu bekommen.

Aber die Drehtermine lassen sich sicher nicht so einfach planen? 

Wir planen natürlich jetzt schon die Konzerttermine für 2020. Und die Drehzeiträume der neuen Tatortfolgen für das kommende Jahr stehen auch bereits fest.

Sie haben ja nicht nur Tatorte.

Richtig! Am 27. September beispielsweise wird ein wunderbarer Film in der ARD ausgestrahlt: „Gloria. Die schönste Kuh meiner Schwester“, und meine Schwester ist die großartige Dagmar Manzel, die ja auch bei „Willenbrock“ mitspielt. 

Das hört sich nach Komödie an.

Es ist eher eine Tragikomödie, die darüber erzählt, wie schwer es kleine Bauern haben, ihre Höfe am Leben zu halten. Vor allem, wenn der Hausherr – Dagmars und mein Vater – verstorben ist, wie in unserem Film. 

Und da sieht man Sie ausmisten und Kühe streicheln?

Auch. Aber ich habe mit dem Hof ganz andere Pläne. Mehr möchte ich aber nicht verraten.

Gibt es noch weitere Filme, in denen man Sie demnächst erleben kann? 

Gerade habe ich einen Film mit Vanessa Mai abgedreht, in dem auch vier Songs von mir dabei sind. Vanessa ist ja von Hause aus Sängerin beziehungsweise Musikerin. Nun ist sie zum ersten Mal in einer Hauptrolle zu sehen. 

Welche Rolle spielen Sie in diesem ARD-Fernsehdrama?

Ihren Vater.

Und beide tingeln sie mit Ihrer Musik durch die Lande?

Wir sind ursprünglich sehr getrennte Wege gegangen. Seit Jahren hatten wir keinen Kontakt zueinander. Dann steht sie plötzlich vor meiner Tür.

Und mit Herrn Boerne bleiben Sie weiter das in Zickigkeit vereinte „Tatort“-Paar aus Münster? Halten Sie ihm die Treue?

Bisher ist mir nichts anderes bekannt. Es sei denn, Sie wissen mehr als ich. Mitunter erfahren die Kollegen ja aus der Zeitung, dass sie nicht mehr weitermachen. 

Nein, ich weiß nicht mehr. Gibt es auch mit Regisseur Andreas Dresen neue Projekte?

Bisher leider nicht, aber Andreas Dresen und ich sind seit vielen Jahren miteinander verbunden. Daraus entstehen auch sicherlich wieder neue Projekte. Es gab ja einige Jahre lang auch immer die musikalische Zusammenarbeit in der Dresen-Prahl-Band, aber das wurde mir jetzt im Zuge meines eigenen Orchesters arbeitstechnisch ein wenig zu viel. Deshalb habe ich mich nach der Premiere von „Gundermann“, wo ich noch bei vier Konzerten dabei war, zurückgezogen. Schweren Herzens! Aber, man wird ja auch nicht jünger.

Nächstes Jahr werden Sie 60. Macht Ihnen das Angst?

Na ja, jetzt kommt der Endspurt. Entweder gibt man noch mal richtig Gas oder tritt auf die Bremse. 

Wohin tendieren Sie?

Ich weiß es nicht. Ich habe es schon immer so gemacht, dass ich die Dinge aus dem Bauch heraus entschieden habe. Ich lasse das mal gelassen auf mich zukommen.

Sie spielen gern auch mal das Raubein, wie in „Willenbrock“, der Film, der nach dem Konzert am Waschhaus läuft. Wie raubeinig sind Sie privat?

Der eine erlebt es so, der andere so. Es ist schwierig mit der Selbsteinschätzung. Ich würde sagen, dass ich vielleicht etwas wortkarg bin. Andere würden vielleicht genau das Gegenteil behaupten – meine Frau zum Beispiel.

Wie passt Ihr Konzert mit dem Film zusammen?

Sie meinen, was das Konzert mit dem Film zu tun hat? Ich spiele in beidem die Hauptrolle! Ich finde übrigens, dass „Willenbrock“ einer der stärksten Filme von Andreas Dresen ist – abgesehen von „Gundermann“, der natürlich großartig und ein Meilenstein war. Oder auch „Halbe Treppe“. Aber „Willenbrock“ ist sehr unterschätzt worden, er ist nicht sonderlich gut im Kino gelaufen. 

Also eine gute Gelegenheit, „Willenbrock“ mal wieder zu sehen. Möchten Sie angesichts der Entwicklung in der Welt auch manchmal eine Knarre in die Hand nehmen wie dieser Willenbrock?

Nein, ich bin durch und durch Pazifist. Obwohl ich nicht weiß, wie ich reagieren würde, wenn meine eigene Familie in Bedrängnis gerät.

Was macht die besondere Stärke des Films aus? 

Willenbrock“ zeigt das Verführerische des Materialismus und dass man nie ganz sicher sein kann in seinem eingerichteten Leben. Wir haben lange Zeit ausgeblendet, dass wir sehr auf Kosten anderer einen gewissen Wohlstand etabliert haben. Und das schon seit Jahrhunderten, wenn man bis weit in die Kolonialzeit zurückblickt. Und im weitesten Sinne hat „Willenbrock“ auch etwas damit zu tun; dass Menschen hierherkommen und ihren gerechten Anteil verlangen. 

Noch einmal zurück zu Ihrer Platte. Das Wort „Mehr“ spielt auch auf das Meer an. 

Ja, es gibt maritime Lieder, wie „Der Kapitän“, der durch einen Unfall seine Beine verliert und damit auch seine Daseinsberechtigung als Kapitän.

Ein wuchtiges Thema.

Ja, worüber manch anderer sicher keine Lieder machen würde.

Woher kommt Ihre Sehnsucht nach dem Meer? Sie sind in Eutin geboren. Das liegt ja nun nicht am Meer.

Ich bin in einem Kreißsaal von Eutin zur Welt gekommen, ja, aber aufgewachsen bin ich in Neustadt in Holstein, das direkt an der Ostsee liegt. In den Sommerferien bin ich morgens um 9 raus aus dem Haus und runter zum Strand und abends um 9 erst wieder rein.

Hatten Sie ein eigenes Boot?
Ich hatte ganz viele Freunde mit Boot und habe deswegen auch nie einen Segel- oder Bootsführerschein gemacht. Ich bin immer mitgefahren, und das hat mir eigentlich gelangt. Aber auf meiner Agenda für 2020 steht: Ich werde einen Motorbootführerschein machen.

Also noch mal durchstarten und Kapitän werden.

Ja, vielleicht dann doch.

Axel Prahl und sein Inselorchester im Open Air Konzert und Kinosommer am Freitag im Waschhaus, Schiffbauergasse. Konzertbeginn 20 Uhr, Filmbeginn von „Willenbrock“ 22.15 Uhr. Tickets im Vorverkauf 35 Euro, an der Abendkasse 41 Euro

Zur Startseite